Der Publizist Sebastian Haffner startete 1978 mit seinem Buch "Anmerkungen zu Hitler" einen ersten größeren Versuch, die Geschichte des Nationalsozialismus zu historisieren. Damit geriet er ins Kreuzfeuer der Kritik. Sie gipfelte seinerzeit in der Einschätzung, Haffner hätte in der Irrationalität des Dritten Reiches Rationales zu sehen versucht.
Ebenso wurde ihm entgegen gehalten, dass ohne die Begriffe Gut und Böse eine Betrachtung der NS-Zeit und ihrer historisch einmaligen Verbrechen nicht möglich wäre. Inzwischen sind aber die Bemühungen einer Historisierung der NS-Geschichte weit gediehen - bis hin zu einer nüchternen Aufarbeitung von Flucht, Vertreibung und Bombennächten. Was bei Haffner noch als moralische Provokation galt, ist mittlerweile zur analytischen Normalität geworden.
Wie sind also heute - 30 Jahre danach - Haffners "Anmerkungen zu Hitler" zu bewerten? Im Gespräch mit Norbert Seitz erläutert der Historiker Götz Aly, worin die Originalität und Wirkung jenes Buches bestehen. Götz Aly wurde einmal in der Wochenzeitung "Die Zeit" als "Streithistoriker" bezeichnet. Diesem Ruf ist er auch mit seiner jüngsten Buchveröffentlichung "Unser Kampf" gerecht geworden, in der er Teilen der 68er Bewegung wesensgleiche Züge zur NS-Studentenschaft nachzuweisen versucht.
Mehr zur Sendung:
Beiträge zum Nachhören
Essay und Diskurs
Antisemitismus (IV)
Sendezeit: 05.02.2012, 09:30
Antisemitismus - Von der Wannsee-Konferenz zum Remer-Prozess, Teil 3, Benz
Sendezeit: 29.01.2012, 09:30
Antisemitismus - Von der Wannseekonferenz zum Remer-Prozess, Teil 2, Götz Aly
Sendezeit: 22.01.2012, 09:30
dradio-Recorder
im Beta-Test: