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01.07.2009
Der internationale Hochschulraum führt nicht automatisch zu mehr Mobilität (Bild: AP Archiv) Der internationale Hochschulraum führt nicht automatisch zu mehr Mobilität (Bild: AP Archiv)

Bolognaprozess blockiert Auslandssemester

Die DAAD-Netzwerkkonferenz will die Mobilität fördern

Von Britta Mersch

Die neuen Bachelor- Master-Studiengänge, die im Rahmen des Bolognaprozesses eingeführt wurden, lassen keinen Raum mehr für Auslandssemester, klagen viele Studierende. Die Netzwerk-Konferenz des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bringt seit gestern Hochschulvertreter und DAAD-Mitarbeiter aus dem Ausland zusammen, um gemeinsam neue Projekte in Sachen Internationalität anzustoßen.

Rund 130 Hochschul-Vertreter sind gekommen, um auf der Netzwerk-Konferenz des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, kurz DAAD, Kontakte zu Mitarbeitern in den Außenbüros zu knüpfen, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Eine von ihnen ist Winnie Rosatis, Leiterin des International Office an der Hochschule Fulda. Sie hat schon in den vergangenen Jahren an der DAAD-Netzwerkkonferenz teilgenommen.

"Ich habe da sehr positive Erfahrungen gemacht. Ein ganz konkretes Beispiel: Ich habe im letzten Jahr gezielt gesucht nach Möglichkeiten in St. Petersburg Kooperationen zu Hochschulen anzubahnen, und ich habe eine ganz hervorragende Unterstützung durch den Leiter des Information Centers des DAAD in St. Petersburg erhalten. Jetzt in diesem Jahr möchte ich die Ergebnisse der Bemühungen mit ihm durchsprechen und jetzt konkrete Schritte noch mal mit ihm besprechen."

Die Hochschulvertreter der Universitäten und Fachhochschulen nutzen die DAAD-Konferenz aber nicht nur, um gezielt Kooperationen anzustoßen. Sondern sie sehen sich auch an, was sie von anderen Hochschulen lernen können, und welche Impulse sie ihren Kollegen mit auf den Weg geben können. Katharina Linke, Referentin für Internationales an der Universität Kassel, an der zurzeit ein neues Internationalisierungskonzept umgesetzt wird.

"Das heißt konkret bei uns: Wir sind dabei, die Zahlen der internationalen Studierenden in den grundständigen Studiengängen zu konsolidieren, das heißt zum zweiten, dass wir die Zahlen der postgradualen Studierenden erhöhen, der Nachwuchswissenschaftler, daran sind wir besonders interessiert. Und wir sind auch daran interessiert, den Studierenden, die nicht ins Ausland gehen können, Auslandserfahrung auf dem Campus zu ermöglichen durch das sogenannte Konzept Internationalisation at home."

Die Studierenden sollen also auch in Deutschland an möglichst vielen internationalen Angeboten teilnehmen, etwa an Seminaren von Gastwissenschaftlern aus dem Ausland. Denn bekanntermaßen stehen die Hochschulen vor einem Problem: Seit der Einführung von Bachelor und Master klagen viele Studierende darüber, dass sie ein Semester im Ausland nicht mit ihrem Stundenplan kombinieren können. Eine Hochschule, die vormacht, wie es geht, ist die Deutsch-Französische Hochschule in Saarbrücken, ein Verbund von zahlreichen deutschen und französischen Universitäten. Generalsekretär Jochen Hellmann:

"Wir haben in der Deutsch-Französischen Hochschule wenig Probleme damit. Und zwar deswegen, weil unsere Studiengänge von vornherein integrierte Doppel-Diplomstudiengänge sind. Das bedeutet, alle Studierenden, die bei uns anfangen, wissen, dass sie einen Teil, in der Regel die Hälfte ihrer Studienzeit, in dem jeweiligen Partnerland verbringen werden. Das ist schon im ersten Semester klar, dass sie dann und dann ins Ausland gehen. Und wir haben keinerlei Probleme damit, weil das Curriculum gemeinsam geplant und abgestimmt ist, und nach dem Studium bekommen die Studierenden beide Diplome oder ein Doppel-Diplom."

Ein Modell, das auf der DAAD-Konferenz von Bologna-Experten gelobt wird - und das andere Hochschulen ermuntern sollte, ähnliche Wege einzuschlagen. Der DAAD hat gerade ein Förderprogramm ins Leben gerufen, das den Hochschulen mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Studiengänge geben soll. Christian Müller leitet beim DAAD die Gruppe Kommunikation und Marketing:

"Indem wir sagen: ein Bachelor-Programm, in dem ein Auslandssemester oder ein Auslandsjahr integraler Bestandteil ist, darf auch mal länger sein als sechs Semester. Dieses aber zu planen und mit Partnerhochschulen umzusetzen, erfordert immer ein wenig Aufwand wie Abstimmungsgespräche, Koordinationsgespräche, Reiseaktivität, auch Fördermittel. Dafür wird gerade ein neues Programm ausgelobt, das beginnt dieses Jahr."

Und so zeigt die DAAD-Konferenz: Die Probleme lösen wird sie an diesen beiden Tagen nicht. Aber sie wird den Hochschulvertretern viele neue Impulse mit auf den Weg geben, wie die Studierenden ermuntern können, den Weg ins Ausland zu finden.


 
 

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