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16.07.2008
Bei der finanziellen Unterstützung der Studierenden soll sich etwas ändern. (Bild: AP) Bei der finanziellen Unterstützung der Studierenden soll sich etwas ändern. (Bild: AP)

Wirtschaft will Hochschulfinanzierung umbauen

Von William Vorsatz

Ein Zusammenschluss wirtschaftsnaher Verbände hat eine Neustrukturierung der Hochschulfinanzierung gefordert. Dazu legten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, der Bundesverband der Deutschen Industrie, das Institut der deutschen Wirtschaft und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft in Berlin das gemeinsames Eckpunktepapier "Investitionsorientierte Hochschulfinanzierung" vor.

Die Koalition ist ungewöhnlich und zeigt, wie ernst die Lage ist. Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen haben sich zusammen geschlossen, um gemeinsam etwas gegen die unzureichende Finanzierung der Hochschulen zu unternehmen. Die Verbände bemängeln: Pro Studienanfänger wird immer weniger Geld ausgegeben. Vor allem, weil die Hochschulen von den Ländern finanziert werden. Und die bekämen ihre Investitionen kaum zurück, wenn die Studierenden nach einem erfolgreich bestandenen Examen in ein anderes Bundesland abwandern. Dann zahlen sie normalerweise nämlich dort ihre Steuern. Volker Meyer-Guckel, Stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft:

Besonders Baden-Württemberg und Bayern haben wir dieses Problem, die nämlich bezüglich ihrer Abiturienten viel zu wenig Studienplätze haben. Das heißt, man verlässt sich auf andere Länder, gibt denen aber keinen Ausgleich für die Ausbildungsleistungen, und das ist ungerecht, und wir haben jetzt ein Modell entwickelt, das einen Länderausgleich vorsieht, wo es für jedes Land sich rechnet, in Studienplätze zu investieren, denn wir brauchen mehr Studienplätze und wir brauchen eine höhere Bildungsbeteiligung, und das wird mit diesem Modell erfüllt.

Das Modell funktioniert so: Die einzelnen Bundesländer und der Bund würden danach gemeinsam einen länderübergreifenden Finanzierungspool von viereinhalb Milliarden Euro einrichten. Aus diesem Topf erhalten die Länder durchschnittlich 2500 Euro pro Studierendem und Jahr zurück. Dieses Geld deckt einen Teil der durchschnittlichen Studienplatzkosten ab, und der Betrag ist je nach Studiengang unterschiedlich hoch. Länder, die viele und kostenintensive Studiengänge anbieten, bekämen so mehr aus dem föderalen Topf, in den alle Länder einzahlen müssen.

Wir behalten das föderale Prinzip bei, aber wir überwinden den Provinzialismus im Denken, weil durch diesen bundesweiten Fond gewissermaßen das Ganze volkswirtschaftlich abgebildet wird, und die Studentenströme entscheiden, wo das Geld hin fließt.

Und auch bei der finanziellen Unterstützung der Studierenden soll sich etwas ändern.

Bisher sind vor allem Studierende aus einkommensschwachen Familien nicht ausreichend abgesichert. Da sind sich alle Interessenvertreter einig. In einem neuen System der Studienfinanzierung soll studieren für alle ohne den Zwang zum ständigen Nebenerwerb möglich sein. Vor allem angesichts der straffer organisierten Bachelor-Studiengänge ist das wichtig. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft plädiert beispielsweise für ein monatliches Bildungsbudget für die Studierenden, sowie einen nicht rückzahlbaren BAföG-Zuschuss und Zinssubventionen sowie Ausfallbürgschaften für Studienkredite.

Bei den Studiengebühren gehen die Meinungen der Interessensvertreter allerdings auseinander. Während einige für geringe oder gar keine Studiengebühren sind, plädieren vor allem wirtschaftsnahe Vereinigungen wie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln oder der Stifterverband auch für höhere Beiträge. Volker Meyer-Guckel:

Das soll sich im Wettbewerb unter den Hochschulen ermitteln, wir sind absolut dagegen, dass das sozusagen vorgegeben wird. Das heißt, diese Kappungsgrenze von 500 Euro, die muss aufgehoben werden, die Hochschulen sollen selber entscheiden, in welcher Hohe, in unterschiedlichen Studiengängen möglicherweise in unterschiedlicher Höhe, Studienbeiträge erhoben werden. Das einzige, was wir in unserem Modell sagen, ist: weg von der Vereinheitlichung der Studiengebühren, dann damit haben Sie kein Wettbewerbselement.

Die hochschulpolitischen Vordenker unterschiedlicher politischer Ausrichtungen haben derzeit relativ ähnliche Vorstellungen, wie die Hochschulfinanzierung verbessert werden sollte. Die Politik hält sich dagegen bisher zurück. Verständlich, denn die Reformen werden Geld kosten. Außerdem geht es um Kompetenzabsprachen zwischen Bund und Ländern. Aber die weitere Umgestaltung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern, in der Förderalismusreform II bietet die Chance, die Modelle aufzugreifen und die besten Ideen umzusetzen.


 
 

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