Das Begehren kommt in dem Moment in die Welt, in welchem der Mensch das Gute vom Bösen zu unterscheiden lernt; denn erst vor dem Hintergrund dieses Wissens konnte Adam sein Weib "erkennen" und Kain und Abel zeugen. Entsprechend schreibt Paulus in den Römerbriefen: "Ich wüsste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht sagte: Du sollst nicht begehren!"
Jahrtausende später wird dieser Zusammenhang zum Grundstein der Philosophie Georges Batailles sowie der psychoanalytischen Theorie Freuds und Lacans: Die Lust, die Sünde, das Begehren gibt es nicht ohne das Verbot. Es bricht als etwas Drittes in die paradiesische, aber ganz und gar pragmatische Zweisamkeit ein und entfacht das Feuer. Zugespitzt hieße das: Die geschlechtliche Liebe kann es nur geben vor dem Hintergrund einer fundamentalen Versagung.
Zu fragen ist auch: Inwiefern ist die Dreiheit "Urgrund, Urbild und Urziel aller Liebe" (René Laurentin) eine 'Dreifaltigkeit', die nicht nur durch Metaphysisches, sondern auch durch einen (imaginierten) Verführer, eine Verführerin gestiftet werden kann? Oder welche Rolle spielt das Kind, das als Rivale auftritt und ungeteilte Aufmerksamkeit und Liebe verlangt?
Religion, Philosophie, Psychoanalyse und Kunst geben Antworten - in einem dreiteiligen Essay von Svenja Flaßpöhler.
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