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08.03.2008
Ein Model präsentiert auf der Computermesse CeBIT ein Notebook aus Bambus. (Bild: AP) Ein Model präsentiert auf der Computermesse CeBIT ein Notebook aus Bambus. (Bild: AP)

Mekka der Bits und Bytes

CeBIT 2008: IT-Industrie setzt auf umweltbewusste Kunden

Von Manfred Kloiber, Gerd Pasch und Peter Welchering

Die CeBIT ist mit fast 6000 Ausstellern eine der weltweit bedeutendsten Fachmessen zur Informationstechnik. Ein Trend der diesjährigen Schau ist die Ausrichtung auf energiesparsame und umweltfreundliche Produkte. Doch nicht immer halten die Hersteller, was sie vollmundig versprechen.

Auch in diesem Jahr schaut sich Computer und Kommunikation für Sie um auf einer der weltweit führenden IT-Messen - der CeBIT 2008. Unter vielen Trends und neuen Produkten haben wir diese Themen für sie herausgesucht:

Etikettenschwindel - das Thema "Green IT" ist mehr Slogan als Lösung.

Das dritte Leben - virtuelle Unternehmen arbeiten mit Technologien aus Second Life

Gefühlsgaukelei - Computer versüßen die Mühen am Heimtrainer.

Abwehrhaltung - Selbstlernende Sicherheitsmodule sollen den Computer besser schützen

und schließlich darf unser Digitales Logbuch dabei auch nicht fehlen.

Plötzlich ist wirklich alles so schön grün hierauf der CeBIT in Hannover und das hat überhaupt nichts mit dem Wetter zu tun, sondern wie verabredet haben sich die führenden Hersteller von Computer-Hardware und IT-Ausrüstung auf die Ökowelle geschwungen. Und sie reden hier ständig von grüner Verantwortung, rechnen in CO2-Bilanzen und analysieren den Stromverbrauch ihrer Maschinen. Ein ziemlich weicher Ansatz für die harte Branche. Wir werden dem Thema gleich auf den Zahn fühlen und schauen, wie viel Grün wirklich in der Green-IT steckt. Außerdem werden wir Sie über moderne Formen der Zusammenarbeit über Bürogrenzen hinweg informieren und sie auf den neuesten Stand der Sicherheitsforschung bei Computer-Schädlingen bringen. Zuvor aber hören wir in die Forschungshalle 9, dort wo Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen ihre Projekte präsentieren. Gerd Pasch ist vor Ort.

Ich stehe im Futurepark, der öffentliche Sektor stellt hier aus. Länder wie Hessen zeigen die Online-Polizeiwache und die Bundesregierung ist hier mit ihren ambitionierten IT-Projekten wie elektronischer Personalausweis und Gesundheitskarte vertreten. Die Hochschulen der Republik stellen hier aus und auf den Ständen der Länder, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, da ist zu sehen was die Fachhochschule Aachen zu bieten hat, nämlich eine Technik, die High Definition Television HDTV mit Surroundsound über den klassischen DSL Anschluss und auch über das breitbandige Handy zum Zuschauer bringen kann. Hier in der Forschungshalle steht auch das Musterbüro der grünen IT-Zukunft, es will zeigen, wie mit gezielt ausgewählter Technik viel Energie gespart werden kann. Allerdings scheint es mir so wenig überzeugend präsentiert, dass nur wenige Besucher sich hier in die Ecke der Halle 9 verlieren.

Herzlichen Dank, Gerd Pasch, wir werden gleich von Ihnen ein wenig mehr hören, doch wenden wir uns dem absoluten Lieblingsthema der Branche: der grünen Informationstechnologie. Und tatsächlich gibt es ein Umweltproblem mit den Computern: nicht nur always on, sondern auch hoch getaktete Prozessoren und riesige Festplatten, superschnelle Kommunikationsrechner - das sind alles richtige Energiefresser. Gerd Pasch hat es eben gesagt, ebenfalls in Halle 9 gibt es eine Energie-Sonderschau, Green IT-Village genannt, die über die Problematik informieren soll. Peter Welchering, kann denn diese Schau dem CeBIT Besucher tatsächlich Tipps für das Stromsparen geben?

