"Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung", so heißt eine Veranstaltungsreihe, mit der sich die Bundesrepublik derzeit in der südchinesischen Metropole Guangzhou präsentiert. Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst ist dort vertreten und hat 60 chinesische Alumni geladen. Es geht darum, Deutschland wieder in Erinnerung zu rufen, Kooperationen mit deutschen Hochschulen oder Wirtschaftskontakte anzuregen.
Nach der Werbung für Baby-Badeschaum wird es etwas trockener auf TVS, dem regionalen Fernsehsender für die Zehn-Millionen-Metropole Guangzhou und Südchina. Eine Gesprächsrunde im Bambuspavillon. Ein halbes Dutzend Männer und eine Frau erzählen von ihren Erfahrungen in Deutschland. Sie alle haben einmal eine Zeitlang an deutschen Hochschulen studiert, promoviert oder geforscht, manche schon Anfang der 80er Jahre, manche erst vor kurzem. Liao Yuhui etwa war von 1999 bis 2004 in Nürnberg und studierte dort BWL. Nach der Fernsehshow sitzt er mit den anderen noch draußen im deutschen Biergarten zusammen.
Ich fühle mich fast verpflichtet, dass ich meine Erlebnisse, meine Erfahrungen in Deutschland mit den anderen Menschen teile. Also ich möchte dann auch meinen Freunden und meinen Verwandten, ja, allen Leuten hier erzählen: Es war schön in Deutschland, es ist schön. Und vielen Freunden von mir rate ich immer: Bringen Sie mal Ihre Kinder ins Ausland, in ein Land wie Deutschland. Und dann lernt man wirklich sehr viel.
Liao Yuhui ist ein Vorzeige-Alumnus. Einer der jedes Jahr nach Deutschland fährt, voll des Lobes ist, der die Sprache beherrscht und der Karriere machte. Er arbeitet heute in einer großen Anwaltskanzlei in Schanghai. Seine Klienten sind mehrheitlich deutsche Unternehmen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD hat ihn zu seinem Alumni-Treffen nach Guangzhou eingeladen, ihn auch gleich für die Talkshow verpflichtet. In der großen Stadt am Perlfluss findet derzeit die sogenannte Deutschland-Promenade statt, ein Veranstaltungsmarathon, bei dem sich Deutschland in allen Facetten präsentiert, auch mit seinem Bildungswesen. Der DAAD hat seine chinesischen Alumni aus diesem Anlass zu einer Konferenz über Stadtentwicklung eingeladen. Beate Rogler leitet das DAAD-Büro in Guangzhou, zuständig für Südchina.
Unser Alumni-Begriff ist recht weit. Wir nehmen gerne alle auf. Bedingung ist nur, drei Monate Erfahrungen in Deutschland gemacht zu haben. Wir haben hier in der Provinz Guangdong mehr als 400 Deutschland-Alumni in unsere Listen aufgenommen, und ich lerne täglich neue kennen. Das Ziel ist dabei natürlich auch, fachliche Netzwerke zu knüpfen, aber auch berufliche: Ach, Du hast auch in Heidelberg studiert oder in Hamburg oder in Berlin an der gleich Uni wie ich, also auf vielfältige Art und Weise Beziehungen unter den Alumni zu knüpfen.
Und es geht darum, Deutschland wieder in Erinnerung zu rufen, Kooperationen mit deutschen Hochschulen oder Wirtschaftskontakte anzuregen. Denn aus vielen der früheren Gast-Studierenden und Doktoranden ist etwas geworden in China. Da ist etwa der Vizepräsident der Technischen Universität in Guangzhou, der mal in Berlin studierte. Da sind Professoren, Manager und Ingenieure. Sogar ein Mitglied im Ständigen Komitee des Nationalen Volkskongresses gehört zu den Alumni. Die meisten geben an, die Studien- oder Forschungszeit in Deutschland habe ihrer Karriere in China einen Schub gegeben. Doch nicht alle denken nur mit Freude zurück. Ni Wen ist Tänzerin. Die 31-jährige studierte in Dresden und lehrt heute Tanz am Musikkonservatorium in Guangzhou
Mich hat die Zeit dort stärker gemacht. Vorher fand ich das Leben immer so leicht. Aber in Deutschland fand ich es sehr hart. Die Sprache war fremd, aber auch die Lebensweise war schwierig für mich. Allein das Mieten einer Wohnung...
Schwierige Alltagssituationen, die zum Auslandsstudium wohl dazugehören. Und doch gibt das getrübte Bild einen Trend wieder, sagt Beate Rogler vom DAAD:
Ältere sagen zum Beispiel auch sehr stark: Landschaft, freundliche Menschen, Hilfsbereitschaft, also sind sehr sehr beeindruckt von dem, was sie in Deutschland erlebt haben. Jüngere sagen jetzt häufiger, dass es schwierig ist, dass es schwierig war, dass halt Betreuung fehlt. Und na ja, sie sehen ja: China ist boomend, die Städte boomen. Hier ist immer was los. Man kann den ganzen Tag, 24 Stunden, was erleben. Und dann kommt man nach Deutschland im Alter von 20 Jahren, und das ist doch ein großer Unterschied.
Das Interesse an einem Studium in Deutschland ist trotzdem nach wie groß. 27.000 Chinesen studieren derzeit an deutschen Hochschulen, Tendenz leicht steigend. Nur die USA und Großbritannien sind noch attraktiver für Chinesen. Für den Alumni-Nachwuchs ist also gesorgt.
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