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15.05.2004
RFID Chip mit Antenne (Bild: infineon) RFID Chip mit Antenne (Bild: infineon)

Hilfreiche Stimmen aus dem Chip

Frankfurter Messe präsentiert Hilfsmittel für Behinderte

Von Klaus Herbst

Bislang sind etwa Blinde darauf angewiesen, sich die Position sämtlicher Gegenstände in ihrem Haushalt genau zu merken, um sie bei Bedarf aufzufinden. Erleichterung dabei versprechen kleine Helfer aus Silizium, die Funketiketten aufspüren und ihre Träger anhand von Kodes erkennen. Solche und andere Neuerungen präsentierte in der vergangenen Woche die Messe "Sightcity" in Frankfurt am Main.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie ein paar Minuten Zeit für uns haben...

...liest eine synthetische Stimme einem blinden Menschen aus einem Word-Dokument vor. Zwar hört man nach wie vor leichte Sprünge, aber noch nie wirkte die Sprache dermaßen natürlich - eine der Innovationen auf der diesjährigen Sightcity in Frankfurt, der größten deutschen Messe für Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte. Ulli Strempel von der Firma Etex Sprachsynthese in Frankfurt erklärt, warum eine optimierte Sprachausgabe für Blinde kein unnötiger Luxus ist:

Man kann manchen Menschen zuhören und versteht sie. Aber man hört ihnen vielleicht nicht gerne zu und nimmt dann auch nicht so viel Informationen auf, als wenn man jemandem zuhört, dem man gerne zuhört. Je besser eine Sprachsynthese ist, umso weniger ermüde ich beim Zuhören und umso besser kann ich Informationen aufnehmen.

Ein paar Messestände weiter führt Hans-Jörg Lienert von der Marburger Firma für Informationsmanagement Dräger und Lienert Objekt-Erkennungssystem TagIt vor.

Wir stehen jetzt hier vor einem schönen Holzregal. Und in dem Regal sind verschiedene Schachteln. Und die Schachteln sind mit Tags gekennzeichnet. Wir haben dann noch Kassettenhüllen, Stehmappen. Dann haben wir Literatur und Software. Jetzt hole ich von unten ein Buch heraus, halte das Lesegerät dran: "Sofies Welt" hat er gefunden.

TagIt arbeitet also mit so genannten Tags, die an den Gegenständen befestigt sind und einen individuellen Code enthalten.

Das sind kleine Etiketten, etwa Briefmarken groß, ganz dünn und innen ist eine Antenne und ein kleiner Chip. Und wenn dieses Etikett in das elektromagnetische Feld eines so genannten Readers kommt, entsteht in der Spule der Etikette Strom über Induktion. Der Chip bekommt Strom, wird als Sender aktiv und sendet eine lange Zahl, also eine Identifikationskennung.

RFID heißt die Technologie, Radiofrequenz-Identifikations-Detektion, die es Blinden ermöglicht, einen handlichen Funkscanner an Gegenständen vorbeizuführen und sich den Namen der Objekte vorlesen zu lassen. Aber es geht auch umgekehrt, nämlich den Namen eines Gegenstandes in den PC einzugeben.

Jetzt zeige ich Ihnen die Suchfunktion. Ich suche jetzt mal nach einem CD-Man.

"Stern. Eingabe. CD-Man. Tab. Tab. Tab. Kurztaste Alt plus Hoch", bestätigt das Lesegerät.

Jetzt gehe ich mit dem Reader am Regal entlang, bis der Reader mir das Gesuchte mit einem Meldeton anzeigt.

AskSam heißt die Software, welche die bereits genannten Funktionen unterstützt. Hans-Jörg Lienert erklärt eine weitere:

Wir können Filter setzen. Wir können zum Beispiel sagen: Wir wollen jetzt nur Bücher ansagen lassen. Dann ignoriert TagIt andere Dinge und sagt Ihnen nur die Bücher. Sie können auch sagen: Ich möchte nicht nur Bücher allgemein angesagt bekommen, sondern ganz speziell Bücher zu einem bestimmten Fachgebiet, beispielsweise Psychologie und so weiter. Dann würde das System eben Belletristik ignorieren.

In erster Linie ist die innovative Technologie ein Angebot für Blinde und Sehbehinderte. Lienert kennt auch noch andere Personengruppen, die von ihr profitieren würden. Er nennt eine weitere mögliche Anwendung:

TagIt kann für Körperbehinderte und eventuell auch für ältere Menschen eine Eingabeerleichterung sein. Zum Beispiel nehmen wir einen kleinen, gelben Briefkasten aus Plastik. Wenn Sie den an den Reader halten, wird das E-Mail-Programm gestartet. Sie nehmen einen Schreibstift, halten den dran, das Schreibprogramm kommt. Sie halten einen Löffel dran, und aus dem Internet wird der Speiseplan der Kantine angezeigt. Und das sind Sachen, die für einen Sehenden, der auch keine motorischen Probleme hat, vielleicht banal wirken.

... aber gerade nicht banal für Sehbehinderte, für Menschen mit gestörter Motorik oder für Senioren. Die Messe SightCity besteht erst seit dem vergangenen Jahr. Dieses Jahr hat sich die Zahl der Aussteller mit über sechzig fast verdoppelt. Die Besucherzahl ist um mehr als ein Drittel gestiegen. Die Branche trägt sich finanziell. SightCity ist dafür eine auch international wichtige Plattform.


Bild RFID
Kleine Funketiketten können Blinden bei der Suche helfen.


 
 

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