Na ja, wer das in Halle 9 untergebrachte Green IT-Village findet, der kann dann schon ein paar Tipps mitnehmen. Aber das Green IT-Village ist ganz am Rande der Halle zu finden und da muss man sich schon ein bisschen durchfragen, damit man da wirklich hinkommt. Also der Slogan "grüne Informationstechnologie" ist tatsächlich eines der beherrschenden Themen auf dem Messegelände, aber es ist ein Thema, dass so ein wenig Medienhype und große Versprechungen signalisiert. Viele Hersteller vom Anbieter von Laptops bis zum Einrichter von Rechenzentren haben sich Green-IT auf die Fahnen geschrieben, ihren Produkten das entsprechende Logo dann auch auf die Blech- oder Plastik-Gehäuse geklebt und damit hat es sich dann dummerweise in vielen Fällen auch schon. Insgesamt ist das Thema Energieeffizienz, ist das Thema umweltschonende Informationstechnologie auf dieser CeBIT vollkommen unzureichend angegangen und präsentiert worden.

Und was hat der Präsentation gefehlt?

Zum einen ist das Thema Stromsparen ein wenig isoliert dargestellt worden, zum anderen fehlen die ganzheitlichen Konzepte für umweltschonende Informationstechnologie. Die konnte man aber durchaus am Rande in Gesprächen mit Experten erfahren. Wenn diese ganzheitlichen Ansätzen und Konzepte umfassend auf der CeBIT gezeigt worden wären, dann hätte die Messe vermutlich einen guten Beitrag zur Green-IT bringen können. So bleibt es eben beim bloßen Slogan. Und das ist schade, wenn man bedenkt, dass immerhin alleine die Rechenzentren dieser Welt soviel Energie verbrauchen, wie alle Flugzeuge dieser Erde in einem Jahr.

Dann werden wir doch etwas konkreter. Wo kann denn Strom gespart und die Umwelt geschont werden?

Das fängt an bei einer besseren und intelligenteren Auslastung der Rechner. Das geht über Konzepte der Rechner-Wärmekopplung und das endet noch längst nicht Entwicklung neuer Gebäudekonzepte. So sind Server beispielsweise durchschnittlich nur zu fünf Prozent ausgelastet, das heißt, 95 Prozent des Stroms werden einfach vergeudet. Da setzt etwa Gerd Breiter vom IBM Forschungslabor an:

Wenn Sie sich vorstellen, dass die Rechner nur zu fünf Prozent ausgelastet sind, wenn Sie dann wissen, wo die Anwendungen laufen und die Möglichkeit haben, diese Anwendungen umzuziehen, dann ziehen Sie halt auf niedrige ausgelastete Rechner Anwendungen und können dann andere Rechner ganz abschalten und damit den Strom komplett einsparen.

Also Ansatzpunkt Nummer eins ist ganz einfach ein besseres Anwendungsmanagement und da geht es dann schlicht darum, dass nur soviel Rechnerkapazitäten zur Verfügung zu stellen wie tatsächlich gebraucht werden. Der Rest der Server wird abgeschaltet und braucht natürlich dann auch keinen Strom. Mit entsprechender Planungssoftware, die hierauf der CeBIT auch auf den Ständen verschiedener Anbieter zu sehen ist, lässt sich das leicht umsetzen. Im Green IT-Village hat man derartige Planungssoftware leider völlig vergeblich gesucht. Ein weiteres Problem ist die Abwärme der Prozessoren. Die werden im laufenden Betrieb ziemlich heiß und diese Abwärme wird benutzt, um damit Büros oder Wohnungen zu heizen. Die ersten Pilotprojekte dazu laufen ganz erfolgreich, waren aber leider auf der CeBIT nicht zu sehen. Da wurde allenfalls ein wenig darüber diskutiert, aber auch diese Diskussion kam etwas kurz. Apropos heiße Prozessoren - deren Kühlung braucht natürlich sehr viel Strom. Hier kann man auf zweierlei Weise Strom sparen. Zum einen, indem nicht mit Luft gekühlt wird, sondern mit Wasser erfolgt. Andreas Bieswanger aus dem IBM Forschungslabor erklärte den Vorteil:

Wenn man sich die physikalischen Eigenschaften von Luft und Wasser ansieht, dann ist es genau so, dass man mit Wasser sehr viel effizienter kühlen kann. Das hat den weiteren Vorteil, dass man mit Wasser auch sehr viel punktgenauer kühlen kann. Das heißt, ich komme nicht in die Situation, dass sich Teilbereiche meines Rechenzentrums zu stark kühle, damit potentiell Geld zum Fenster hinaus schmeiße, und durch die unterschiedlichen Wärmeaufnahmekoeffizienten von Wasser kann ich eben die einzelnen Teilbereiche eines Servers sehr viel effizienter und exakter kühlen.

