Beim AStA, als Tutor oder im Studentenclub hinter dem Tresen - an der Universität gibt es viele Möglichkeiten, sich jenseits vom Studium zu engagieren. Das Deutsche Studentenwerk hat diese Helden des Hochschulalltags für ihr besonderes Engagement auf dem Campus geehrt. Nur: Wer sich für soziale Belange einsetzt, hat weniger Zeit für sein Studium. Daher fordert das Studentenwerk einen Ausgleich - beispielsweise in Form von Freisemestern.
2500 Euro - einfach nur dafür, dass sie gemacht haben, worauf sie Lust hatten, damals vor zwei Jahren. Andreas Dautermann und Kristoffer Braun starren immer noch etwas ungläubig auf den Scheck in ihrer Hand. Die beiden Publizistik-Studenten, mittlerweile im Hauptstudium, sind die Erfinder von "ersti.tv". Für ihre Internetplattform drehen sie regelmäßig kurze Filme, die den Erstsemestern an der Uni Mainz das Leben leichter machen sollen: Wo gibt es günstig Mittagessen? Welcher Hochschulsport macht wirklich Spaß? Und: Wer sind eigentlich die beim AStA?
"Manchmal entwerfen wir wirklich vorher einen Drehplan, manche Themen sind ein bisschen schwieriger umzusetzen, dann überlegt man sich vorher, wie könnte man das so machen, dass es auch interessant ist. Und manchmal treffen wir uns auch einfach so und drehen spontan drauflos. Geschnitten wird zuhause, und noch am selben Abend kann das Video ins Internet."
Über 80 "ersti.tv"-Filme sind so schon entstanden - ganz ohne Honorar und Sponsoring. Völlig selbstloses Engagement? - Da muss doch mehr dahinter stecken, denkt sich mancher Kommilitone. Doch Dautermann und Braun schütteln die Köpfe: "ersti.tv" sollte nie Karrieresprungbrett sein.
"Also, es bringt uns insofern was, dass wir die Techniken besser lernen. Und es bringt halt zusätzlich was, dass die Dinge, die wir verfilmen, hoffentlich Leuten was hilft. Das ist halt der Doppeleffekt, der bei unserem sozialen Engagement eintritt."
Studenten engagieren sich heutzutage nur noch, um im Lebenslauf "soft skills" nachzuweisen - von wegen! Viele nutzten soziale Projekte eher, um neue Kontakte zu knüpfen, meint Rolf Dobischat, der Präsident des Deutschen Studentenwerks.
"Das Studium ist sehr verschult, es läuft nach wie vor immer noch frontal ab, weitgehend. Das ist zum Teil frustrierend. Und da gibt es eben viele, die sich was Anderes suchen, um eben das Gefühl zu haben, ich habe was getan, ich habe irgendwas, was ich anpacken kann, wo ich Erfolge sehe, wo ich mit Anderen kommunizieren kann. Und sitze nicht den ganzen Tag nur in stupiden Vorlesungen rum und drehe mir da Stoff rein. Das ist schon ein Motiv, was ich sehr gut nachvollziehen kann."
Soziales Engagement, das nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet: Fast alle Preisträger haben die Regelstudienzeit längst gesprengt. Auch Florian Miller und Ferdinand Dürr aus Leipzig verweilen seit Jahren im Hauptstudium. Nur, um ihre Uni umweltfreundlicher zu machen. Auf deren Dächern installierten die beiden Solaranlagen.
"Wir waren in erster Linie Politikwissenschaftler, die ja nicht unbedingt mit Fotovoltaik ihr Geld verdienen. Wir haben uns eigentlich eher gedacht: Wie können wir hier was an der Uni erreichen, wie können wir hier so einen Diskurs anstoßen, eine Debatte darüber. Dass wir uns damit lange beschäftigen würden, war uns irgendwie klar, und dass darunter das Studium leidet. Aber das haben wir einfach in Kauf genommen, um diese Sache zu transportieren."
Auch für die Solar-Aktivisten waren Geld und Ruhm nie ein Thema. Dabei wäre Studentenwerkspräsident Rolf Dobischat sogar dafür, dass sich soziales Engagement in gewisser Weise bezahlt macht.
"Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass diejenigen, die was machen, zum Beispiel eine BAföG-Befreiung bekommen, oder dass die zum Beispiel keine Studiengebühren bezahlen, oder andere Dinge."
Denn Dobischat sieht auch: Die strengen Stundenpläne von Bachelor und Master machen freies, soziales Engagement immer schwieriger. Da müssen Anreize her. Doch die prämierten Studenten zögern.
"Brauchen tut man auf jeden Fall eine gesellschaftliche Legitimierung, eine gesellschaftliche Anerkennung für soziales Engagement. So dass man etwas Wert ist in der Gesellschaft, wenn man etwas für die Gesellschaft tut."
"Ich finde die Diskussion, dass man das mit Credit Points oder sonstigen Vergünstigungen für die Studenten belohnen müsste, eigentlich völlig fehl am Platz, weil: Dann ist es für mich kein ehrenamtliches Engagement mehr. Dann ist es für mich eine normale Tätigkeit, für die ich Geld bekomme oder so."
Aber manches beziehungsweise eines wünschen sich alle "Helden des Hochschul-Alltags": Weniger skeptische Blicke - und ein, zwei Freisemester mehr.
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