Nach einer OECD-Studie nutzen nur zwölf Prozent der erwachsenen Deutschen das Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen - deutlich unter dem OECD-Schnitt von 18 Prozent. Dabei ist schon aufgrund der demographischen Entwicklung lebenslanges Lernen so wichtig wie noch nie. Den Stellenwert der Weiterbildung gesamtgesellschaftlich zu erhöhen, das ist ein Ziel des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) - und zwar seit genau fünf Jahrzehnten.
"Damals wurden die Menschen gefragt, würdest du gerne als Erwachsener weiterlernen, und es war ungefähr vielleicht ein Viertel, die sagten, das ist interessant",
sagt Ekkehard Nuissl von Rein, seit 15 Jahren wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, kurz DIE. Gegründet worden war es, um das pädagogische Bildungsangebot der Volkshochschulen auch wissenschaftlich zu dokumentieren:
" Im Jahre 1957, im November, konnte der Deutsche Volkshochschulverband eine eigene Arbeitsstelle gründen, damals noch sehr klein. Das waren drei Wissenschaftlerstellen, und ein bisschen Sach- und Personalmittel noch, und dieser erste Beginn einer Arbeitsstelle der Volkshochschulen konzentrierte sich auf die Qualität der pädagogischen Arbeit."
Die Pädagogische Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschul-Verbandes beobachtete Entwicklungen innerhalb der Erwachsenenbildung. Sie sammelte VHS-Programme, analysierte sie und erhob wenig später Statistiken über die Arbeit und Akzeptanz der VHS-Angebote. Auch erarbeitete das Institut Vorschläge für Prüfungskonzepte, erinnert sich Gerhard von der Handt, der seit mehr als drei Jahrzehnten beim DIE beschäftigt ist.
"Ich habe viele unterschiedliche Sachen gemacht. Zum Beispiel war ich vier Jahre lang in der sogenannten Prüfungszentrale, und dort haben wir die immer noch existierenden und florierenden Prüfungen der Volkshochschulen koordiniert. Das war eine Tätigkeit, die einem schlaflose Nächte bereiten konnte."
Gemeinsam mit Kollegen konzipierte er Sprachmaterial, das sich nicht einfach an vorhandenen Schulbüchern orientierte, sondern speziell auf die Bedürfnisse erwachsener Lernender zugeschnitten war. Damit war das Institut maßgeblich daran beteiligt, die Erwachsenenbildung innerhalb der Pädagogik als eigenständiges Forschungsfeld zu etablieren. In den 60er Jahren blieb die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten in der Bevölkerung groß. Proportional dazu wuchsen die Aufgaben der Arbeitsstelle. Ekkehard von Nuissl:
"Ein wichtiger Punkt waren Qualifizierungsseminare für Mitarbeiter an Volkshochschulen, insbesondere für die jungen Mitarbeiter und die Verbreitung von wissenschaftlichen Arbeiten zur Weiterbildung."
Aus der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen Volkshochschulverbandes wurde in den 90er Jahren das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung, DIE, das sich nicht mehr ausschließlich an den staatlich geförderten Weiterbildungseinrichtungen orientierte. Auch das Aufgabenfeld der DIE-Mitarbeiter erweiterte sich, erinnert sich Gerhard von de Handt, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Neuen Medien im Sprachunterricht beschäftigt hat:
"Mir geht's immer darum, dass man Sprachen lernt, weil man ein bestimmtes Ziel hat. Nicht so, ich hab grad ein bisschen Zeit, und der Makrameekurs war voll, dann lern ich doch ein bisschen Französisch. Wenn man effizient lernen will und auch den notwendigen Zeitaufwand betreiben will, dann muss da ein wirkliches Interesse sein."
Ekkehard Nuissl von Rein weist darauf hin:
"Es hat sich noch was geändert, was auch interessant ist: Überall findet Weiterbildung statt, und zwar auch spezifisch. Und wir müssen versuchen, diese unterschiedlichen Ansätze, Diskurse auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen."
Keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der die staatlichen Mittel für Weiterbildung - zumindest in der vergangenen Zeit - immer weiter heruntergefahren wurden. Seitdem die Politik vor allem Angebote für die frühkindliche Förderung unterstützt, weist das DIE hartnäckig darauf hin, dass auch die Erwachsenenbildung Gelder braucht. Seit zehn Jahren lobt das Institut einen Innovationspreis für besonders gelungene pädagogische Konzepte aus. Angela Venth vom DIE:
"Es sind durchgängig Arbeiten und Projekte, die scheinbar auf den ersten Blick so nicht im Trend liegen. Wir und die Jury haben immer geprüft, dass es praxiserprobte und qualitative Projekte sind, das war Voraussetzung, und dann ist mit jeder Preisverleihung was zum Vorschein gekommen, worüber die Landschaft im Moment noch nicht so redet."
Heute Nachmittag werden die diesjährigen Gewinner des Preises bekannt gegeben. Und es wird Geburtstag gefeiert. Ein Geschenk hat das DIE bereits bekommen: Die Politik hat im vergangenen Sommer zugesagt, eine sogenannte Weiterbildungsprämie zu zahlen. Das könnte die Attraktivität von Weiterbildungsangeboten in den kommenden Jahren vielleicht wieder erhöhen.
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