Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
28.01.2008
Immer mehr Schüler sind bei Schüler VZ. (Bild: AP) Immer mehr Schüler sind bei Schüler VZ. (Bild: AP)

Schon mal an die Zukunft denken

Datenschützer warnen vor Online-Netzwerken

Von Wolfgang Noelke

Die meisten Schüler denken sich nichts dabei: Sie kommunizieren in SchülerVZ mit alten und neuen Freunden, stellen mal ein Foto ein - wollen Spaß. Doch Datenschützer warnen: Die Informationen, die man über sich selbst verbreitet, lüften teilweise die letzte intimen Geheimnisse. Und Informationen, die einmal im Netz stehen, wird man so leicht nicht wieder los.

Auf kostenlos machen, wir haben Datenschutz! Und plötzlich kommt ein AGB, über die niemand Bescheid weiß. Jeder akzeptiert sie und plötzlich sind die Daten frei zugänglich. Und ich finde es risikoreich

Die Frage eines der 750 Schüler der Wilmersdorfer Robert Jungk Oberschule richtete sich an den Geschäftsführer von Studi VZ, der wiederholt dementierte, dass Studi VZ Daten verkaufen würde. Ein Beispiel dafür, dass ein Gerücht, wenn es erst einmal in die Welt gesetzt wurde, selbst wenn es, wie bei Studi VZ nicht der Wahrheit entspricht, sehr schwer zu entfernen ist.

Die Informationen, die Schüler und Studenten über sich selbst verbreiten, lüften teilweise die letzte intimen Geheimnisse, unfassbar für Milena Boytcheva, eine Informatikerin, die einen der Arbeitskreise leitete, der die Schüler auf den heutigen Mittag vorbereitete:

Ich habe sehr oft hier gehört: 'Aber ich bin doch ein Schüler und wenn später mein Arbeitgeber sieht, dass sich die oder die politische Ausrichtung hatte, dann würde er doch wissen, dass ich damals Schüler war und dass ich alles schreiben und tun konnte, was ich wollte'. Und nach diesem Motto schreiben Sie einfach drauflos, ohne nachzudenken.

Die bittere Realität kommt dann später: bereits wenn es um einen Praktikumsplatz geht, könnte ein unpassender Eintrag im sozialen Netzwerk dafür verantwortlich sein, dass ein anderer diesen Platz bekommt. Die Betroffenen erfahren meist nichts davon und stellen vielleicht mit Erstaunen fest, wie oft ihr eigener Name beim zufälligen googeln auf dem Bildschirm erscheint. Alle Einträge zu entfernen dürfte sich als schwierig erweisen. Da kann auch Peter Schaar nicht helfen, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz:

Natürlich kommen zunehmend bei uns Datenschützern Beschwerden an, von Menschen, die befürchten, beruflich diskriminiert zu sein, die befürchten, dass sie nicht zu einem Einstellungsgespräch eingeladen wurden, weil irgendwelche diskriminierenden Bilder von ihnen im Internet sind. Das ist sehr schwierig, etwas zu machen, wenn die Daten erstmal da sind. Hinzu kommt, dass man es nicht einmal immer nur selbst ist, der die Daten veröffentlicht. Es können ja auch bös meinende Dritte sein, die mich bloßstellen wollen, die mich an den Internet Pranger stellen, obwohl ich mir gar nichts habe zu Schulden kommen lassen. Fotos, die von irgendwo herkommen, die vielleicht heimlich angefertigt wurden, könnten ins Internet kommen. Diese Fälle gibt es auch und das ist dann gegebenenfalls zwar strafbar, wenn man aber nicht herausfindet, wer der Urheber ist und sich der Server dann im Ausland befindet, dann ist es häufig sehr schwierig, diese Daten, diese Bilder dann wieder weg zu bekommen.

Weltweit agierende Spezialunternehmen zu beauftragen, unerwünschte Einträge zu eliminieren, ist teuer und es selbst zu versuchen, kostet Zeit, weiß der Computerspezialist Ossi Urchs:

Da ist es natürlich sehr schwer. Man kann natürlich so etwas, wie Reputation Defender nutzen. Man kann auch die Eingabemöglichkeit bei google nutzen, man kann sich auch an die Betreiber einzelner Websites wenden. Er gibt es bei den so genannten Registrars, wo die Websites registriert werden, da gibt es immer eine Ansprechperson, die man dann kontaktieren kann. Aber das ist eine mühevolle Tätigkeit und man sollte nicht denken, dass man das einfach mal so zwischen Frühstück und zeitunglesen machen kann.

Und deswegen wollen die bekannten Computerspezialisten auch an künftigen Datenschutztagen in Schulen und Universitäten direkt an der Basis beraten. Bundesdatenschützer Peter Schaar:

Es ist, glaube ich ein Weg, hier mehr Bewusstsein zu schaffen. Aber letztlich ist jeder auch aufgerufen, selbst sich darum zu kümmern: Was stelle ich ins Netz? Welche Bilder, welche Informationen über mich? Und das ist alle Mal einfacher, als später die Löschung durchzusetzen.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 20:05 Uhr
Freistil
Nächste Sendung: 21:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Campus & Karriere

neue Hochschule Lausitz

Sendezeit: 10.02.2012, 14:57

Musikstudent komponiert Sound für Elektroautos

Sendezeit: 10.02.2012, 14:51

Interview Zeugnistelefon Köln, Schulpyschologe Andreas Heidecke

Sendezeit: 10.02.2012, 14:39

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link