Um die "Festung Europa" vor illegalen Einwanderern zu schützen, wurde Anfang dieses Monats im griechischen Piräus das erste Regionalbüro der EU-Grenzschutzbehörde Frontex eingerichtet. Die Abwehrtruppe arbeitet erfolgreich - durch Abschreckung.
Es ist eine Stunde vor Mitternacht. Wie jeden Tag um diese Zeit legt das 14 Meter lange Schiff der rumänischen Küstenwache vom Hafen der Inselhauptstadt Mitilini ab.
Kapitän Catalin Paraschiv steht auf der Kommandobrücke und gibt die letzten Anweisungen für den Auslauf. Der Rumäne ist zum zweiten Mal für die EU-Mission Frontex im Einsatz.
"Frontex ist überall da, wo es illegale Migration gibt. Und hier sind wir, um die Griechen zu unterstützen, denn sie haben selbst nicht genug Schiffe. Zusammen mit einem griechischen Verbindungsoffizier legen wir unsere Route fest, sodass wir zusammen das Ganze Gebiet abdecken können."
Bald darauf kreuzt das Schiff ruhig auf dem Meer. Von der Insel Lesbos zum türkischen Festland sind es gerade einmal acht Seemeilen - ein Grund, warum bis vor einem Jahr für Flüchtlinge diese Meerenge zu einer Hauptroute auf dem Weg nach Europa wurde.
"Sie kommen meistens in der Nacht, zwei bis vier Stunden brauchen sie mit ihren Schlauchbooten bis zur Küste von Lesbos. Aber mit unserem Radar können wir sie entdecken und aufhalten, bevor sie an Land gehen."
Catalin Paraschiv zeigt auf die Monitore, die voller Linien und Punkte sind - manche bewegen sich, aber das sind meistens Fischerboote, erklärt er. Nur wenn ein Punkt direkt auf die griechische Küste zusteuert, wird er zum verdächtigen Ziel.
"Dann gehen wir auf Kollisionskurs. Wenn es sich dann tatsächlich um ein Boot mit illegalen Migranten handelt, fixieren wir sie mit unseren Scheinwerfern und fordern sie mit einem Megafon auf, an Bord zu kommen. Erst die Frauen und Kinder, dann die Männer. Einige von ihnen sind durchnässt, wir geben ihnen Decken und heißen Tee und dann übergeben wir sie den griechischen Behörden."
Die Kontrollfahrten von Frontex - so gesehen eine fast schon caritative Mission, um die Flüchtlinge aus ihren kleinen Schlauchbooten in Sicherheit zu bringen. Ganz so ist die Wirklichkeit nach Aussagen von Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl und Human Rights Watch nicht. Nach deren Berichten soll Frontex auch an sogenannten "push backs" beteiligt sein - das heißt: dem gewaltsamen Zurückstoßen der Flüchtlingsboote auf hoher See. Das wäre ein klarer Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Die Frontex-Zentrale in Warschau bestreitet dies, wie auch Catalin Paraschiv. Es geht allein um Abschreckung, bekräftigt der Kapitän.
"Die Migranten müssen wissen: Wir sind hier. Und wir sind immer hier. Wenn sie versuchen, die griechische Küste zu erreichen, werden sie auf Frontex treffen, das heißt, sie haben keinen freien Weg in die EU."
Das Schiff nähert sich der gefährlichsten Stelle vor der Insel Lesbos, der Halbinsel Korakas. Hier ist das Meer tief, und die Küste voller Felsen. Dutzende Flüchtlinge sind hier schon ertrunken, als ihr Boot an den Felsen zerschellte. In namenlosen Gräbern sind sie auf Lesbos begraben.
Es ist kurz nach 4 Uhr. Immer noch kein "verdächtiges Ziel". Kurz nach Sonnenaufgang nimmt das Schiff wieder Kurs auf den Hafen in Mitilini.
Noch zwei Wochen, dann geht es für den Kapitän und seine Crew wieder zurück in ihre Heimat Rumänien.
"Ich bin zufrieden. Es ist mein zweites Jahr hier, und es ist gut, dass die illegale Migration so stark zurückgegangen ist, das heißt, dass wir im vergangenen Jahr gute Arbeit geleistet haben. Vielleicht haben sie ihre Routen geändert. Vielleicht kommen sie ja künftig über das Schwarze Meer, aber dann werden sie uns dort treffen. Dasselbe Schiff."
FRONTEX - Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der EU
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