Betriebssysteme.- Suchmaschinen-Gigant Google will nun auch den Markt der Betriebssysteme aufmischen. Am linux-basierten System "Chrome OS" wird bereits gearbeitet. Welche Chancen das neue System haben könnte, diskutiert Manfred Kloiber mit Jan Rähm.
Kloiber: Jan Rähm, was ist das Besondere an "Chrome OS"?
Rähm: Das Besondere an "Chrome OS" ist, es ist ein sehr sehr schlankes Betriebssystem, das fast nur noch den Linux Kernel einsetzt, der ist so optimiert, dass das Betriebssystem in Sekundenbruchteilen startbereit sein soll. Hinzu kommt ein ganz kleiner schlanker Fenster-Manager, der dann ausschließlich den Browser Chrome lädt. Die Anwendungen sind im Internet. Sie werden über den Chrome-Browser auf den eigenen Rechner geholt. Die Daten, die dann gespeichert werden sollen, werden auch nicht mehr lokal gespeichert, sondern werden im Netz auf sogenanntem Webspace abgelegt.
Kloiber: Damit bindet natürlich Google die Nutzer dieses Betriebssystems sehr stark an seine Dienste. Auch an seinen Webspace zum Beispiel, der dann ja angeboten wird.
Rähm: Das ist korrekt. Es gibt aber auch Alternativen. Es ist ja nicht ausschließlich so, dass "Google Chrome" nur Google-Dienste lädt. Es gibt auch andere Anbieter von ersten Web-Anwendungen, einer davon ist zum Beispiel Adobe. Die haben eine eigene Plattform, auch ein Bürosuite, im Netz stehen wie auch eine kleine Bildbearbeitung. Und die können dann auch entsprechend geladen werden.
Kloiber: Für welche Art von Rechnern ist denn "Chrome-OS" gedacht?
Rähm: "Chrome-OS" soll seine Heimat auf den sogenannten Netbooks finden. Die kleinen, leichten, mobilen Notebooks. Es wird aber sicher auch den Weg auf die normalen Desktops finden. Und wenn einmal der eigene Rechner nicht zur Verfügung steht, dann zeigt sich ein Vorteil von solchen Online-Systemen, denn der Benutzer kann auf seine Daten als auch auf seine Programme immer dann zugreifen, wenn er einen Rechner mit Browser und Internetzugang hat.
Kloiber: Aber man ist dann eben halt tatsächlich auf diese Netzdienste immer angewiesen.
Rähm: Ja, wenn keine Verbindung zum Internet besteht, dann sind die Chancen sehr sehr schlecht, auf seine Daten zugreifen zu können. Es gibt zwar schon Techniken wie zum Beispiel Google Gears, das ist ein kleiner Dienst für den Browser Firefox, der synchronisiert die Daten im Internet mit den Daten auf dem eigenen Rechner und sorgt dafür, dass die Daten auch offline zur Verfügung stehen. Aber Google ist auch immer wieder in der Kritik gewesen, dass das Unternehmen auf zu viele Daten von zu vielen Menschen zugreifen kann. Und dass niemand kontrollieren kann, was mit diesen Daten passiert. Das ist ein Kritikpunkt, den muss sich Google gefallen lassen. Als privates Unternehmen lässt es sich auch nicht kontrollieren. Dann das, was angesprochen wurde: Die Refinanzierung dieses kostenlosen Systems - und es soll kostenlos sein, das hat Google bereits gesagt - wird sicherlich über Werbung wieder geschehen. Die könnte zum Beispiel auf dem Desktop eingeblendet werden. Ob man das möchte oder ob man das nicht möchte, wird man wahrscheinlich dann nicht mehr steuern können. Wer da zuviel bedenken hat, für den gibt es auch schon Alternativen. In der Open-Source-Community gibt es ein Projekt das heißt "Xenon". Das verwendet genau den gleichen Ansatz. Das ist ein ganz ganz schmales Linux, das im Endeffekt nur einen Browser lädt. Oder, es gibt noch zwei andere Varianten: Das eine heißt "Jolly Cloud", das andere ist "Moblin". Hinter "Moblin" steht der Chiphersteller Intel. Das sind vollwertige, ganz schnelle Betriebssysteme, die eine hohe Integration von Online-Diensten aufweisen.
Kloiber: Das ist ja diametral etwas anderes als was Microsoft, der größte Konkurrent, mit seinem Betriebssystem Vista oder Windows 7, dem Nachfolger, betreibt. Hat denn ein Betriebssystem, das so abgespeckt ist und sich so auf das Netz verlässt, wirklich Chancen?
Rähm: Was ich immer wider im Internet sehe und auch lese, in Foren oder in Blogs, ja, es hat Chancen. Es gibt viele Nutzer, die leben sowieso schon den größten Teil ihrer Zeit im Internet. Das heißt, sie sind eh immer online. Sei es über die normale DSL-Leitung zu Hause oder über mobile Internet-Zugänge wie UMTS. Und diese Nutzer die freuen sich schon sehr auf diese schmalen Betriebssysteme, weil der Vorteil ist einfach da. Sie drücken auf den Startknopf und das System ist innerhalb von nur zwei bis drei Sekunden fertig betriebsbereit geladen. Sie brauchen sich nur noch anmelden und können arbeiten. Aber die alten Offline-Betriebssysteme werden deswegen bestimmt nicht verschwinden. Es gibt genug Leute, die sagen: "Ich möchte meine Daten da haben, wo ich bin und nicht irgendwo im Netz verteilt."
Kloiber: Nun ist das ja alles bislang noch ein Papier-Tiger. Google hat lediglich angekündigt, dieses Betriebssystem herauszubringen. Gibt es einen Zeitplan?
Rähm: Ja, im Spätsommer, Frühherbst dieses Jahres sollen erste Versionen für die Anwender sichtbar sein. Ab diesem Zeitpunkt will Google "Google Chrome OS" dann auch wirklich veröffentlichen, als Open-Source. Das heißt, sie möchten durchaus wieder mit Entwicklern aus der freien Community zusammenarbeiten. Im Frühjahr 2010 sollen dann die ersten Geräte vorgestellt werden. Es gibt auch schon Kooperationen zu einigen Geräte-Herstellern. Und ich denke, so im zweiten Quartal 2010 wird es wohl die ersten Geräte zu kaufen geben.
Kloiber: Jan Rähm war das mit Informationen über das neue Betriebssystem "Google Chrome OS". Dankeschön.
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