In der Halle 6 des Hannoverschen Messegeländes, während der CeBIT, präsentieren sich Unternehmen unterschiedlichster Branchen auf einem Gemeinschaftsstand, um neue Mitarbeiter zu finden. IT- Spezialisten sind Mangelware - besonders in Deutschland. Warum ist das so?
Nicht ganz repräsentative Antworten von denjenigen, die das Informatikstudium sowieso schon sehr attraktiv finden und zur CeBIT gehen, Antworten von Informatikstudenten auf Jobsuche fand mein Kollege Wolfgang Noelke: Warum nur, trotz bester Betrufsaussichten entscheiden sich immer weniger Schulabgänger für das Informatikstudium?
Zuviel Mathe! Ich bin Ingenieur. Da ist auch schon viel zu viel Mathe für mich. Informatik ist noch mehr Mathe.
Genau, da Informatik einfach ein Studiengang ist, der so ein bisschen so ein negatives Image hat. Also das Image ist ungefähr so: Das sind die Stubenhocker, die dann allein irgendwie vor dem Computer hocken und da ihre Sachen machen. Und ich finde das etwas schade, weil das verbirgt so ein bisschen die spannenden Sachen.
Also, bei mir ist es nicht unbeliebt und warum es insgesamt unbeliebt ist? Wahrscheinlich weil es zu viel mit Mathe zu tun hat.
Ich weiß nicht, warum es so viele Leute nicht studieren. Vielleicht weil es nicht so die Reputation hat, wie zum Beispiel jetzt Wirtschaftsingenieur, oder die ganzen anderen normalen Berufe in Anführungsstrichen, sag ich mal so.
Die Schule sei schuld daran. Wenn man dort schon nicht richtig auf die sogenannten "normalen" Berufe vorbereitet würde, bekäme das Fach "Informatik" seitens der Schule eine extra Portion stiefmütterlicher Behandlung zu spüren, sagt der Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Professor Wolfgang Wahlster:
So gut wir ja finden, dass überhaupt Informatik an manchen Schulen unterrichtet wird, so müssen wir trotzdem vor allem feststellen, dass dieser Unterricht in die falsche Richtung geht, denn dort wird tatsächlich vorgeführt: Informatik ist die Programmierung, meist noch von mathematischen Algorithmen. Dort lerne ich, wie ich jetzt eine Primzahl berechnen kann, wie ich eine Kurvendiskussion, die sonst langweilig war, jetzt per Computer mache. Nur das ist eigentlich nicht, das, was einem im Beruf des Informatikers erwartet und deshalb sind ja so viele abgeschreckt, weil sie sagen: Das ist ja nur so eine Art, Computer zu nutzen, um Mathematik zu betreiben. Das kann es nicht sein. Das entspricht nämlich nicht der beruflichen Realität. Diese Aufgabenstellung betrifft vielleicht fünf, wenn es hoch kommt zehn Prozent der Informatiker. Neunzig Prozent machen was ganz anderes.
So fixiert sich der Wunsch, im späteren Berufsleben bloß nichts mit Informatik zu tun haben zu wollen, bereits in den Köpfen dieser Schülerinnen:
Ich will Biochemie studieren, eigentlich. Das hat nicht so viel mit Informatik zu tun, aber naja.
Ja ich möchte gerne Grafikdesignerin werden. Da muss ich nicht so viel mit Informatik machen.
Doch gerade diese und andere - angeblich informatikfreie Berufe haben sehr viel mit Informatik zu tun, wie in fast allen attraktiven Berufen, sagt Professor Wahlster. So herrsche
eine enorme Nachfrage in der Automobilindustrie, weil, 80 Prozent der Innovation in einem modernen Auto kommt durch Informatik. Zweiter Bereich: Medizintechnik! Wenn wir was als Informatiker für die Menschen tun wollen, dann können wir in der Medizintechnik, wo wir heute auch in Deutschland die Weltmarktführung haben, in der Medizintechnik - es ist ja nicht mehr General Electric, sondern es sind deutsche Unternehmen - und dort ist viel Informatik drin. Auch dort sagt man, 90 Prozent der Innovation in der Medizin kommt durch Informatik und der dritte große Bereich ist natürlich der Maschinenbau. Der deutsche Maschinenbau ist deshalb immer noch so stark, weil er eigentlich die Kurve gekratzt hat und sehr schnell eingesehen hat, dass wir ohne eingebettete Computer, ohne Sensorsysteme, ohne Bildverarbeitung rund um die Maschinen nicht mehr auskommen. Ein Student, der sich für Maschinen, für Automotive, für Luftfahrt, Raumfahrt und für den Bereich Medizin interessiert, ist in der Informatik blendend aufgehoben und kann das natürlich als Anwendung wach, als Nebenfach studieren.
Das ist auf dem Jobmarkt in der Halle 6 direkt sichtbar: Die dort angesiedelten Unternehmen buhlen geradezu um neue Mitarbeiter, die sich souverän von Stand zu Stand bewegen und sich das beste Angebot aussuchen können. Sie wissen zum Teil sehr genau, was sie wollen:
Wir lernen momentan Wirtschaftsinformatiker und wir sind jetzt kurz vor dem Abschluss und sind jetzt mal auf der Suche nach Perspektiven.
Ich würde ganz gern im Vertrieb tätig sein, im IT-Bereich. Dann gibt es noch ganz viele kleine Wünsche. Aber das ist erst mal der große Wunsch.
Momentan bin ich Entwicklungsleiter bei einer Softwaregruppe, soll auch Gesamtentwicklung machen, für Mess-Systeme. Das ist noch nicht ganz so direkt an der IT dran, aber ich stelle mir vor, dass es da bestimmt Querverbindungen gibt, gerade wenn man ein bisschen höher einsteigt.
Ich bin hier, um einen Job hier zu finden. Ich komme aus Russland und ich mache hier in Deutschland "Master of Business Administration" und deshalb bin ich hier auf der CeBIT. Das ist mein Bereich, wo ich mich weiterentwickeln möchte.
Wir sind gerade in der Ausbildung, Fortbildung zum Informatiker. Da ist natürlich interessant, die Position: System- Netzwerkadministration und da ist hier eine gute Möglichkeit, sich zu informieren.
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