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22.11.2008
Eine einheitliche Rufnummer soll Bürgern die Orientierung im Verwaltungsdschungel erleichtern. (Bild: AP) Eine einheitliche Rufnummer soll Bürgern die Orientierung im Verwaltungsdschungel erleichtern. (Bild: AP)

Gipfel-Treffen

Was vom 3. IT-Gipfel der Kanzlerin für die Industrie wirklich wichtig ist

Von Pia Grund-Ludwig

Zum dritten Mal trafen sich Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zum IT-Stelldichein in Darmstadt. Drei große Themenkreise standen auf der Agenda: Breitband, Grüne IT und Sichere Identitäten.

Von Krisenstimmung war auf dem IT-Gipfel in Darmstadt nicht viel zu merken. So stellte Professor August-Wilhelm Scheer, Chef des Branchenverbands Bitkom Zahlen einer aktuellen Umfrage vor. Zwischen 70 und 80 Prozent der Unternehmen spürten noch keine gravierenden Auswirkungen der Krise, sagte er. Außerdem könnten Hightech-Projekte in schwierigen Zeiten die gesamte Wirtschaft voranbringen, so Scheer. Impulse sollen unter anderem der Ausbau einer gemeinsamen Behördennummer, Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur sowie konkrete Anwendungen des Forschungsverbunds Theseus bringen. Grundidee der einheitlichen Behördennummer ist es, dass Bürger künftig unter der einheitlichen Telefonnummer 115 alle Informationen bekommen, die sie von Behörden brauchen. Servicezentren von Bund, Ländern und Kommunen sollen dazu miteinander vernetzt werden. Aus einer Testphase gibt es erste Erfahrungen, im nächsten Jahr sollen Pilotprojekte starten. Die Bürger bekommen dann nicht nur Informationen aus einer Hand, sie bekommen sie auch schnell, verspricht Horst Westerfeld. Er ist in der hessischen Landesregierung für E-Government zuständig:

Was neu ist, ist ein Serviceversprechen mit den einheitlichen Öffnungszeiten, mit dem Anrufrahmen, dass man innerhalb von 30 Sekunden in 75 Prozent der Fälle eine Auskunft bekommen kann.

Um diese rasanten Antwortzeiten zu erreichen, entsteht im Vorfeld eine Wissensdatenbank. Darin wird anhand der bisherigen Erfahrungen festgehalten, was die Bürger bei ihren Anfragen wissen wollten und entsprechende Antworten vorbereitet. 2009 geht es in die Pilotphase, dann erfolgt nach und nach der flächendeckende Ausbau. Debatten gab es auf dem IT-Gipfel um die Zukunft der Regulierung im Telekommunikationsbereich. Telekom-Chef René Obermann freute sich dabei diebisch über die Aussage von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, dass die Versteigerung der UMTS-Frequenzen dem Staat willkommene Milliarden für den Haushalt gebracht habe. Die könne man nun ja zurückgeben, lautete Obermanns Replik. Zugeständnisse forderte er insbesondere bei der Regulierung der Entgelte. Das könnte die Kunden direkt treffen. Preisregulierung wie beispielsweise die Deckelung von Roaming-Gebühren im Mobilfunk verhindert, dass den Kunden das Fell über die Ohren gezogen wird. Das verhindere aber, dass die Unternehmen in den notwendigen Netzausbau investieren, so Obermann.

Wir brauchen eine Entgeltregulierung, die nicht mehr Geld aus dem Markt nimmt, Stichwort Mobilfunk, das schädigt sie alle, sondern eine Regulierung, die Renditen langfristig absichert.

Das richtete er als deutliche Forderung an die anwesende Politprominenz. Die von der EU betriebene Überregulierung sei eine Investitionsbremse. Die Bundeskanzlerin hat den Ball aufgegriffen und Verständnis signalisiert. Es könne aus ihrer Sicht durchaus Regulierungspausen geben:

Ich will nicht gleich von Regulatory Holidays sprechen, das hört sich doch ziemlich dramatisch an, es müssen ja auch nicht gleich die Sommerferien sein, sondern können vielleicht auch paar Brückentage sein.

Man solle die Investoren belohnen für ihren Mut, so die Kanzlerin. Die Zukunft der Netze und deren Regulierung sollen deshalb auch Thema der Gespräche zur Vorbereitung des EU Ratstreffens sein. Lobende Worte fand die Bundeskanzlerin auf dem IT-Gipfel für das Verbundprojekt Theseus. Das solle dazu beitragen, dass die Stärken deutscher und europäischer Unternehmen in der Wissensanalyse und semantischen Aufbereitung von Inhalten zum Tragen kommen. Wie das aussehen könnte war in Darmstadt zu sehen. Nun sei sie von Theseus fast überzeugt, so Merkel. Argumente dafür hat der Kanzlerin SAP-Chef Henning Kagermann geliefert.

Herr Kagermann ist permanent dabei, mich von der Sinnhaftigkeit des Projekts zu überzeugen, und ich würde sagen, Sie haben es so gut wie geschafft.

Gesehen hat die Kanzlerin in Darmstadt Beispiele für konkrete Dienste. Eines war eine Plattform für die Medizin, in der Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt werden. Das könnte Angela Merkel überzeugt haben, so SAP-Chef Kagermann.

Heute war ich in der Lage, ihr zwei Dinge zu zeigen, zum einen, dass alle diese Beispiele hier mit Theseus zu tun haben. Zum zweiten habe ihr gesagt, dass wir Anfang nächsten Jahres ein erstes Joint Venture mit Nokia gründen, wo einer der Dienste auf der Plattform Theseus angeboten wird. Als letztes gibt es noch ein großes Projekt E-Energy, wo es darum geht, dass das Ziel der Bundeskanzlerin Klimaschutz durch effizientere Energienutzung zu unterstützen und auch dabei spielt Theseus eine Rolle.


 
 

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