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11.03.2010
Hamas-Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen von 2005 in Gaza-Stadt (Bild: AP) Hamas-Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen von 2005 in Gaza-Stadt (Bild: AP)

"Ich bin gewohnt, dass man mir mit Mord droht"

Schweden und die Nachwirkungen von Mohammed-Karikaturen

Von Agnes Bührig

Der schwedische Zeichner Lars Vilks stellte 2007 den Propheten Mohammed als Hund dar. Jüngst wurde ein Mordkomplott gegen ihn aufgedeckt. Schweden diskutiert bis heute, ob solche Karikaturen veröffentlicht werden dürfen - wie einst Dänemark.

Die Nachricht von der Festnahme von sieben Terrorverdächtigen in Irland, die Lars Vilks nach dem Leben getrachtet haben sollen, überraschte Schweden am Dienstagnachmittag. Wenige Stunden später wurde bekannt, dass in den USA bereits Anklage gegen eine US-Amerikanerin erhoben worden ist, die sich selbst "Jihad Jane" nennt und ein Mordkomplott gegen den schwedischen Künstler geplant haben soll. Lars Vilks lassen diese Entwicklungen dennoch kalt. Wenn schon so viel berichtet werde, dann sinke das Risiko eines Anschlags, diktierte der schwedische Künstler den versammelten Reportern in diesen Tagen selbstbewusst in die Notizblöcke:

"Ich bin gewohnt, dass man mir mit Mord droht. Es gibt leider schlimme Fanatiker. Ich muss mich in Acht nehmen, Routinen einhalten, öfter mal meinen Wohnsitz wechseln. Aber so ist das mit der Kunst. Es geht nicht um das Objekt an sich, sondern um die Reaktionen darauf."

Schwedische Medienmacher mussten deshalb genau abwägen, ob das kritisierte Bild im Zuge der Berichterstattung über den Mordkomplott wirklich erneut gedruckt werden sollte. Die großen überregionalen Morgenzeitungen entschieden sich schließlich für eine neuerliche Veröffentlichung, genauso wie der Privatsender TV4. Göran Ellung, Programmchef für Aktuelles bei TV4:

"In diesem Fall war es wirklich eine wohlbedachte Veröffentlichung. Wir müssen uns allerdings auch an die Tatsachen halten. Geht es jetzt um Terroristen und ihre Widersacher, dann müssen wir das zeigen. Dann könnten wir daraus nicht mal so eben eine Debatte über die Meinungsfreiheit machen. Denn darum ging es, als die Zeichnungen auftauchten. Allerdings zeigt die Debatte, die das Thema angezettelt hat, dass es hier um wesentlich mehr geht."

Die Diskussion um den sensiblen Umgang mit Themen, die die religiösen Gefühle von Muslimen verletzen könnten, ist - auch in Schweden - noch lange nicht gelöst. Immer noch würden Einwanderer in Schweden auf Unwissenheit und Arroganz treffen, kritisiert die Sozialdemokratin Nalin Pekgul, die im kurdischen Teil der Türkei geboren ist.

"Wir sprechen hier über eine Minderheit in Schweden, die jeden Tag als Terroristen bezeichnet wird, und bereits am Boden liegt. Das öffnet Tür und Tor, auf jene einzuschlagen, die es sowieso schon schwer haben. Damit zeigt man als Künstler keinen Respekt. Ein Künstler ist für mich jemand, der nach oben schlägt, gegen die, die Macht haben und von deren Seite man keinen Respekt erfährt."

Vilks jedoch geht es nicht um Respekt, ihm geht es um Provokation. Es ist nicht das erste Mal, dass seine Kunst die Gemüter erregt. Sein begehbares Kunstwerk "Nimis" an der Küste von Schonen in Südschweden, gezimmert aus Treibholz, brachte ihm einst nächtliche Schmähungen am Telefon, Prozesse und mehrere Brandanschläge auf das Kunstwerk ein.

"Es gibt religiöse Vertreter, die sagen, sie verfügten über die Wahrheit und die sei objektiv. So ist das in der Welt, zugleich soll der Rest der Welt sich aber auch nach uns richten. Meiner Meinung nach geht es hier um eine subjektive Wahrheit und neben der gibt es eben andere subjektive Wahrheiten - natürlich müssen wir die demokratischen Regeln der Gesellschaft beachten."

Mittlerweile haben sich die Wogen wieder geglättet. Justizministerin Beatrice Ask kündigte an, die Morddrohungen und Gegenmaßnahmen zu prüfen. Das Konfliktpotenzial hingegen wird bleiben, schließlich hat knapp ein Fünftel der Schweden einen Migrationshintergrund.


 
 

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