Nach wie vor ist der LinuxTag nach wie vor der Treff der deutschen Fangemeinde rund um das freie Betriebsystem. Ein auf den vergangenen LinuxTagen vertretener Gast fehlte allerdings diesmal in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden: Microsoft.
Man habe gute Kontakte in die Szene, begründete Microsoft sein Fernbleiben auf dem diesjährigen LinuxTag 2006 in Wiesbaden. Möglicherweise, so munkelten Insider, sei das Redmonder Unternehmen es einfach leid geworden, sich ständig Kritik am eigenen Produkt anhören zu müssen. Dafür aber registrierten die Linux-Fans in diesem Jahr die Anwesenheit von Vertretern der Rüstungsindustrie. 20 Prozent aller Rüstungsprojekte werden immerhin mit Open-Source-Software realisiert. Unumstrittener Star der diesjährigen Veranstaltung war der südafrikanische Medienunternehmer Mark Shuttleworth, der die Ubuntu-Linux-Distribution ins Leben gerufen und mit zehn Millionen US-Dollar unterstützt hat. Mittlerweile erfreut sich die einfache und kompakte Linux-Version weltweit großer Beliebtheit.
Manfred Kloiber: Was waren denn die Gründe für die Entwicklung von Ubuntu?
Mark Shuttleworth: Die Vision hinter Ubuntu hängt mit meiner Überzeugung zusammen, dass nur ein kostenloses Betriebssystem das beste Betriebssystem für die Welt sein kann. Und wir wollten ein Projekt entwickeln, dass die Idee der freien Software verdeutlichen kann, und zwar professionell und umfassend.
Kloiber: Hatten sie auch die Absicht, Menschen, die nicht so viel Geld haben, ein kostenloses und leistungsfähiges System zur Verfügung zu stellen?
Shuttleworth: Linux gab mir die einmalige Chance, ein weltweites Technologie-Unternehmen aufzubauen. Ich komme aus Kapstadt und hatte nie Zugang zu Risiko-Kapital. Aber ich war fasziniert vom Internet und den Veränderungen, die es in der Welt ausgelöst hat. Und nur durch Linux hatte ich die Möglichkeit, meine Produkte weltweit anzubieten. Also hoffe ich jetzt, dass Ubuntu und Kubuntu das Feld bereiten, damit Menschen in China, Indien, Afrika oder Südamerika ihre Vorstellungen umsetzen und die Technologie nutzen können, obwohl sie aus armen Ländern kommen.
Kloiber: Es gibt so viele Linux-Pakete auf dem Markt, warum machen sie noch zusätzlich ihr eigenes?
Shuttleworth: Ich kenn viele Linux-Pakete sehr gut, aber ich kenne keine, die sowohl Professionalität, unternehmerische Professionalität, als auch die Idee der Freien Software vereinigt.
Kloiber: Technisch gesehen, was sind denn die Besonderheiten von Ubuntu?
Shuttleworth: Ich denke, bekannt ist Ubuntu dafür, dass es einfach funktioniert. Wir haben dafür gesagt, dass das Paket so läuft, wie es ein normaler Anwender erwartet. Also, dass es leicht zu installieren ist, dass es danach dann klar ist, wie man ins Internet gelangt oder Emails verschickt, wie man einen Text schreibt oder eine Tabellenkalkulation öffnet. All diese Funktionen sind eingängig und leicht zu nutzen. Wir erlangen auch mehr und mehr Ansehen für unsere Server-Version. Unsere nächste Ausgabe ist auf Unternehmensnetze, sowohl auf die Arbeitsplätze als auch die Server, ausgerichtet.
Kloiber: Welche Tendenzen sehen sie denn in der Entwickler-Gemeinschaft?
Shuttleworth: Es gibt viele fantastische Initiativen. Eine Strömung dabei ist, dass die Menschen ihre lokalen Ausgaben von Ubuntu herausbringen. Also Versionen, die für China, Thailand, Frankreich oder Brasilien optimiert sind. Und sie integrieren Elemente aus der lokalen Kultur, lokalen Inhalten, Übersetzungen, Dokumentationen, oder Anwendungen, die nur für ihre Region wichtig sind. Die andere Strömung ist, dass Leute Ubuntu immer stärker auf bestimmte Bedürfnisse abstimmen. Also Ubuntu für den Unterricht, für besonders einfache Rechner oder für Unternehmensnetze. Darüber freue ich mich sehr, dass Menschen unsere Basis nehmen, und sie für interessante Projekte neu gestalten.
Kloiber: Sie investieren viel Geld für ein professionelles Entwicklerteam. Wie wollen sie garantieren, dass Ubuntu weiter geht, wenn sie kein Geld mehr geben?
Shuttleworth: Das ist der Grund, warum es ist wichtig ist, dass das Projekt auch kommerziell erfolgreich wird. Das ist auch der Grund, warum die Firma hinter dem Projekt professionellen Service anbietet. Wir bietet Rund-um-die-Uhr-Support für unsere nächste Version. Das Paket ist kostenlos, aber Firmen, die Unterstützung wollen, bekommen auch kostenpflichtigen Service, was dem Projekt als Ganzen hilft.
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