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03.07.2009
Auch Harvard muss sparen. (Bild: AP) Auch Harvard muss sparen. (Bild: AP)

Elite schützt nicht vor Entlassung

Harvard University will Personal abbauen

Von Arndt Reuning

Die Finanzkrise hat jetzt auch die altehrwürdige Harvard-Universität erreicht. Zwar verfügt die Hochschule über ein gewaltiges Stiftungsvermögen. Durch den Crash am Finanzmarkt verlor die Elite-Uni jedoch nahezu ein Drittel ihres Geldes. Jetzt werden Mitarbeiter entlassen.

Dunkel Wolken ziehen auf über Cambridge, Blitze zucken über die Backsteingebäude auf dem zentralen Harvardcampus. Nichts Ungewöhnliches in Neuengland, wo die Menschen gelernt haben, mit einem abrupten Umschwung des Wetters zu leben.

Anders könnte es allerdings aussehen mit dem Wandel des Betriebsklimas an der Harvard-Universität. Gerüchte hatten sich schon seit Ende Dezember gehalten, nun ist es offiziell: Harvard entlässt rund dreihundert Mitarbeiter, die nicht in der Lehre tätig sind. Per E-Mail hatte die Universitätspräsidentin Drew Faust vor knapp zwei Wochen die Angestellten auf die kommenden Einschnitte vorbereitet. Betroffen sind vor allem Verwaltungs- und Bibliotheksangestellte und technische Mitarbeiter.

Insgesamt zwei Prozent aller Stellen. Die Folgen davon kann Jerry Kleiner, der in einer der Büchereien auf dem Campus arbeitet, schon absehen.

"Es gibt viele Dinge, die jetzt liegen bleiben, weil es an Personal mangelt. Viele Projekte, die einfach etwas nachlässiger durchgeführt werden. Der Informationsschalter hier im großen Saal wird nicht mehr besetzt werden, denn es gibt nicht genug Mitarbeiter dafür."

Im Vorfeld hatte die Harvard-Gewerkschaft HUCTW wochenlang mit der Universitätsleitung verhandelt und um jede einzelne Stelle gefeilscht, sagt Bill Jaeger, der Direktor der Gewerkschaft. Er rechnet damit, dass seine Arbeit aber noch lange nicht zu Ende ist.

Das sei wahrscheinlich nur die erste Welle gewesen, sagt er, denn die Verluste des Stiftungsvermögens seien gewaltig. Die Privatuniversität sitzt auf einem riesigen Vermögen, vor allem von ehemaligen Absolventen gestiftet. Aus den Erträgen dieses Kapitals bestreitet sie einen Großteil ihrer Ausgaben. Durch den Crash am Finanzmarkt aber war innerhalb weniger Monate nahezu ein Drittel des Geldes flöten gegangen - sodass Harvard nun wieder ungefähr auf dem Stand von 2005 angelangt ist. Und weil in den fetten Jahren auch niemand beim Personal gespart hat, fehlt das Geld jetzt an allen Ecken und Enden. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille.

Jaeger: "Harvard geht nicht bankrott, die Universität hat noch immer Stellen anzubieten. Und zwar genug, um alle Mitarbeiter aufzufangen, die ihrer Entlassung entgegen sehen. Unsere momentane Hoffnung und unsere Anstrengungen in diesen Tagen zielen darauf ab, dass Menschen, deren Arbeitsplätze gestrichen worden sind, auf die offenen Stellen gesetzt werden, die die Universität anzubieten hat."

Besonders in den natur- und ingenieurswissenschaftlichen Zweigen wachse die Universität noch immer, sagt der Gewerkschaftler. Und gerade dort könnten Verwaltungsangestellte neue Aufgabengebiete finden. Kleinreden möchte er aber andererseits die Situation auch nicht.

"Für Harvard bedeutet das einen großen Wandel. Die Universität muss sich gänzlich neu ausrichten. Die Führungskräfte müssen nun viele Prioritäten und alte Ansätze neu überdenken, aber es ist keine Katastrophe für die Menschen, die an der Harvard-Universität arbeiten."

Stellen in Forschung und Lehre sind von den aktuellen Kürzungen nicht betroffen. Allerdings hatte der Boston Globe kürzlich Gerüchte geschürt, nach denen in Zukunft auch Professoren auf freiwilliger Basis frühzeitig in den Ruhestand geschickt werden sollen. Für den Bibliotheksangestellten Jerry Kleiner steht die Universität vor allem vor einem Imageproblem.

"Harvard wird es in Zukunft schwerer haben, Lehrkräfte zu gewinnen. Ich denke, möglicherweise werden einige unserer Professoren zu anderen Universitäten wechseln, weil es ihnen nicht passt, wie die Dinge hier geregelt werden und wie die Finanzierung zurück gestutzt wird."


 
 

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