Seit der Einführung der Studiengebühren 2007 hat der Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim ermittelt, wie die Studierenden mit den Auswirkungen zufrieden sind und ob sie die Studiengebühren befürworten. Erste Ergebnisse liegen vor.
An 49 Universitäten mit Studiengebühren wurden 5600 Studierende gefragt, was sie von diesen Gebühren halten. Das Ergebnis dieser dritten Umfrage: Die Zufriedenheit mit den Studiengebühren und ihrer Verwendung ist ein klein wenig gestiegen. Prof. Markus Voeth, der diesen "Gebühren-Kompass" erstellt:
"Wir stellen fest, dass im Vergleich zum vergangenen Jahr die Zufriedenheit um knapp eine Drittelnote besser geworden ist. Allerdings insgesamt immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Die Zufriedenheit liegt - wenn sie es in Schulnoten ausdrücken wollen - zur Zeit in Deutschland zwischen vier und fünf mit ner leichten Tendenz zum 'ausreichend' und nicht mehr, wie im vergangenen Jahr zum 'mangelhaft'."
Aber das sei kein Grund zum Jubeln:
"Tatsächlich stellen wir in diesem Jahr fest, dass nicht mehr 63 Prozent, wie im vergangenen Jahr, sondern inzwischen 66 Prozent der Studierenden Studiengebühren ablehnen. Und auch der Anteil derjenigen, der sich eine Abschaffung der Studiengebühren wünscht, ist im Vergleich zum vergangenen Jahr um mehr als zwei Prozent angewachsen, und zwar von sehr hohem Niveau kommend, nämlich von 70 Prozent auf 72 Prozent."
Dass Studiengebühren bessere Studienbedingungen bringen, glauben über 70 Prozent nicht. Das ist nur etwas besser als im Vorjahr. Auch die Sorge, dass die Politik die Unis wegen der Studiengebühren schlechter fördern werde, hat abgenommen, plagt aber immer noch jeden zweiten Studierenden.
Diese Unzufriedenheit hat viele Gründe: Nach Jahrzehnten der Überlast und bei einem Milliarden schweren Investitionsstau an den Unis bewirken die Millionen der Studiengebühren wenig. Aber wer zu Anfang des Semesters Eintritt bezahlt, will dafür auch sofort eine bessere Vorstellung.
Die Umfrage zeigt auch, dass es teilweise immer noch an den nötigen Informationen mangelt. Der Marketingexperte Markus Voeth rät deshalb:
"Zum einen könnten die Universitäten ihre Informationspolitik überdenken. Da wir ja wissen, dass Studierende, die besser informiert sind, auch zufriedener sind, sollten die Universitäten die Studierenden sehr viel intensiver über die Verwendung der Studiengebühren informieren. Vor allem sollten sie die Studierenden nicht in einer Hohlschuld sehen, sondern erkennen, dass sie eigentlich als Hochschulen eine Bringschuld, was die Verwendung von Studiengebühren angeht, haben. Sprich, man sollte nicht die Information über die Verwendung von Studiengebühren irgendwo auf der Homepage versteckt den Studierenden präsentieren, sondern sollte vielleicht doch aktiver die Studierenden über die Verwendung der Studiengebühren informieren."
Und woher kommt der Gegensatz zwischen steigender Zufriedenheit und sinkender Akzeptanz? Markus Voeth:
"Dies ist sicherlich darauf zurück zu führen, dass die Studierenden nach zwei Jahren Studiengebühren nicht mehr die Geduld haben auf langwierige Prozesse an den Hochschulen zu warten, sondern auch grade angesichts der überschaubaren Zeit, die die Studierenden an den Hochschulen sind, wünschen, dass die Hochschulen viel, viel schneller das Thema Studiengebühren zu einer sinnvollen Verwendung an den Hochschulen führen."
www.gebuehrenkompass.de
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