Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) stellt in Berlin ihr Leitbild für eine alternative Entwicklung von Hochschule und Forschung vor. Dabei tritt die GEW für ein elternunabhängiges Studienhonorar ein und möchte die Universitäten auch Menschen ohne Abitur öffnen.
"Wir können auch anders" - der Titel des wissenschaftspolitischen Programms, das die GEW kürzlich beschlossen hat und nun der Diskussion von Experten aussetzt, klingt trotzig. Andreas Keller, der im Vorstand der Bildungsgewerkschaft GEW für die Hochschulen zuständig ist:
Wir wollen damit sagen, dass wir als GEW durchaus dafür sind, dass die hochschulen sich verändern müssen, also keinesfalls in das Lager derjenigen eingereiht werden wollen, die sagen es war alles so gut, wie es früher war, sondern wir möchten Veränderungen, aber eben Alternativen zum herrschenden Leitbild der unterneherische Hochschule entwickeln und die haben wir in unserem programm dargestellt.
Vier Punkte stehen im Mittelpunkt des Programms: Die Demokratisierung der Hochschulen, das bedeutet Autonomie ohne die Autokratie der Hochschulleitungen und neue Formen der Mitbestimmung. Warum kann man nicht zum Beispiel die Präidenten oder Rektoren in Urwahl durch alle Hochschulangehörigen bstimmen lassen?, fragt Andreas Keller.
Die Öffnung der Hochschulen, das heißt: Keine hochschulinternen Auswahlverfahren, bedarfsgerechter Ausbau. Bis dieses visionäre Fernziel erreicht ist brauche man durchaus so etwas wie eine Kapazitätsverordnung, um die Hochschulen offen zu halten. Menschen ohne Abitur müssen Zugang zum Studium bekommen. Die GEW tritt für ein elternunabhängiges Studienhonorar.
Margret Wintermantel von der Hochschulrektorenkonferenz machte deutlich, dass auch sie nicht bedingungslos die Studiengebühren unterstützt:
"Wir binden die Entscheidung daran, dass tatsächlich Stipendiensysteme aufgebaut werden, sodass also kein Studierender vom Studium abgehalten werden wird, weil er oder sie Studienbeiträge zahlen muss."
Schließlich der Bolognaprozess. Die GEW sieht sich da keineswegs in der Position von Gestrigen, die den Prozess der Europäisierung und der Orientierung auf die Studierenden rückgängig machen wollten:
"Unser Programm hat ja grundsätzlich die Philosophie, dass wir sagen, wir brauchen Reformen, aber andere als es jetzt gibt. Und genauso treten wir beim Bolognaprozess dafür ein, dass die Zielsetzungen, die dort formuliert worden sind, die richtigen sind, aber bei der Umsetzung es hapert. Deswegen fordern wir einen Kurswechsel im Bolognaprozess."
Eine Zwischenbilanz zeige aber, dass die Ziele wie Studierbarkeit des Studiums, Beschäftigungsfähigkeit und größere Mobilität bisher nicht erreicht wurden. Da stößt die GEW anscheinend selbst bei Frank Ziegele, dem Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung und für viele Gewerkschafter und Studierendenvertreter so etwas wie der Hauptgegner, auf Zustimmung:
"Ich finde im Programm der GEW so gut wie kein Ziel, das ich nicht auch sofort unterschrieben würde - die Öffnung der Hochschule, mehr Studierende, bessere Ausstattung etc. Das ist alles genau die richtige Richtung. Teilweise sind wir aber in den mitteln nicht einig, wie besipielsweise bei den Studienbeiträgen."
Heute Nachmittag werden noch Vertreter der Bundestagsparteien zum Programm Stellung nehmen. Immerhin hat die GEW deutlich gemacht, dass Alternativen dazu denkbar sind, wie heute die Hochschulreform umgesetzt wird.
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