Belgien lässt sich als diffuse Nation im Sprachenclinch beschreiben, die nach 170 Jahren noch immer wie eine Laune des Zufalls wirkt. Doch Belgien wird sich wohl kaum auflösen "wie eine Tablette Aspirin im Wasser", wie es ein flämischer Nationalist vor kurzem prophezeite. Im Mutterland des Surrealismus scheint gerade die medial inszenierte Identitätskrise einen Grundpfeiler der "Belgitude" zu bilden.
In einem Land, das als unbeabsichtigte Folge einer Opernaufführung entstand, gehört selbst die mediale Inszenierung des Untergangs zur Normalität. Als Ende 2006 das wallonische Fernsehen die Abspaltung Flanderns in einer fiktiven Live-Reportage verkündete, schien das vielen Zuschauern trotz des Hinweises, das Folgende sei vielleicht keine Fiktion, nur allzu wahrscheinlich. Am Ende lieferte auch dieses Medienereignis den Belgiern nur einen weiteren Anlass, sich über Belgien gemeinsam uneinig zu sein.
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