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11.05.2009
Mit einer Universitätskarriere allein wäre es Christa Rohde-Dachser kaum möglich, sechs Millionen Euro für die Neugründung einer Universität zu stiften.  (Bild: Stock.XCHNG / Jorge Vicente) Mit einer Universitätskarriere allein wäre es Christa Rohde-Dachser kaum möglich, sechs Millionen Euro für die Neugründung einer Universität zu stiften. (Bild: Stock.XCHNG / Jorge Vicente)

"International Psychonanalytic University" in Berlin gegründet

Mit dem Stiftungskapital einer engagierten Bürgerin

Von Jacqueline Boysen

Die Psychoanalyse habe an den Universitäten in Deutschland an Boden verloren - beklagt Christa Rohde-Dachser. Die emeritierte Professorin für Psychoanalyse will der Dominanz der Verhaltenstherapie im Psychologiestudium Einhalt gebieten, und sie tut das in der denkbar radikaler Form: Sie stiftet eine private Universität für Psychoanalyse.

Das sei die Konsequenz aus ihren 13 Lehr- und Forschungsjahren an der staatlichen Universität Frankfurt am Main. In dieser Zeit konnte sie beobachten, dass sich die Nachwuchs-Psychologen durchaus begeistern für die Lehre von Sigmund Freud:

"Eine Form der Welt und Menschenbetrachtung und Betrachtung psychischer Krankheiten, die sich abhebt von der Verhaltenstherapie und darüber hinaus Sinnfragen zu beantworten hilft, die so in Frankfurt zumindest nicht angesprochen wurden."

Mit einer Universitätskarriere allein wäre es Christa Rohde-Dachser kaum möglich, sechs Millionen Euro für die Neugründung einer Universität zu stiften. Doch die Dame mit den rötlichen Locken war nicht nur Nachfolgerin auf dem Lehrstuhl von Alexander Mitscherlich - vielmehr ist sie zugleich Unternehmerin und Erbin eines Logistik-Unternehmens. Mit neunzehn Jahren begann sie, die Lastwagen des elterlichen Betriebs zu fahren, wurde zunächst Betriebswirtin und führte schließlich das Unternehmen. Erst später sattelte sie zur akademischen Laufbahn und der Psychoanalyse um. Auf einer gemeinsamen Afrika-Reise mit ihrem Wissenschaftlerkollegen Jürgen Körner von der Freien Universität Berlin sei sie dann auf den Gedanken gekommen, die International Psychoanalytic University Berlin zu stiften. Diese wirbt jetzt um 16 Professoren und Dozenten, die bereits im Wintersemester 120 Studenten in den frisch renovierten historischen Räumen in Berlin-Moabit empfangen sollen. Körner, künftiger Präsident der neuen Hochschule, preist schon jetzt die Vorzüge der drei Masterstudiengänge, die die junge Uni anbietet

"Wir sind, was die Zugangsbedingungen angeht. flexibler als die staatlichen Hochschulen. Wenn wir an den Master "Klinische Psychologie" denken, so ist es an den staatlichen Hochschulen üblich, nur BA-Psychologie zuzulassen, wir glauben, auch andere aus anderen Studiengängen, Soziologie, Theologie, Politikwissenschaftler können sehr viel beitragen zur Vielfalt des Studiums selber."

Was die neue Uni in Berlin-Moabit bei aller Praxisorientierung nicht wird leisten können: die Ausbildung zum Psychoanalytiker. Aus rechtlichen Gründen ist dies auch weiterhin in Deutschland ausschließlich privaten Instituten überlassen - mit praktizierenden Analytikern aber wolle man kooperieren, versichern die Neugründer.

Und einen weiteren Plan verfolgen sie: Die Einwerbung von Stipendien für ihre Studenten. Denn sie müssen für ein Vollzeitstudium stolze 4000 Euro pro Semester bezahlen und etwas mehr als die Hälfte für das in die Länge gezogene, berufsbegleitende Teilzeitstudium. Das ist viel Geld, geben die Stifter zu, aber sie zeigen sich zuversichtlich, das Geld akquirieren zu können

"Das war nicht klar, ob unsere Rechung aufgeht. Aber ich komme aus einem Unternehmen, wo man etwas riskiert und ich habe mir gesagt, ich riskiere das."


 
 

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