Wenn eine ältere Dame während eines Halts an einer Raststätte in den Reisbus stürmt, um ihrer Freundin über alle Sitzreihen hinweg aufgeregt zuzurufen: "Hermine, dapfer, do kannsch uff's Klo. S'koschd nix!" Dann weiß man: Es sind Schwaben unter den Reisenden.
"S'koschd nix" erfüllt im östlichen Teil Baden-Württembergs die Funktion des Alarm- und Weckrufs, des Triumphgeheuls und des Lustschreis. Und auch in Bundsländern, wo man außer der Sparsamkeit vielleicht noch andere Primärtugenden kennt, kleiden die Menschen, den Umstand, dass etwas gratis abgegeben wird, in viele schöne Worte: in "für Gotteslohn" etwa oder "unentgeldlich", "für umme", "für lau" oder ganz einfach "frei".
Dank der modernen Mobilfunktechnik nun ist heutzutage immer öfter ein weiteres Synonym zu hören: "für 0 Euro". Eigentlich ist diese Wortsequenz ausschließlich für die Schriftsprache geeignet, denn unabdingbar dazu gehört noch ein Sternchen, unter dem dann aufgeführt wird, dass das Handy, von dem da stets die Rede ist, nur als Dreingabe zu einem lang laufenden Mobilfunkvertrag zu ungünstigen Konditionen erhältlich ist. Die Aussprache eines Sternchens allerdings ist dem Phonetiker völlig unbekannt. Deshalb ist die Sequenz "für 0 Euro" als Teil der gesprochenen Sprache auch nur Menschen geläufig, die ein gebrochenes Verhältnis zur gepflegten Konversation haben, eben Mobiltelefonierern. Lediglich sie sind in der Lage, bruchlos Werbebotschaften in ihren eigenen Wortschatz zu übernehmen. Von Deonomastik spricht man in solchen Fällen, wenn das Marketing Einzug in die Alltagssprache hält, wenn also von "Nivea" und "Tempo" gesprochen wird, anstatt von Handcreme und Papiertaschentuch" oder eben von "für 0 Euro". Ein Deonym hat den Vorteil einer viel höheren Reichweite als jedes klassische Werbemedium und vor allem: "S'koschd nix!"
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