Die Uni heizt zum Fenster raus. Diesen Vorwurf musste sich die Universität Tübingen in den vergangenen Monaten öfter anhören. Viele Universitätsgebäude sind schlecht saniert und kaum wärmeisoliert. Unter dem Motto "Greening the University - Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule" will eine Gruppe von 15 engagierten Studis mit einem Umwelt-Symposium auf die Missstände aufmerksam machen.
Dass Studenten sich nur sehr sporadisch in Vorlesungssälen aufhalten kommt vor - vor allem bei hochsommerlichem Badeseewetter. Doch Felix Roosen-Runge und Kurt Ulrich Ritzau schwänzen aus einem anderen Grund: Sie gehören zu einer Gruppe von 15 Studenten, die vor einem Jahr die Initiative "Greening the University" begründet haben. Die Studenten kommen aus den verschiedensten Fakultäten: Physik, Wirtschaftswissenschaftler, Philosophen, Politikwissenschaftler, Rhetoriker. Diese 15 haben das zweitägige Symposium organisiert. Felix Roosen-Runge zu den Zielen.
"Wir wollten eben einfach dafür sorgen, dass Umweltbewusstsein in das Handeln der Universität einbezogen wird und Umweltwissen mehr in Lehre und Forschung einbezogen wird."
Zum einen geht es den Studenten ganz konkret um die Gebäude der Uni. Die sind meist alt und wahre Energiefresser. Die Energiekosten der Uni Tübingen sind deshalb in den vergangenen zehn Jahren explodiert, haben sich auf fast zehn Millionen Euro verdoppelt. Das Land saniert nicht oder zu wenig, weil kein Geld da ist.
Kurt Ulrich Ritzau steuert auf das Physikalische Institut zu. Ein rechteckiger Betonklotz, der einer der größten Energiefresser ist.
"Ja, also der D-Bau, energetisch ist das furchtbar: einfach verglast, Fensterrahmen aus Metall, Fassade nicht isoliert. Das ist halt die klassische 70er-Jahre-Architektur, und selbst die Lüftungsanlage - das wird einfach alles zum Dach rausgeblasen, ohne dass da irgendwelche Wärme zurück gewonnen wird."
Durch Sanierungen könnte man hier und bei vielen anderen Unigebäuden die Heizkosten auf ein Viertel des aktuellen Bedarfs herunterschrauben. Die Krux dabei ist laut Felix Roosen-Runge, dass keine Einzeldaten erhoben werden:
"Man weiß gar nicht, was überhaupt die verschiedenen Gebäude verbrauchen. Man hat keine Übersicht. Man kann deswegen auch keine ordentlichen Potentiale für Einsparungen definieren oder errechnen, und man kann deswegen auch keine Maßnahmen ergreifen, weil man einfach nicht weiß, was eigentlich wie viel helfen würde."
Ohne Kosten-Nutzen-Rechnung keine Förderung und keine privaten Investoren - so sehen es die Studenten. Mit ihrem Symposium wollen sie aber mehr als auf bestehende und bekannte Missstände aufmerksam machen:
Das Symposium soll den Anstoß für ein systematisches Umweltmanagement an der Uni Tübingen geben. In einem Ökobericht sollen der Energieverbrauch, Stromverbrauch, Papierverbrauch und viele weitere ökologisch relevante Daten erfasst und anschließend Verbesserungen umgesetzt werden. Der ganze Ablauf soll mit einem Siegel zertifiziert werden. Ein Punkt, den Unikanzler Andreas Rothfuß begrüßt.
"Ich bin sehr begeistert von dem Kongress, auch von der hohen Motivation der Studierenden. Ich sehe: Wir haben viele finanzielle Verbesserungsmöglichkeiten. Das Rektorat hat beschlossen, die EMAS-Zertifizierung anzustreben, so ein Umwelt-Audit. Hier werden wir zunächst mit einer Ausgangsprüfung starten und dann Schritte entwickeln, wie wir in den nächsten Jahren so ein Umwelt-Audit realisieren können."
Weiteres Anliegen der Studenten: Sie wollen dafür sorgen, dass Umweltwissen an der Uni künftig nicht mehr Nebensache ist. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus einzelnen Disziplinen sollen vernetzt werden. Die Studenten sollen künftig die Möglichkeit haben, sich im Rahmen eines Studium oecologicum über Umweltthemen zu informieren. Möglicherweise können die Vorlesungen auch in verschiedenen Lehrplänen verankert werden.
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