Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
20.12.2008
Wenn eines Tages auf das neue Internetprotokoll umgeschaltet wird, werden Surfer davon kaum etwas merken, meinen Experten. (Bild: AP) Wenn eines Tages auf das neue Internetprotokoll umgeschaltet wird, werden Surfer davon kaum etwas merken, meinen Experten. (Bild: AP)

Adressmangel in Sicht

Das neue Internet-Adress-System IPv6 lässt auf sich warten

Von Holger Bruns

Gemessen an der rasanten Entwicklung des weltweiten Datennetzes ist IPv6 eine Erfindung aus der Steinzeit: Seit über zehn Jahren schon arbeitet die Internet Engineering Task Force am neuen Internet Protokoll Version Sechs. Denn die rund viereinhalb Milliarden möglichen Adressen des alten Internet Protokolls vier reichen bald nicht mehr aus, wenn jedes Netzwerk-Gerät eine eigene Internet-Adresse bekommen soll.

Genaugenommen ist das neue Internetprotokoll IPv6 mit dem schier unerschöpflichen Vorrat von IP-Adressen ein alter Hut aus der Computersteinzeit, den man bis heute weitgehend ignoriert und nur dann einsetzt, wenn es aus technischen Gründen einfach gar nicht mehr anders geht. 580 Millionen immer noch freier IPv4-Adressen sind ja noch zu vergeben. Also lassen sich die Provider mit IPv6 gemütlich viel Zeit. Das sagt Carsten Bormann, Professor für Informatik an der Bremer Universität.

Wir haben jetzt gerade den zehnten Geburtstag von IPv6 gefeiert. Vor ziemlich genau zehn Jahren ist der Standard, nach dem wir heute arbeiten, veröffentlicht worden. Aber es ist eben in der Dienstleistung noch nicht drin.

Carsten Bormann arbeitet der Internet Engineering Task Force zu und kennt die Probleme mit IPv6 aus erster Hand. Technisch ist IPv6 seit langem ausgereift und auch unter den gängigen Betriebssystemen für Personal Computer verfügbar.

IPv6 ist ja unsere Versicherung für den Zeitpunkt, wenn die IPv4-Adressen alle sind. Es gibt 3,7 Milliarden IPv4-Adressen. Es gibt 6,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Also, da sieht man schon, dass wir da irgendwann mal ein Problem haben werden und feststellen, dass wir voraussichtlich im Oktober 2011 keine freien Adressen mehr haben.

Bereits in den nächsten Jahren werden die verfügbaren IPv4-Adressen so knapp, dass man sie sogar versteigern wird. Das sagt der Verband der deutschen Internetwirtschaft ECO.

Man muss sich vorstellen, das Internet ist ja ein Sammelsurium von mehreren tausend Einzelnetzen. Und wenn nicht gewährleistet ist, das innerhalb dieser tausend Netze an den Schnittstellen und innen drin alles auf IPv6 eingerichtet ist, dann lässt sich auch nicht der Verkehr problemlos über IPv6 abwickeln.

Sagt Harald Summa, der Geschäftsführer vom ECO-Verband und bemängelt die technische Infrastruktur.

In den einzelnen Netzen gibt es noch ganz viele Komponenten, die nicht IPv6-fähig sind, und die halt entsprechend noch umgerüstet werden können, um in die breite Nutzung zu gehen.

Das betrifft vor allem die Unzahl von Routern, die bei den Kunden stehen und von den Providern verbilligt oder sogar kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Diese Router verstehen das neue Internetprotokoll meist nicht. Das kann sich jedoch bald ändern, hofft Harald Summa.

Da wird irgendwann mal ein Großer anfangen und dann, glaube ich, werden die Kleinen nachziehen.

Damit wird es keine Umschaltung geben, die von einem Tag auf den nächsten das gewohnte Internetprotokoll IPv4 zum Verschwinden bringt. Wir erleben vielmehr einen schleichenden Wechsel zum neuen Protokoll IPv6, sagt Carsten Bormann.

Die Netzbetreiber müssen die Netze natürlich so konfigurieren, dass es auch tatsächlich funktioniert. Und das ist eben einfach nicht passiert, denn es gibt ja im Moment gar keinen Grund, Netze IPv6-fähig zu machen, solange wir noch diese zwei, drei Jahre genug IPv4-Adressen haben, gibt es ja gar kein Problem.

IPv6 bietet gegenüber IPv4 nicht nur den Vorteil eines größeren Adressraumes. Es ist einfacher zu handhaben, braucht deshalb weniger Rechenzeit in den Routern und ermöglicht den Verzicht auf viele technische Klimmzüge wie die Einrichtung lokaler Adressen in Heim- und Firmennetzen.

Es gibt auch bereits einzelne Provider, die das Problem haben, dass sie für ihre internen Management-Netze nicht genug IPv4-Adressen mehr bekommen. Also Comcast zum Beispiel, der größte amerikanische Kabelnetzbetreiber, hat seine Management-Infrastruktur bereits auf IPv6 umgestellt, um einfach mehr IPv4-Adressen für andere Zwecke verfügbar zu haben.

IPv6-Netze existieren. Forschungseinrichtungen und sogar Universitäten sind zum Teil nur noch über IPv6 zu erreichen, sagt Carsten Bormann. Auch populäre Content-Provider proben den Wechsel.

Google beispielsweise hat im März eine IPv6-Infrastruktur in Betrieb genommen. Man kann also heute über IPv6 auf Google zugreifen und in diesen nächsten zwei, drei Jahren, wenn also das Problem einfach immer sichtbarer wird, weil es einfach näher rückt, werden zunehmend auch Content-Provider anfangen, ihre Informationen über IPv6 verfügbar zu machen.

Beherrscht der PC beide Internetprotokolle, gibt man wie gewohnt die Adresse der gewünschten Webseite im Browser ein und erhält sie angezeigt, unabhängig davon, ob IPv6 oder IPv4 benutzt wird. Für den Surfer ändert sich also nichts.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 23:05 Uhr
Lange Nacht
Nächste Sendung: 00:00 Uhr
Nachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Computer und Kommunikation

Sternzeit 11. Februar 2012

Sendezeit: 11.02.2012, 16:57

Das Digitale Logbuch - Wasserspiele

Sendezeit: 11.02.2012, 16:50

Auf dem Orbit abgehört

Sendezeit: 11.02.2012, 16:45

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link