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11.07.2007
Bei der Bewilligung von Forschungsanträgen scheint es eine neue Offenheit gegenüber den Geisteswissenschaften zu geben.  (Bild: Deutschlandradio / Bettina Straub) Bei der Bewilligung von Forschungsanträgen scheint es eine neue Offenheit gegenüber den Geisteswissenschaften zu geben. (Bild: Deutschlandradio / Bettina Straub)

Halbzeit im Jahr der Geisteswissenschaften

Von Mareike Knoke

Die Erwartungen der Wissenschaftler an das Jahr der Geisteswissenschaften sind groß. Endlich sollen die Arbeitsbedingungen in Lehre und Forschung verbessert werden und die Geisteswissenschaften in der Öffentlichkeit eine größere Rolle spielen.

Raus aus der ewigen Jammerecke, lautet die Parole der Geisteswissenschaftler in diesem Jahr. Allerdings: Zu beklagen gibt es genug. Überfüllte Studiengänge, Einsparungen beim Lehrpersonal und schlechte Bedingungen für Forschungsprojekte. Doch all das soll besser werden. Bundesforschungsministerin Annette Schavan hat sich beim Abarbeiten des geisteswissenschaftlichen Wunschzettels bislang wacker geschlagen. Das findet zumindest Reinhold Grimm, Romanist an der Uni Jena und Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages:

"Die Förderung der Forschung gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich - da hat das Ministerium, glaube ich, eingelöst, was es angekündigt hat. Und ich denke auch, das in den nächsten Jahren eine gewisse Kontinuität entstehen wird. Ich habe den Eindruck sowohl in den Gesprächen mit dem Ministerium, aber auch in Gesprächen mit den Kollegen und den Fachbereichen und den Fakultäten, dass alle verstanden haben, dass dieses Jahr eine einmalige Chance für unsere Fächerkultur ist, die wir verstetigen müssen, in der einen oder anderen Weise."

Die schon vor Monaten vom Bundesministerium angekündigte Einrichtung von internationalen Forschungskollegs ist zwar noch immer in der Überprüfungsphase. Doch dafür tut sich offenbar einiges bei den sogenannten kleinen Fächer, deren Existenz an vielen Unis bedroht ist. Verschiedene Ideen-Wettbewerbe lenkten in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit auf die Orchideen im Fächerspektrum:

"Also, einer der größten Erfolge, meiner Meinung nach, waren die beiden Wettbewerbe. Der Wettbewerb für die Schulen und der für die Universitäten. An meiner eigenen Universität ist ein Orchideenfach, nämlich die Lusitanistik, von der Abwicklung bedroht. Was sehr schade wäre, weil es dieses Fach nur noch in Jena in dieser Form gibt, an allen anderen Universitäten nur noch als Teilfach. Die Studierenden meiner Universität haben ein Kulturprogramm auf die Beine gestellt, das den ersten Preis gewonnen hat in diesem Hochschulwettbewerb. Was zur Folge hatte, dass das Presseecho und auch die Aktion selbst die Hochschulleitung so beeindruckt hat, dass das Fach erhalten bleiben wird."

Aber nicht nur der Jenaer Studiengang für portugiesische Sprache und Literatur ist gefährdet. Auch Fächer wie die Slawistik sind vom Aussterben bedroht. Trotzdem zieht Elisabeth Cheauré, Professorin an der Uni Freiburg, eine erste positive Bilanz:

"Allein die Tatsache, dass wir jetzt darüber sprechen, dass wir uns Gedanken machen, was sind überhaupt kleine Fächer, dass wir darüber diskutieren, ist ein großer Erfolg des Jahres der Geisteswissenschaften. Ich denke, dass Frau Schavan hier tatsächlich sehr wichtige Denkprozesse angestoßen hat."

Auch bei der Bewilligung von Forschungsanträgen scheint es zumindest bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine neue Offenheit gegenüber den Geisteswissenschaften zu geben. Diese Erfahrung machte Günther Steinlein, Germanist an der Humboldt-Universität in Berlin:

"Ich telefonierte mit einem Vertreter der DFG, der dort einen ganz bestimmten Fachbereich leitet. Und fragte ihn nach Chance für die Anmeldung eines ganz bestimmten Projektes aus unserem Bereich. Und dann sagte er: Ja, im Augenblick stehe es gar nicht so schlecht. Die geisteswissenschaftlichen Anträge bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft hätten eine Chance - würden mit 40 Prozent etwa befürwortet. Bei zwei, drei, fünf Jahren lagen wir bei zehn bis zwölf Prozent etwa, also da hat sich auch einiges getan. Was sich in dieser größeren Erfolgsquote spiegelt."

Doch der Romanist Reinhold Grimm warnt davor, nach dem Jahr der Geisteswissenschaften wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Seine Kollegen, sagt er, müssten lernen, sich langfristig als interessante Partner für andere Disziplinen anzubieten. Die Bildung von Netzwerken kann hier eine Lösung sein.

"Wir haben einige Vernetzungen von vornherein geplant zwischen einzelnen Universitäten, auch zwischen Städten, zum Beispiel im Thüringer Bereich - Weimar, Jena, Erfurt und dergleichen. Oder auch herübergreifend nach Sachsen. Ich glaube auch, dass eine ganze Anzahl von solchen Projekten weitergeführt werden wird. Und dass die Kollegen und Kolleginnen gelernt haben, dass es auch innerhalb ihrer eigenen Hochschulen nur weitergehen wird, wenn man mit anderen, nicht-geisteswissenschaftlichen Disziplinen kooperiert. Organisatorisch, aber auch in der Entwicklung von neuen Studiengängen und von Forschungsverbünden."


 
 

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