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12.09.2007
Koffer gepackt. (Bild: Stock.XCHNG / Christopher Bruno) Koffer gepackt. (Bild: Stock.XCHNG / Christopher Bruno)

Mehr als unbezahlte Arbeit

Ferien in internationalen Workcamps

Von Kathrin Vogt

Urlaub machen, um zu arbeiten: Das klingt paradox, aber immerhin rund 28.000 junge Erwachsene in Europa haben im vergangenen Jahr ihre Ferien in so genannten Workcamps verbracht und dort freiwillig an einem gemeinnützigen Projekt gearbeitet. Die Motive der Workcamp-Touristen sind dabei ganz unterschiedlich.

"Also ich bin von Leipzig über München nach Toulouse geflogen und da hab ich dann den Bus zum Bahnhof genommen und dann den Zug von Toulouse nach Serviès, also nein nach Vilmur sur Agout."

Sophie Hirschelmann hat den letzten Sommer vor Beginn ihres Studiums in Greifswald in Südfrankreich verbracht. Drei Wochen lang hat sie mit zehn anderen jungen Leuten aus Europa ein internationales Workcamp gemacht. Die Anreise bezahlte und organisierte sie selbst, um dann im Zelt zu schlafen und fünf Stunden täglich auf einer Baustelle zu arbeiten. Dennoch wählten allein im vergangenen Jahr weltweit rund 28.000 junge Erwachsene diese Form des Reisens, sagt Erika Moritz. Sie hat diesen Sommer bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten, dem IJGD, die Workcamps in Deutschland und den Austausch mit dem Ausland koordiniert. Da geht es um mehr, als Urlaub zu machen:

"Es sind ja keine Touristen in dem Sinne, sondern es sind diejenigen, die eben anders sind, die helfen wollen, die den Leuten näher kommen wollen. Ja helfen ist auch nicht richtig gesagt, aber die was tun wollen. Freiwillige, die die aus aller Welt zusammenkommen, die sich einfach kennen lernen wollen, die sich kennen lernen, ja, im guten Sinne Völkerverständigung letztendlich auch."

Das bestätigen auch die Forschungsergebnisse der Psychologin Céline Chang von der Uni Regensburg. Sie hat Workcampteilnehmer nach ihren Motiven gefragt:

"Also ganz klar geht es darum, Menschen aus anderen Kulturen kennen zu lernen. Also diese interkulturelle Komponente ist bei diesem Programm ganz besonders, ganz stark vertreten. Dann geht es aber auch darum, also generell neue Menschen kennen zu lernen, generell neue Freundschaften zu schließen. Was ich auch ganz interessant fand, es geht auch ganz klar darum, die Fremdsprache zu verbessern. Weil die Campsprache ist sehr häufig Englisch, auch wenn das Camp in Deutschland stattfindet. Manche Camps sind auch in Französisch oder Spanisch."

Auch für Sophie war bei der Wahl des Workcamps entscheidend, dass sie Französisch sprechen wollte:

"Ich wusste, dass ich gerne nach Frankreich wollte auch wegen dem Französisch, das mal wieder so ein wenig aufzufrischen und sonst die Arbeit, klar die hat mich auch interessiert und es hat alles gut zusammen gepasst."

Und so haben Sophie und ihre europäischen Mitstreiter außerdem etwas über traditionelle Mauertechniken und Betonmischen gelernt. Während der drei Wochen haben sie dem Dorf Serviès eine Pergola und eine Feldstein-Mauer für einen Sommergarten errichtet. Der Dank:

"Also wir wurden von einer Dorfeinwohnerin zum Essen eingeladen, zum Abendessen. Da gab's Ente - und dann wurden wir auch zum Fest des Bürgermeisters eingeladen, wo wir dann die ganzen Dorfbewohner getroffen haben und ansonsten kam uns also es kam halt oft Ein- Einwohner vorbei und haben sich die Arbeit angeguckt und uns Obst und Gemüse aus ihrem Garten gebracht oder einen Kuchen gebacken für uns."

Hinzu kommt, dass die Teilnahme an Workcamps eine ganze Reihe persönlicher Entwicklungsprozesse in Gang setzt, wie Psychologin Céline Chang sagt:

"Die Teilnehmer haben sich nach dem Workcamp und auch noch drei Monate später mehr zugetraut, mit unbekannten Situationen erfolgreich umzugehen. Und auch was die Kontaktfähigkeit betrifft, einfach auch mit unterschiedlichen und unbekannten Menschen Kontakt aufzunehmen und aufzubauen und auch eben mit Menschen aus anderen Kulturen, was ja auch ganz wichtig ist, wenn man zum Beispiel an Integrationsdebatten auch intern, also auch in Deutschland denkt."

Die geforderte Selbstorganisation und das dazugehörige Quäntchen Mut werden also mit wichtigen Kompetenzen für den Lebenslauf entlohnt.


 
 

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