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13.06.2013 · 09:10 Uhr
Eine Frau bei einer Grenzkontrolle: Auch innerhalb der EU wird die Freizügigkeit durch Bürokratie eingeschränkt. (Bild: picture alliance / dpa / Heikki Saukkomaa) Eine Frau bei einer Grenzkontrolle: Auch innerhalb der EU wird die Freizügigkeit durch Bürokratie eingeschränkt. (Bild: picture alliance / dpa / Heikki Saukkomaa)

Albtraum Ausländerbehörde

Hilfsorganisationen kritisieren bürokratische Hürden für europäische Arbeitsmigranten

Von Stefan Heinlein

Auch im vereinten Europa müssen sich Menschen, die in einem anderen Land arbeiten, mit bürokratischen Hürden herumschlagen. In der slowakischen Hauptstadt Bratislava ärgern sich viele über stundenlange Wartezeiten und überforderte Beamte bei der Fremdenpolizei. Hilfsorganisationen wollen das ändern.

Schon am frühen Morgen ist der Warteraum rappelvoll. Das Gebäude der Fremdenpolizei liegt am Stadtrand von Bratislava in einem ehemaligen Kindergarten. Seit sozialistischen Zeiten hat sich hier kaum etwas verändert. Nur wenige der über 50 Wartenden finden Platz auf den kargen Holzbänken.

Auch Zuzana Markovic wartet schon seit den frühen Morgenstunden. Aus einem Automaten hat die Serbin eine Nummer gezogen. Zwei Schalter sind geöffnet. Nur wenn sie Glück hat, bekommt die 37-jährige Betriebswirtin heute die Chance ihren Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung abzugeben:

"Eigentlich behandeln sie uns wie Vieh. Es gibt keinen Respekt und kein freundliches Wort. In ihrer Mittagspause werfen sie uns auf die Straße - wenn man sich beschwert sagt, der Beamte nur - ich habe hier das Sagen - ich bin der Chef."

Nur Montag, Mittwoch und Freitag bis zwölf Uhr hat die Fremdenpolizei geöffnet. Viel zu wenig für die Boomstadt Bratislava mit ihren vielen internationalen Firmen. Auch EU-Bürger müssen für einen Daueraufenthalt bürokratische Hürden überwinden. Der Pass allein genügt nicht - viele Dokumente wie Miet- oder Arbeitsverträge müssen übersetzt und notariell beglaubigt werden. Nicht wenige Ausländer kapitulieren und wenden sich verzweifelt an Zuzana Stevulova von der Hilfsorganisation Human Rights League.

"Sie empfinden das ganze Verfahren als reine Schikane. Manchmal wird man weggeschickt, nur weil ein Stempel fehlt. Man muss dann wiederkommen und meistens nicht nur einmal, weil behauptet wird, hier fehlt noch was und da fehlt noch was."

Nur wenige der uniformierten Beamten sind in der Lage, in einer Fremdsprache mit den Kunden zu kommunizieren. Ein Missstand, den die Hilfsorganisation jetzt zum ersten Mal öffentlich gemacht hat. Die Aufmerksamkeit der Medien sorgt für Bewegung bei der Fremdenpolizei. Zumindest EU-Bürger können schon bald in neuen Räumlichkeiten ihre Aufenthaltsgenehmigung beantragen, so Sprecherin Denisa Baloghova:

"Wir bemühen uns, den Ausländern, wo immer nur möglich, entgegen zu kommen. Derzeit bekommen unsere Beamten eine Sprachschulung. Die Polizisten sollen zumindest eine Fremdsprache beherrschen."

Doch noch ist die Fremdenpolizei der 420.000 Einwohnerstadt Bratislava der Albtraum für alle Ausländer. Viele internationale Firmen stellen deshalb längst ihren neu angekommenen Mitarbeitern erfahrene Ortskräfte an die Seite. Nur so ist dieser bürokratische Marathon im vereinten Europa zu meistern.


 
 

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Bratislawa: Albtraum Ausländerbehörde

Sendezeit: 13.06.2013 09:25

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