Es ist ganz einfach: Vermeide ich, dass die Prozessoren heiß werden, brauche ich sie eben nicht zu kühlen. Und vermeiden lässt sich das in Rechenzentren, in denen die Temperatur aller Prozessoren eben ständig kontrolliert wird und neue Rechenaufgaben dann auf die Server geschickt werden, die kalt sind. Heizen die sich dann im Lauf ihrer Arbeit auf, dann ziehen die Programme im laufenden Betrieb einfach wieder auf einen anderen, kalten Server um, wenn eine bestimmte kritische Temperatur erreicht ist. Was hier in Hannover auch viel zu kurz gekommen ist, ist dann die Verbindung zur Gebäudeautomation. Mit der Wärme aus Rechenzentren kann man andere Gebäude heizen, mit Wasserkühlungskreisläufen Warmwasser aufbereiten - alle diese Ansätze werden in Pilotprojekten auch schon ausprobiert, aber auf der CeBIT sind sie unterrepräsentiert und man sucht hier leider vergeblich Anschauungsbeispiele.

Ein anderes Anschauungsbeispiel, jedenfalls dafür, wo viel Energie durch IT verbraucht wird, das ist Second Life: Viel Strom haben nämlich auch die Server mit den Anwendungen für das Leben in der virtuellen Realität verbraucht. Um das Leben in dieser virtuellen Welt ist es ein wenig still geworden, aber auf der CeBIT sind in diesem Jahr die Konsequenzen für die Unternehmenskommunikation auch zu beobachten gewesen. Second Life hat sich in die Unternehmen ein Stück weit verlagert. Peter Welchering, wie virtuell sind denn Unternehmen geworden?

Naja, Netzwerke von Freiberuflern, die zusammen an größeren Projekten arbeiten und dann etwa als virtuelles Unternehmen auftreten, gibt es ja nicht nur bei Programmierern und Softwareentwicklern, sondern z.B. auch in der Werbung oder in der Buchhaltung. Die gibt es in sehr vielen Bereichen. Bei größeren Unternehmen ist insofern virtualisiert worden, als bestimmte personalintensive Bereiche wie etwa Buchhaltung häufig in Billiglohnländer ausgelagert wurden. Und die Zusammenarbeit beispielsweise der Einkäufer in der Zentrale in Deutschland mit der Buchhaltung etwa in Indien läuft dann eben virtuell über das Internet. Und so sind Besprechungen via Internet, Seminare im Netz oder Abteilungsmeetings mit Mitarbeitern, die in den USA, in Europa oder Japan setzen, zu einem ganz wesentlichen Einsparfaktor der Unternehmen geworden. Dafür wird Software, wird Infrastruktur benötigt - und die Infrastruktur, die einst für das virtuelle Leben in Second Life entwickelt wurde, wird hier auf der CeBIT für Webmeetings, für Net-Seminare oder auch für Internetbesprechungen gezeigt. Das sind echte Weiterentwicklungen der Second Life-Software, die allerdings noch an Grenzen stoßen. Eine Grenze, so sagt Andreas Herrmann von der Netviewer-AG, ist eben die Leitungskapazität:

Der begrenzende Faktor ist natürlich Bandbreite im Moment noch, denn ich könnte mein Videobild jetzt schon so übertragen, dass es fast aussieht wie ich in echt. Das bekäme man technisch schon hin, die Bandbreite verhindert es noch, aber die wächst ja auch exponentiell in Riesenschritten. Das heißt, wir werden schon in relativ kurzer Zeit dahin kommen, dass man sich wirklich in Echtzeit im Bild über das Internet präsentieren kann. Dinge wie Second Life stehen stellvertretend dafür, dass man Strukturen, die es im richtigen Leben gibt, einfach auf Computer überträgt, und das wird sicherlich weiter zunehmen.

