Gerade Akademiker haben oft das Gefühl, dass sie sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. Damit das nicht so ist, versuchen Universitäten, Eltern mit dem Programm "Familiengerechte Hochschule" das Leben leichter zu machen. Beispielsweise die Universität Trier. In einem speziellen Eltern-Kind-Arbeitszimmer können Eltern im Notfall ihr Kind mit zur Arbeit bringen.
Monika Escher-Aspner sitzt im Büro. Sie schreibt am Computer einen Text. Ihr dreieinhalb Jahre alter Sohn Nils kniet neben ihr auf dem Fußboden. Er spielt mit Legosteinen. Die beiden sind im Eltern-Kind-Arbeitszimmer der Universität Trier. Dort stehen Bilderbücher im Regal. Und auf einem kleinen Tisch liegt Papier zum Malen. An der Wand steht ein großer roter Sessel - und ein Kinderbett. Außerdem gibt es in dem Büro den Computer, an dem Monika Escher-Aspner arbeitet. Wenn ihr Sohn sie arbeiten lässt.
Nils kann sich wunderbar alleine beschäftigen - so für 10 Minuten, Viertelstunde. Er braucht natürlich meine Animation. Ich kann nur gewisse Routinearbeiten machen, die jetzt keine längerwierigen Denkprozesse von mir erfordern. Bibliographien erstellen oder dergleichen, oder Korrespondenz erledigen. Und dann bin ich auch dann in der Lage, hin und wieder mal nen Legostein nebenbei noch oben aufzusetzen oder klemmendes Türchen wieder zu öffnen und dann funktioniert das eigentlich schon.
Monika Escher-Aspner hat an der Uni eine Stelle als Historikerin. Wenn sie arbeitet, ist Nils normalerweise im Kindergarten. Oder er ist bei seinem Vater oder den Großeltern. Und im Notfall kann Monika Escher-Aspner auch schon mal zuhause arbeiten. Aber manchmal geht selbst das nicht. Und in ihrem Büro könnte Nils sich nicht alleine beschäftigen. Für genau solche Fälle habe die Universität Trier jetzt das Eltern-Kind-Arbeitszimmer eingerichtet, sagt die Frauenbeauftragte des Senats der Uni, Dorothee Adam-Jager.
Die Eltern haben üblicherweise schon organisiert, wie die Kinderbetreuung laufen kann, aber dann können trotzdem Situationen entstehen, indem die Betreuung zum Beispiel irgendwo ausfällt oder wenn das Kind erkrankt war aber noch nicht gesund genug ist, um noch mal in die Betreuung zu gehen, dann kann es einfach hier mitgebracht werden. Es ist ne Überbrückung in solchen Betreuungsnotfällen.
Eltern können das Eltern-Kind-Arbeitszimmer immer dann reservieren, wenn sich sonst niemand um ihr Kind kümmern kann. Normale Kinderbetreuung gibt es an der Uni aber auch. Einen Kindergarten direkt am Campus beispielsweise und eine Krabbelstube. Deshalb erhielt die Uni Trier vor fünf Jahren vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ein Zertifikat als "Familiengerechte Hochschule" - als erste Universität in Deutschland. Inzwischen haben etwa 35 Hochschulen dieses Zertifikat. An der Uni Trier will man aber immer noch Vorreiter sein. Das Eltern-Kind-Zimmer ist solch ein Beispiel dafür, sagt Uni-Kanzler Klaus Hembach.
Es ist für uns ein ganz kleiner Baustein aus dem Bereich familiengerechte Hochschule. Mit diesem Projekt haben wir vor etwa sieben Jahren angefangen. Und die Idee für das Eltern-Kind-Zimmer ist vor gut anderthalb Jahren erstmals aufgekommen. Es hat eine zeitlang gedauert, bis wir das umsetzen konnten. Erstmal die notwendigen räumlichen Voraussetzungen schaffen. Aber ich bin ganz froh, dass wir das jetzt soweit hinbekommen haben.
Trotzdem haben es Eltern immer noch schwerer als Kollegen ohne Kind. Besonders für Studenten müsse die Uni noch mehr anbieten, meint Monika Escher-Aspner.
Ich bin mir nicht so ganz sicher ob wirklich alleinerziehende Studierende vor allen Dingen, ob das Angebot was die Universität bislang zur Verfügung stellen kann, diesbezüglich ausreichend ist. Ich glaub es nicht, aber ich glaube, dass die Universität da auf dem richtigen Weg ist. Flexibele Betreuungsmöglichkeiten, das ist im Prinzip das A und O.
Trotz ihrer Kritik weiß Monika Escher-Aspner, dass sie es an der Uni als Mutter recht gut hat. Vor allem im Vergleich zu einem Job in der Wirtschaft.
Da bin ich ganz offen und sage, dass es wenige Arbeitgeber gibt, die einem ein derart flexibeles Arbeiten ermöglichen, wie ich das hier an der Universität vorgefunden habe. Also wenn ich das auf meine Situation konkret beziehe, dann bin ich mir sicher, ich würde heute nicht mehr arbeiten, wenn ich das nicht so handhaben könnte, auch mit den flexiblen Arbeitsmöglichkeiten via Laptop von zu Hause wie mir das einfach möglich ist beziehungsweise ich muss sagen ermöglicht worden ist.
Nils gefällt es auf jeden Fall, wenn er bei seiner Mama ist. Und er bestimmt, wann der Besuch des Journalisten zu Ende ist.
Ich möchte in Ruhe arbeiten. Du gehst jetzt gleich.
Mehr zur Sendung:
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Campus & Karriere
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Sendezeit: 25.05.2012, 14:39
Campus und Karriere 25.05.2012, komplette Sendung
Sendezeit: 25.05.2012, 14:35
Hochschulstart funktioniert - stark eingeschränkt
Sendezeit: 24.05.2012, 14:50
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