Vor gut einem halben Jahr startete in Leipzig das Projekt UniSolar - eine Initiative von Studierenden, die auf den Dächern ihrer Hochschulen Solaranlagen installieren wollen. Mit einem Darlehensvertrag und einer garantierten Rendite von vier Prozent wurden die KommilitonInnen angelockt - und zeichneten in Scharen. Nun ist die Anlage fertig und liefert ihren ersten Strom an die Leipziger Stadtwerke.
Wir haben eine Großanzeige für die Photovoltaikanlage montiert, wo dann halt Momentanleistung, Tagesenergieertrag und Gesamtenergieertrag zu sehen ist.
Wenige Meter links vom Eingang des Geisteswissenschaftlichen Zentrums der Uni Leipzig wird sie künftig stehen: die über zwei Meter große Anzeigetafel der neuen UniSolar-Anlage. Mit vereinter Manneskraft versenken und verschrauben Mike Ochsmann und Sven Böhme die Metallfüße im Boden und schließen die Elektronik im Inneren des Kastens an. Die Tafel ist der letzte Baustein der über 170 Tausend Euro teuren Anlage. Die Sonnenkollektoren selbst stehen fünf Stockwerke weiter oben auf dem Dach des Hauses. Bis vor wenigen Tagen wurde auch hier noch geschraubt und verkabelt - insgesamt installierten Thomas Posanski und seine Kollegen 122 einzelne Solarmodule. Bei optimaler Sonneneinstrahlung wird die Anlage bis zu 30 Kilowatt Strom pro Stunde liefern, erklärt der Chefingenieur.
Eine Gesamtfläche ist das von ca. 250 Quadratmetern. Das bedeutet, wir werden im Jahr 27 bis 28 Tausend Kilowattstunden Energie einspeisen in das Netz der Stadtwerke. Wenn man das umrechnet auf Haushaltstromtarif: Also ein Drei-Personenhaushalt hat ca. 1500 Kilowattstunden im Jahr. Und das würde wiederum bedeuten, dass ungefähr 18 bis 20 Haushalte ihren gesamten Jahresstrom über diese Photovoltaikanlage decken könnten.
20 Haushalte klingt im ersten Moment nicht viel. Doch die neue Anlage soll erst der Anfang sein - von einem langen Weg zur CO2-freien und umweltbewussten Hochschule. Davon träumen zumindest die Initiatoren. Das Projekt UniSolar startete letzten Winter. Wochenlang verteilten Ferdinand Dürr, der Vorsitzende des Vereins und Student der Politikwissenschaften, und andere Vereinsmitglieder Handzettel an den Leipziger Hochschulen. Unermüdlich warben sie für ihre Idee - bangten und hofften, dass sie die benötigten Gelder irgendwie zusammen bekommen. Mit großem Erfolg. Knapp 100 Darlehensverträge wurden unterschrieben. Jetzt haben die Initiatoren ein Luxusproblem, denn in der Vereinskasse sind knapp 100 Tausend Euro zu viel.
Das Projekt ist super angekommen. Wir haben gemerkt, Klimaschutz ist ein Thema, was den Leuten sehr wichtig ist. Und wir sehen diesen hohen Zuspruch auch als Verpflichtung an weiter zu machen. Und werden in jedem Fall weitere Anlagen planen.
Das Modell von UniSolar ist so simpel wie reizvoll. Einerseits investieren die Studierenden in saubere Energie und schützen aktiv die Umwelt - und andererseits bessern sie damit ihre Finanzen auf. Denn jeder, der sein Geld bei UniSolar anlegt, macht in zehn Jahren insgesamt vier Prozent Gewinn - und verdient von der ersten Minute an mit.
Bei Tausend Euro bekommt man über 10 Jahre 220 Euro an Zinsen dazu, bekommt allerdings auch das Geld schon innerhalb dieser 10 Jahre zurück. So dass der effektive Zinssatz bei vier Prozent liegt. Die Rendite kommt daher, dass es über das "Erneuerbare Energien Gesetz" einen garantierten Preis gibt, den ökologisch erzeugter Strom erzielt, wenn er ins öffentliche Netz eingespeist wird. In dem Fall wird der Strom an die Stadtwerke verkauft, die 49,02 Cent je Kilowattstunde bezahlen an das Studentenwerk.
Das Leipziger Studentenwerk ist der offizielle Betreiber der Anlage und schloss die Darlehensverträge mit den Studierenden ab. Der Mindesteinsatz lag bei 250 Euro, maximal 2500 durften investiert werden. Als eine der Ersten unterschrieb Karola Kunckel, die an der Leipziger Uni Erziehungswissenschaft studiert.
Ich fand die Idee schön, dass viele Leute gemeinsam ein Projekt, was letztendlich einen ökologischen Nutzen hat, dass die Leute sich zusammen tun und das möglich machen. Bei mir persönlich spielt die Geldanlage nicht so eine große Rolle. Weil aus 250 Euro, letztendlich kommt da nicht so ein Riesenbetrag raus, dass man damit reich wird. Aber man macht auf jeden Fall nicht minus.
Für das Leipziger Modell interessieren sich mittlerweile auch andere Hochschulen. Konkrete Anfragen gibt es unter anderem aus Erfurt, Berlin, Karlsruhe, Jena und Nürnberg. Und während die Leipziger fleißig Erfahrungsberichte durch die Republik schicken, versuchen sie ganz nebenbei, auch noch ihr Luxusproblem zu lösen.
Wir haben jetzt als neuen Kooperationspartner die Uni im Auge. Die einfach mit ihrer Organisationsstruktur die Möglichkeit hat, zum Beispiel eine GmbH zu gründen und mit der ein ähnliches Projekt zu betreuen. Die Universität hat auf jeden Fall ihre Unterstützung zugesagt, weiß allerdings noch nicht, inwiefern es rechtlich machbar ist, tatsächlich auch diese Darlehensverwaltung zu übernehmen. Dächer wird es in jedem Fall weiter an der Uni geben und wir sind auch schon daran, ein weiteres Projekt an der Uni in Leipzig zu machen.
Alle Infos rund um UniSolar findet man im Internet unter: UniSolar der Uni LeipzigInteressierte Studierende können sich auf dieser Seite auch bereits als Geldgeber für kommende Solarprojekte vormerken lassen.
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