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24.01.2009
Der Angriff auf das UN-Hauptquartier in Gazastadt wurde in israelischen Medien kaum thematisiert. (Bild: AP) Der Angriff auf das UN-Hauptquartier in Gazastadt wurde in israelischen Medien kaum thematisiert. (Bild: AP)

Kriegszustimmung hat Konjunktur

Wie Israels Gesellschaft heute zu Gaza steht

Von Bettina Marx

82 Prozent der israelischen Bevölkerung unterstützten die Militäroffensive gegen Gaza. Und auch nach Ende der Kämpfe ist man sich weitgehend einig: Der Feldzug war richtig. Verstärkt wird diese Ansicht durch eine einseitige Berichterstattung. Die Leiden der Palästinenser finden in den israelischen Medien kaum Beachtung.

Kibbuz Kfar Aza, am Rande des Gazastreifens. In einem Lagerhaus werden Kisten gepackt und Paletten beladen. Kleider, Decken, Schuhe und Spielzeug, gespendet von Israelis für die notleidenden Menschen im Gazastreifen.

"Dort gibt es Spielsachen. Viele Leute haben uns das einfach gebracht, und dort sind Babykleider und da Schuhe."

Die Studentin Li Ziv und ihre Freundin Hadas Balas haben die Spendenaktion organisiert, nachdem sie im Fernsehen die Bilder der Verwüstungen gesehen haben. In wenigen Tagen kamen so viele Spenden zusammen, dass die Studentinnen und ihre Helfer sieben Lastwagen beladen konnten. Am Nachmittag bekommen sie per Telefon die erlösende Nachricht: Sie Spenden dürfen die Grenze passieren. Schon morgen sollen sie nach Gaza gebracht werden.

Auf die Frage, warum sie sich entschlossen hat, den Menschen auf der anderen Seite zu helfen, hat Li Ziv eine einfache Antwort:

"Ich sehe nicht die eine oder die andere Seite, ich sehe nur Menschen."

Die Mehrheit der Israelis teilt diese Großherzigkeit nicht. 82 Prozent der Bevölkerung unterstützten die Militäroffensive gegen den Gazastreifen. Und auch nach Ende der Kämpfe ist man sich weitgehend einig: Der Feldzug war richtig. Man hatte keine andere Wahl, denn man musste den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften stoppen.

Gefördert wurde diese Einstellung durch die israelischen Medien. 22 Tage lang berichteten sie praktisch rund um die Uhr über das Geschehen in Südisrael. Das Leid der Menschen im Gazastreifen dagegen fand kaum Beachtung. Der Tod von 40 Zivilisten, die sich vor den israelischen Angriffen in eine UN-Schule geflüchtet hatten, war der größten Zeitung des Landes "Yedioth Acharonoth" noch nicht einmal eine Erwähnung wert.

Abweichende Meinungen will man nicht hören. Zum Beispiel die Meinung von Roby Damelin. Sie hat ihren Sohn bei einem Terroranschlag verloren und gilt damit in Israel als eine Autorität bei der Frage, wie man mit den Palästinensern umgehen soll. Ein paar Tage nach dem Ende der israelischen Militäroperation wird sie im Fernsehen dazu interviewt. Doch sie will lieber über die Israelis sprechen.

"Ich frage mich wirklich, was mit diesem Volk los ist. Geht es hier um Sicherheit oder um Rache? Wo ist unsere Barmherzigkeit?"

Und schon wird sie vom Moderator unterbrochen.

Es ist nicht das, was man in Israel derzeit hören will. Mitleid mit den Palästinensern hat im Moment keine Konjunktur. Roby Damelins kurzer Auftritt im Fernsehen ist damit beendet.

Rami Elhanan hat ähnliches erlebt, auch er ist Vater eines Terroropfers. Seine Tochter wurde vor elf Jahren bei einem Anschlag in Jerusalem ermordet. In der letzten Woche veranstalteten er und andere Angehörige von Terroropfern eine Demonstration für die Opfer des Krieges diesseits und jenseits der Grenze. Doch unversehens fanden sich die Demonstranten in Handschellen vor einer Richterin wieder.

"Das ist ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit. Ein ganzes Volk ist verrückt geworden. Man kann schreien, aber keiner hört zu."

800 Demonstranten gegen den Krieg wurden im Verlauf der Militäroperation verhaftet. Fünf Tage nach Beginn des Waffenstillstands saßen noch immer mehr als 250 in israelischen Gefängnissen.


 
 

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