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07.08.2009
Russische Panzer in der südossetischen Hauptstadt Tschinvali.  (Bild: AP) Russische Panzer in der südossetischen Hauptstadt Tschinvali. (Bild: AP)

Brüchiger Frieden

Jahrestag des russisch-georgischen Krieges um Süd-Ossetien und Abchasien

Von Robert Baag

Im August 2008 bekämpften sich Russland und Georgien um die Regionen Süd-Ossetien und Abchasien. Ein Jahr nach der Auseinandersetzung drohen neue Konflikte.

Einige Tage erst ist es her, da scheint es, als solle sich alles noch einmal wiederholen, als verwandele sich die Demarkationslinie zwischen Rest-Georgien und seiner abtrünnigen Region Süd-Ossetien erneut zur militärischen Hauptkampflinie - so wie vor genau einem Jahr. Südosseten und Georgier beschuldigen sich wechselseitig, die Scharmützel zu provozieren. Russland stellt sich demonstrativ an die Seite seines südossetischen Schützlings. Moskaus Außenamts-Sprecher Nesterenko noch gestern Mittag:

"Ein Jahr nach der georgischen Aggression stehen die Völker des Kaukasus' weiterhin vor vielen Herausforderungen und Problemen. Die Revanche-Politik und die Gefahr eines Rückfalls Georgiens zur Gewaltanwendung zählen in erster Linie dazu. Trotz ihres gescheiterten Abenteuers im vergangenen August sind die Machthaber in Tiflis offenbar nicht bereit, auf Pläne zu verzichten, die - wie sie es formulieren - 'territoriale Einheit Georgiens' gewaltsam wiederherzustellen."

Die georgische Reaktion auf derlei Äußerungen fällt nicht weniger scharf aus. So erst jüngst wieder, als Edvard Kokojty, der sogenannte Präsident der Republik Südossetien - bis heute nur von Moskau und Nicaragua diplomatisch anerkannt - ankündigt, Südossetien mit Nordossetien auf der anderen Seite des Kaukasus wiedervereinen und sich damit der Russischen Föderation anschließen zu wollen:

"Nach dem Augustkrieg 2008 ist das sogenannte Südossetien, der georgische Bezirk Zchinwali, von Russland besetzt worden",

macht seinerseits in Tiflis der Diplomat Aleksandr Nalbandov die Position der georgischen Regierung deutlich.

"Russland kontrolliert heute dieses Territorium und übt dort die wirkliche Macht aus. Jede Stellungnahme von Vertretern des örtlichen Marionetten-Regimes muss als Vertonung russischer Auffassungen bewertet werden. Hier heißt das: Russland begnügt sich nicht mehr mit der Okkupation des georgischen Zchinvali-Bezirks. Jetzt ist schon die Rede davon, sich dieses georgische Gebiet womöglich einzuverleiben."

"Einen 'Anschluss' Südossetiens kann Russland absolut nicht gebrauchen",

ist sich dagegen der Moskauer Publizist Fjodor Lukjanov sicher.

"Das würde nämlich sofort einen ganzen Strauß neuer Probleme mit allen unseren Partnern mit sich bringen - nicht nur mit dem Westen! Niemand würde das anerkennen. Niemand möchte so einen Präzedenzfall."

Die russische Anerkennung Südossetiens und Abchasiens als Folge des Augustkrieges mit Georgien hält ein Großteil der russischen Eliten inzwischen für einen Fehler, auch in wirtschaftlicher Hinsicht - allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Viel Geld für den Wiederaufbau sei dort bereits auf wundersame Weise verschwunden, ätzt so mancher Beobachter gegen das aktuell wieder hochkochende patriotische Pathos in den gelenkten elektronischen Medien Russlands an. //"Herr Kokojty, die südossetische 'Nummer eins'"/, so Lukjanov, sei inzwischen - wie sein Anschlussgerede Beweise - für Moskau wohl doch ein wenig außer Kontrolle geraten.

Auffällig ist zugleich, wie im Kern defensiv die russische Führung am Vorabend dieses ersten Jahrestages zum Kriegsbeginn inzwischen argumentiert - Andrej Nesterenko:

"Um den Frieden und die Sicherheit der Völker Südossetiens und Abchasiens zu gewährleisten, hatten wir keinen anderen Weg, als ihre Unabhängigkeit anzuerkennen. Nur so konnten wir ihnen die freie demokratische Wahl zu staatlicher und nationaler Entwicklung ermöglichen. - Russland hat als erstes Land den Mut gefunden, die objektive Realität anzuerkennen."

Trotz anhaltend gereizter Rhetorik und oft aufreizend demonstrativem Imponiergehabe vereinzelter Politiker, Diplomaten und Militärs bei allen Konfliktparteien - gegenwärtig scheint sich die allgemeine Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass bei einem neuen Krieg nicht nur wieder die Bevölkerung hüben und drüben leiden würde - sondern auch sie selbst eine Menge zu verlieren hätten.

"Die Georgien-Frage", so Russlands Außenminister Sergej Lavrov nach außen selbstsicher, "stört nicht mehr beim Ausbau unserer internationalen Beziehungen." - "Er könnte Recht haben", kamen sofort vereinzelte, ironisch-resignierte Kommentare von diesseits und jenseits des Kaukasus-Hochgebirges.


 
 

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