Und hier sagen Marktforscher einen riesigen Bedarf an Bandbreite für die nächsten sieben Jahre voraus. Skeptiker warnen sogar davor, dass solche Anwendungen für virtuelle Unternehmen und die Kollaboration im Internet zum riesigen Datenstau im Netz führen könnten. Dem begegnen die Hersteller solcher Lösungen auf zwei Arten: Sie versuchen zum einen, durch verbesserte Kompressionsverfahren die Datenmenge für solche Anwendungen herunter zu schrauben, und sie versuchen zweitens, was man in der IT-Welt "skalieren" nennt, nämlich die Anpassung der Infrastruktur an die Bedürfnisse der Nutzer. Das heißt ganz konkret, es muss nicht immer der virtuelle Konferenzraum sein, indem man sich im Web trifft, weil dieses Treffen eben viele Gigabytes an Daten erzeugt, dieses Treffen, das kann auch einmal eine Verbindung via Webcam und Sprache via Voice over IP sein. Andreas Herrmann:

Leute können sich gegenseitig auf die Bildschirme schauen, können sich auch per Webcam gegenseitig sehen, können auch über den Computer miteinander sprechen beziehungsweise telefonieren.

Und dafür braucht man nur einen Browser, einen DSL Anschluss und gar keine großartige Server-Infrastruktur. Für einfache Besprechungen reicht das. Für aufwändigere Veranstaltungen sind wir allerdings weiterhin auf die Nachfolger des Second Life für die virtuellen Unternehmen angewiesen.

Und diese Nachfolger des Second Life sind wahre Bandbreitenfresser. Das Internet der Gegenwart kommt mit denen gar nicht mehr so richtig zurecht, der Kollaps des Internets wird da schon prophezeit. Was muss man tun, wie muss man das Internet verändern, damit solche Situationen auch vernünftig übertragen werden können?

Das Problem ist, das Internet hat eine typisch deutsche Eigenschaft, es will zu perfekt sein. Alle Dateien, die über das Internet geschickt werden, werden in viele Datenpäckchen aufgeteilt, und bei jedem Päckchen, was losgeschickt wird, fragt dann der Sender den Empfänger, ob es denn auch angekommen ist. Das kostet natürlich sowohl Bandbreite als auch Zeit. Wenn ich einen Videostream habe, kann ich das genau nicht mehr machen. Und hier muss das Internet lernen, damit zu leben, dass es eben nicht jedes Päckchen nachfragen kann, dass es auch einmal damit leben muss, dass einfach Aussetzer da sind.

Und was heißt das 'damit leben'? Würde das bedeuten, wenn ich mir jetzt eine Werbebotschaft anschaue, dann können auch einmal Päckchen verloren gehen, weil Werbung ist nicht so wichtig?

Das muss man vorher definieren. Es gibt natürlich eine Obergrenze, wie viele Päckchen verloren gehen können. Das kann man statistisch ermitteln. Da gibt es auch inzwischen Untersuchungen, bei denen Leute gefragt wurden, die sich Videos angeschaut haben, wo ist denn so eure Grenze, ab wann ist dieses Video einfach blöde? Und dann haben die gesagt 'das es noch ok', oder bei einem anderen Video 'nö, das mag ich jetzt nicht mehr so gerne sehen'. Und dann hat man eben einfach ein statistisches Modell erstellt und damit hat man dann angefangen, zu berechnen, wie viele Päckchen können denn verloren gehen, eher nachgefragt werden muss, dass beispielsweise ein neues Päckchen angefordert werden muss.

Das ist ja eine Lösung, die ja auch z.B. von der Universität des Saarlandes gezeigt wird. Man muss dann also im Internet auf Protokollebene etwas verändern. Kann man so ein Protokoll jetzt da einfach im Internet vorschreiben und sagen 'das ist die Superlösung, die machen wir jetzt alle'?

Das muss natürlich durch viele Gremien durch. Das Internetprotokoll kann man nicht einfach ändern und umbiegen. Aber was die Forscher von der Universität des Saarlandes zeigen, was die Nachrichtentechniker mitgebracht haben, das ist ein Protokoll, das zwei Dinge miteinander kombiniert, nämlich den Perfektionsdrang das Internets, der ein bisschen abgebremst wird, und was wir eigentlich so aus dem Rundfunk kennen, Wenn da einmal ein bisschen knarzt im UKW, dann ist das auch nicht gleich das Ende aller Tage. Diese beiden Dinge werden kombiniert, und dann wird dann immer geschaut, wann ist denn welches Modell besser geeignet um so eine Übertragung zu machen, etwa eine Konferenz im Internet oder ein Video. Und dieses Protokoll steht jetzt so am Rande, dass es eingesetzt werden könnte. Das könnte dann so etwas werden wie etwa Middleware, das heißt, das Protokoll kann einfach aufgelegt werden auf das übliche Internetprotokoll und dann können solche Anwendungen wie beispielsweise ein Webconferencing-Tool oder ähnliches damit arbeiten und statt des normalen Internetprotokolls dieses Protokoll benutzen.

