Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
22.08.2008
An den Universitäten in Ostdeutschland umworben: Studenten. (Bild: AP) An den Universitäten in Ostdeutschland umworben: Studenten. (Bild: AP)

Go east!

Sachsen-Anhalt möchte Studenten aus Westdeutschland ins Land locken

Von Susanne Arlt

Wer im Westen der Republik sein Abitur macht, für den kommt ein Studium im Osten nur selten in Frage. Nicht einmal vier Prozent aller Abiturienten aus den alten Ländern ziehen zum Studium in die fünf neuen. Das haben das Kultusministerium und die Rektoren in Sachsen-Anhalt längst begriffen und suchen nach neuen Wegen, die Universitäten attraktiver zu machen.

Thomas Köstler weiß, er ist eine Ausnahme. Der 25-jährige Bayer studiert seit vier Semestern an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal. Den Bachlor-Studiengang Sicherheit und Gefahrenabwehr gibt es in dieser Form nur zweimal in Deutschland, in Köln und in Magdeburg. Der gelernte Feuerwehrmann hat sich für Magdeburg entschieden, weil die Dozenten dort eng mit der Katastrophenschutzschule im benachbarten Heyrothsberge zusammen arbeiten. Kurz vor Beginn des Studiums beschlichen Thomas Köstler dann doch Zweifel.

Da gab es schon ziemlich große Vorurteile. Um drei aufzuzählen: Also, dass es sehr viele Arbeitslose geben wird in Magdeburg, dass man mit sehr Rechtsradikalismus konfrontiert sein wird und dass eigentlich die Stadt ziemlich hässlich sei. Alles drei, soweit es mich betrifft, fanden nicht statt. Somit bin ich rundum zufrieden und aller Vorurteile entledigt.

Um das schlechte Image aufzupolieren, hat Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz mit den Rektoren der sieben Hochschulen eine Vereinbarung unterzeichnet. Sie dient der Umsetzung des Hochschulpaktes 2020. Denn neben innerdeutschen Befindlichkeiten geht es vor allem um Geld. Der Bund stellt dem Land Sachsen-Anhalt in den kommenden zwei Jahren über 15 Millionen Euro zur Verfügung. Dafür muss aber die Anzahl der Studierenden konstant bleiben. Mindestens 8765 Erstsemestler müssen sich jedes Jahr immatrikulieren. Kein leichter Akt, sagte Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, mit Blick auf den demografischen Wandel. In den kommenden Jahren rechnet er mit bis zu 50 Prozent weniger Studierenden. Darum sollen die Hochschulen jetzt noch stärker an ihrem Profil arbeiten - auch dafür werden die Gelder bereitgestellt. Wichtig sei vor allem eine gelungene Studieneingangsphase, glaubt der sachsen-anhaltische Kultusminister.

Wo die Studierenden bemerken, dass sie willkommen sind, dass sie der Hochschule wichtig sind und dass man sich bemüht ihnen den Einstieg zu erleichtern. Das zweite Studienbedingungen allgemeiner Art. Wie und wo können die Studierenden wohnen, was bietet der Hochschulstandort, wie werden die jungen Leute empfangen. Was fällt der Hochschulleitung ein, um den jungen Leuten Fuß fassen leichter zu machen und ihre wissenschaftliche Neugier zu entfachen.

Ein Teil des Geldes fließt in den Neubau von Wohnheimen. Mit Marketingaktionen soll bundesweit für die Vorzüge geworben werden, die der ostdeutsche Studienstandort gegenüber dem westdeutschen hat. Da wären die niedrigeren Lebenshaltungskosten, das oftmals bessere Betreuungsverhältnis, die gute Ausstattung der Hochschulen. Allen voran, sagt Wulf Diepenbrock, Rektor der Martin-Luther-Universität in Halle, müssen wir mit unseren Leistungen und unseren Professoren überzeugen.

Ein Marketing setzt voraus, dass man auch ein Produkt hat im Hochqualitätssegment. Nur auf der Grundlage der angebotenen Qualität im Studium und der Perspektive später auch für einen Arbeitsplatz sind dann die Argumente, die dann auch junge Leute wirklich überzeugen, herzukommen.

Thomas Köstler kann vieles bestätigen. Der Student aus München hat es bislang nicht bereut, im Osten zu studieren. Er ist jetzt Pate der Hochschule Magdeburg-Stendal und wirbt im Internet über die Vorteile seines Studienstandorts.

Also, ich wohne hier in einer Mansardenwohnung in einem Gründerzeithaus, habe Dachbalken, habe einen relativ großen Balkon, also dass würde mir in München nie leisten können, es ist absolut unschlagbar. Als Student mit dem kleinen Geldbeutel ist Magdeburg mindestens genauso lebenswert wie München, da man sich hier auch die Sachen leisten kann. In München kann man die Sachen halt anschauen und muss zusehen, wie andere es konsumieren, hier kann man selbst konsumieren.

Nur ein Leben nach dem Studium in Sachsen-Anhalt kann sich Thomas Köstler nicht vorstellen. Dafür sei die Besoldung, die man bei der Berufsfeuerwehr im Osten im Vergleich zum Westen verdiene, einfach zu schlecht.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 15:05 Uhr
Musikszene
Nächste Sendung: 16:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Campus & Karriere

neue Hochschule Lausitz

Sendezeit: 10.02.2012, 14:57

Musikstudent komponiert Sound für Elektroautos

Sendezeit: 10.02.2012, 14:51

Interview Zeugnistelefon Köln, Schulpyschologe Andreas Heidecke

Sendezeit: 10.02.2012, 14:39

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link