Rechenleistung ganz nach Maß, das ist der Traum vieler großer und kleiner Unternehmen. Diesen Traum Realität werden lassen wollen Informatiker mit dem Konzept des Cloud-Computing - variablen Wolken aus Rechnern.
Rechenleistung in fast beliebigen Dimensionen für jedermann. Vorausgesetzt natürlich, er bezahlt dafür. So fasst Stefan Tai, Direktor am Forschungszentrum Informatik bei der Veranstaltung FZI im Dialog in Karlsruhe diese Woche das Konzept des Cloud Computing zusammen. Der Benutzer bezieht die Computerleistung, die er braucht, ähnlich wie Strom aus der Steckdose. Wo genau seine Anwendung läuft, bleibt ihm in einer "Rechnerwolke" verborgen. Cloud Computing ist aber mehr als der Zugriff auf fremde Ressourcen. Zum einen kombiniert es unterschiedliche Technologien wie Virtualisierung, Grid-Computing und Software, die sich online als Dienst nutzen lässt. Das sei aber nicht alles, so Tai.
Im Cloud Computing kommen neben den technischen Aspekten, die bereits vorhanden sind, Geschäftsmodelle dazu, kommt ein Utility-Modell hinzu und ein aktiver Markt von Anbietern. Eine ganze Community entwickelt sich um Cloud Computing herum und dieses Angebot, das ist neu, das ist das, was Cloud Computing so attraktiv macht.
Große IT-Konzerne wie IBM oder HP steigen ein, aber auch Unternehmen die eigene Rechnerparks besitzen haben den potentiellen Nutzen erkannt, erklärt Tai:
Es gibt eine Reihe von großen Firmen, die sind aktiv im Cloud Computing. Iinsbesondere gehören dazu Amazon und Google, aber auch die klassischen Player wie IBM und HP beispielsweise. IBM hat sicherlich hier ein großen Knowhow-Vorsprung und kollaboriert mit Google. IBM verfolgt allerdings eine andere Strategie. IBM wird eher eine Infrastruktur entwickeln für eine Cloud, die dann an Großunternehmen verkauft wird, so dass die Großunternehmen dies anbieten können. Dagegen bietet Amazon eine Cloud-Infrastruktur an, die kommerziell für jeden offen ist. Googles Modell ist nicht ganz so offen und stellt dagegen eher eine vordefinierte Laufzeitumgebung zur Verfügung, aber auch die bietet Skalierbarkeit in neuen Größenordnungen wie man sie bisher nicht kannte.
Google öffnet seine Rechnerparks seit kurzem für externe Anwendungen, so Googles Cloud-Experte Patrick Chanezon:
Viele Google-Produkte basieren auf Cloud Computing, das wir intern entwickelt haben, da wir sehr viele Rechenzentren betreiben. Die meisten unserer Anwendungen sind gehostet. Mit der Google App-Engine geben wir einige Teile der Infrastruktur, die wir benutzen, frei. Dazu gehören Google File System oder Big Table. Andere Entwickler können darauf zugreifen, wenn sie die Programmiersprache Python verwenden. Unser Team arbeitet daran, dass das auch noch mit anderen Sprachen funktioniert. Die ersten fünf Millionen Seitenaufrufe sind frei, dann wird per Nutzung abgerechnet.
Ein Beispiel für die Nutzung einer solchen Rechenwolke: Die New York Times wollte ihr Zeitungsarchiv von 50 Millionen Dokumenten im Datenformat PDF erfassen, um sie einfacher zum Download bereitstellen zu können. Dazu hat der Konzern für kurze Zeit die notwendige Rechenleistung bei einem Cloud-Anbieter zusammengezogen. Auch Softwareanbieter, die ihre Produkte online anbieten wollen, müssen dazu nicht mehr selbst Infrastrukturen aufbauen, sondern können diese schnell und skalierbar beziehen. Auch soziale Netzwerke haben das Bedürfnis nach einer enorm hohen Skalierbarkeit, ergänzt FZI-Direktor Tai. Soziale Netzwerke sind kommerzielle oder nicht kommerzielle Plattformen zum Austausch von Informationen oder Daten. Die können der Kontaktpflege dienen wie die Business-Kontaktbörse Xing oder die Studentenplattform StudiVZ. Die Entwicklung dieser Netzwerke soll, so Patrick Chanezon in Karlsruhe, durch Projekte wie Open Social an Fahrt gewinnen. Der Grundgedanke von Open Social ist es, standardisierte Programmierschnittstellen für soziale Netzwerke zu entwickeln. Unterstützt wird Open Social unter anderem von Myspace und Yahoo, aus Deutschland seien StudiVZ und Xing mit dabei, so Chanezon. Facebook und Microsoft sind nicht mit an Bord. Der Nutzen der Schnittstelle: Wenn ein Entwickler Anwendungen schreibt für Googles Community Orkut, dann sollen diese auch bei Myspace oder Xing funktionieren und umgekehrt. Allerdings, so betont Chanezon, gehe es nur um ein gemeinsames Programmiermodell, nicht um ein gemeinsames Projekt der Netzwerke. Das würde auch sicherlich zumindest in Europa sofort die Datenschützer misstrauisch machen, da es Möglichkeiten eröffnen könnte, plattformübergreifende Nutzerprofile zu erstellen.
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