Herzlichen Dank, Peter Welchering. Jetzt werden wir thematisch jedenfalls einen Sprung machen und dabei gleichzeitig auch sportlich sein. Es geht auch um Energie, wir werden uns wieder den Kollegen Gerd Pasch in Halle 9 widmen. Der Kollege hat mir verraten, dass er sich auf ein Trimmrad hat schwingen müssen, um dort künstliche Gefühle aus dem Computer erleben zu können. Herr Pasch, wie steht es denn um Ihre Gefühlslage?

Naja, es ist ziemlich anstrengend hier am Main-Ufer entlang zu radeln. Das Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik hat hier einen Heimtrainer aufgestellt, das ist aber eben nicht nur so ein Fahrrad, sondern vor mir ist auch ein großer Bildschirm aufgestellt. Der bildet ab, was sich tatsächlich in Realität in Frankfurt am Main befindet, das ist ein Radweg am Ufer, auf dem fahre ich jetzt entlang. Und ich habe tatsächlich auch noch eine Sauerstoffmaske auf, die ist nicht dafür dar, dass die Abgase und der Feinstaub von mir ferngehalten wird, sondern wozu die gut ist, erklärt uns Ivor Haulsen, der beim Fraunhofer-Institut für interaktive Systeme zuständig ist. Was passiert denn eigentlich hier? Wenn ich hier rieche, dann ist das so ein richtig frischer Duft, der eigentlich nicht so richtig zu dem Bild passt? Welche Funktion hat die Maske?

Den Sauerstoff kann man abmagern gegenüber der normalen Konzentration, oder mehr Sauerstoff hinein geben. Wenn man das abmagert, dann ist das eine Art von Höhentraining. Das heißt, wir haben das so eingestellt, dass man sich in 2000 Meter Höhe befindet und da eine ähnliche Luft atmet.

Da kommt man schon ganz schön aus der Puste, wenn nicht genügend Sauerstoff da ist. So etwas kann man simulieren und das eben Zuhause ebenerdig. Das Ganze ist Teil eines Systems, warum so konstruiert?

Wir haben hier ein Gesamtsystem gebaut, mit dem wir eine spezielle Trainingssituation nachbilden können. Normale Trainer sind mit einem kleinen Bildschirm ausgestattet, wo man durch verschiedene Welten fahren kann. Wir haben hier einmal einen großen Bildschirm aufgebaut, wir haben eine Duftkomponente, die wir einspielen können, und wir haben diese spezielle Trainingskomponente. Und dann können wir auch noch per Atemgassensoren bestimmte Werte der Atemluft aufnehmen und darauf eine individuelle Trainingssituation herstellen.

Hier werden Körperbewegungen, Bilder, dürfte miteinander kombiniert. Welche Herausforderungen haben Sie denn zu bestehen gehabt, um das alles zusammenzubringen?

Die Herausforderung ist es, die verschiedenen Komponenten miteinander stimmig zu machen. Man muss entsprechende Inhalte auszuwählen und produzieren, man muss auf diese Projektionsfläche projizieren und dabei die Bilder entsprechend endzerren und überblenden. Man muss die Steuerung des Fahrrades entsprechend einbinden, dass wirklich beim schnelleren Fahren der Eindruck entsteht, dass an einem wie in der Wirklichkeit die Bilder an einem vorbei sausen.

Gerd Pasch, wie sieht denn diese Projektionswand aus Ich kann mir das noch nicht so richtig vorstellen, wie dieser Heimtrainer dort aufgebaut ist.

Im Grunde genommen gibt es hier eine Fläche von etwa einem Meter Höhe und drei Metern Breite. Aber diese drei Meter sind nicht wie ein Flachbildschirm platt an der Wand, sondern in einer geschwungenen Form so aufgebaut, dass ich auch nach rechts oder links schauen kann und immer noch in der Szene bin, so wie ich es auch machen würde, wenn ich mit dem Fahrrad am Main entlangfahren würde. Dieser Trainer ist kombiniert, ich muss also wirklich treten und dann fahre ich auch schneller und dann rauschen an mir die Bäume und die Parkbänke auch tatsächlich schneller vorbei. Dann kann ich die entsprechenden Hindernisse auch sehen und muss dann mich anstrengen oder bremsen. Alle diese Funktionen, die ich real machen würde, sind hier abgebildet.

CeBIT 2008


 
 

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