Luke (Ryan Gosling) & Romina (Eva Mendes) in "The Place Beyond The Pines" (Bild: Studiocanal Filmverleih)
Mit Pornos den Regenwald retten, das wollen die Aktivisten in "Fuck for Forest." Ihr Ziel erreichen sie nicht, der Film ist aber herausragend. Ebenfalls neu im Kino sind die Geschichte eines Toningenieurs, der sich in eigenen Abgründen verliert, und eine verzweigte Vater-Sohn-Beziehung.
Schwarze Handschuhe, viel Blut und Frauen als Opfer eines sadistischen Mörders - daraus bestand der "Giallo"-Thriller der 1960er oder 70er-Jahre. Für die einen übler sexistischer Schund, für Cineasten mit Hang zum Makaber-abseitigen eine vergnügliche Anekdote der italienischen Filmgeschichte. Mutter des "Giallo" waren angeblich nicht nur die Edgar-Wallace-Filme, sondern vor allem Hitchcocks "Psycho".
So liegt es nahe, dass Gilderoy, Hauptfigur in Peter Stricklands Film "Berberian Sound Studio", wie Hitchcocks Norman Bates ein Muttersöhnchen ist. Tobey Jones spielt diesen genial-schüchternen Toningenieur, der Mitte der 1970er-Jahre von einem italienischen Regisseur für die Vertonung eines Horror-, eines "Giallo"-Films angeheuert wird. Von dem Film übrigens sehen wir in diesem Film nichts. Gilderoy hingegen bekommt weit weg von seiner Briefe schreibenden Mutter ein wenig zu viel ab von den blutigen Bildern, und Einzug halten kann, wie es sich für den "Giallo" gehört, der Wahnsinn. Am Ende verläuft sich Peter Stricklands Film "Berberian Sound Studio" in abstrusen Banalitäten, aber seine Verbeugung vorm alten Genre ist doch ein matschig cineastisches Vergnügen. "Berberian Sound Studio" von Peter Strickland - empfehlenswert.
"It's complete mad, but it isn't impossible."
Vollkommen verrückt, aber nicht unmöglich! Verrückt, gut, ja, das ist wohl die Idee von Danny, Tommy, Leona, Natty und Kaajal. Auf ihrer Website "Fuck for Forest" - so auch der Titel von Michal Marczaks Film über diese etwas andere Aktivisten-Gruppe - bieten die Männer und Frauen, alle Anfang 20, Nacktfotos und Amateur-Pornofilme. Wer das sehen will, muss spenden; die Spenden allerdings sollen den Regenwald und das Leben der indigenen Völker retten.
Der Filmemacher Michal Marczak zeigt in "Fuck For Forest" freiheitsliebende Idealisten, die mit ihrer libertären Lebensphilosophie die technisierte Welt des Konsumterrors hinter sich gelassen haben. Dabei hat die Website einiges eingebracht, wie die Erzählerstimme berichtet.
420.000 Euro auf dem Konto, die aber nicht konsumiert werden, sondern für die Rettung des Regenwaldes bereitstehen. Und dann machen sich Danny, Tommy und die anderen auf nach Amazonien. Wenn der erste Teil des Films "Fuck For Forest" wie ein Hippie-Traum schien, fährt im Regenwald die Realität brutal auf die Träumer hernieder. Denn die "Fuck For Forest"-Aktivisten werden mit dem tief sitzenden Misstrauen der indigenen Stammesvertreter konfrontiert. Man glaubt ihnen ihre uneigennützigen Motive nicht. Eine Frau empört sich: Wir wollen euer Geld nicht! Das Aufeinandertreffen der naturidealistischen Freaks aus Berlin und der Naturvölker in Amazonien ist also ein Desaster.
Michal Marczaks Film fasziniert, weil er dabei weder die Träumer und ihre Träume trotz ihres Scheiterns denunziert. Deutlich werden an einem zugegeben exotisch wirkenden Beispiel die Widersprüche unserer Realität, auch der Entwicklungshilfe. Die Vertreter der indigenen Stämme lehnen nämlich das Geldgeschenk der "Fuck For Forest"-Leute ab, zeigen sich aber ungeheuer fasziniert von der Kettensäge, die ihnen der Vertreter am Rande der Versammlung präsentiert. Eine bitterböse, sehr traurige Pointe dieses Films. "Fuck For Forest" von Michal Marczak - herausragend.
Noch ein Traum.
"Du willst doch von hier weg, oder. Dann hauen wir ab. Und wenn es dir irgendwo gefällt, dann bleiben wir da. Und wenn nicht, dann verschwinden wir wieder." - "Klingt wie ein schöner Traum."
Noch ein Traum, der nicht wahr wird: Luke, Stuntman auf dem Jahrmarkt - Ryan Gosling spielt -, trifft Romina wieder - Eva Mendes - und damit sieht er zum ersten Mal seinen Sohn, von dem er nichts wusste. Und da er ein brillanter Motorradfahrer ist, beschafft Luke das Geld für seine neu wieder gefundene Familie mit Banküberfällen. Die eine Vater-Sohn-Geschichte, die Derek Cianfrance in seinem Film "The Place Beyond The Pines" erzählt.
Zu schauspielerischen Höchstleistungen hat der Regisseur dabei nicht nur Ryan Gosling, sondern auch Bradley Cooper getrieben. Der spielt den zweiten Vater dieser Geschichte, einen Polizisten, dessen Wege sich auf tragische Weise mit denen des Bankräubers kreuzen.
Väter und Söhne. Zwei Akte. Und dann, 15 Jahre später, im dritten Akt, begegnen sich die Söhne dieser Männer. Tödliche Verstrickungen kommen zu ihrem Ende. Das Triptychon, das Derek Cianfrance in seinem Film entwirft, erzählt von Schuld und Sühne. Doch eine Bindung zwischen den drei Teilen dieses Films will sich nicht so recht herstellen. Weder ästhetisch noch inhaltlich. "The Place Beyond the Pines" von Derek Cianfrance - akzeptabel.
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Neue Filme 12.06.13
Sendezeit: 12.06.2013 15:19
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