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26.01.2006
Streikende der Fluggesellschaft Alitalia in Rom. (Bild: AP) Streikende der Fluggesellschaft Alitalia in Rom. (Bild: AP)

Nichts geht mehr

Die Auswirkungen der italienischen Privatisierungspolitik

Seit nunmehr über einer Woche befinden sich Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal der italienischen Alitalia wieder einmal im Ausstand. Nicht viel besser läuft es auf der Schiene. Seit der Privatisierung häufen sich Unpünktlichkeit und Unfälle. Wo immer der italienische Staat in den letzten Jahren Betriebe und Einrichtungen privatisiert hat, gibt es Unmut und Pannen. Mehr von Karl Hoffmann über die Auswirkungen der italienischen Privatisierungswut.

Wer in diesen Tagen in Italien reisen will, der hat es ausgesprochen schwer, Züge streiken, Flugzeuge bleiben am Boden, am besten man informiert sich per Internet über die aktuelle Situation. Nur: das Telefonnetz bricht immer wieder zusammen und man muss den Notdienst rufen.

Italien hat ein Problem: die Privatisierung. Seit Bahnen , Telefone und Flugzeuge, aber auch kommunale Wasserversorgungsunternehmen , Krankenhäuser und Transportunternehmen nicht mehr von der öffentlichen Hand geschützt werden, liegt vieles im Argen. Viele Italiener sehnen sich nach den alten Zeiten zurück. Als die Schaffner noch Staatliche Bedienstete waren und die Fernmeldetechniker der SIP angehörten und jederzeit zu Hilfe kamen.

Der letzte de facto noch vom Staat unterstützte Koloss, die Fluggesellschaft Alitalia, liegt in Agonie. Seit einer Woche wird wieder mal gestreikt, weil die Gewerkschaften den zur Sanierung der defizitären Gesellschaft nötigen Stellenabbau zwar gebilligt haben, der Sozialplan für die Mitarbeiter aber nicht eingehalten wird. Die Italiener sind gespalten: soll der Staat nach Zuschüssen von 1, 4 Mrd. Euro die Nationalfluglinie mit neuen Zahlungen stützen oder sie pleite gehen lassen. Einig sind sich die Flugreisenden darüber, dass es so jedenfalls nicht weitergehen kann: täglich fallen über 200 Flüge aus und die Situation verspricht keine rasche Besserung. Die Alternativen zum Fliegen sind teuer und unbequem. Ein Grossteil des gebührenpflichtigen Fernstraßennetzes hat dank großzügiger Finanzierungsvereinbarungen mit der Regierung der Modemacher Benetton übernommen. Seither hat sich der Straßenzustand verschlechtert und die Preise sind erheblich gestiegen. Jüngst steckten Tausende Autofahrer in Piemont im Schnee, weil der Winterdienst völlig unzureichend ist und keine rechtzeitige Sperrung für den LKW-Verkehr erfolgte - man will ja schließlich nicht auf Mautgebühren verzichten. Chaos herrscht aber auch auf den Schienen

Ein abgerissenes Fahrgestell eines Intercity-Zuges unterbrach für eineinhalb Tage die viel befahrene Adria-Strecke. Der Waggon war offenbar schlecht gewartet worden. Tausende von Zugreisende verbrachten viele Stunden in oft kalten Zügen und wurden noch nicht einmal über die Geschehnisse informiert. Eine Höllenfahrt, so der Kommentar vieler Reisender.

Verspätungen sind längst die Norm. Zehntausende von Mailänder Pendlern erhielten jetzt ein Monatsabonnement gratis, nachdem sie im vergangenen Jahr wochenlang zu spät zur Arbeit kamen. Es häufen sich Unfälle wegen schlechter Wartung und Schäden an den Lokomotiven. Die Züge sind oft in erbärmlichen Zustand, weil die inzwischen privaten Reinigungsfirmen, wegen der Verspätungen keine Zeit zum Putzen haben. Einige Nachzüge mit Lige- und Schlafwagen mussten aus dem Verkehr genommen werden, weil sie verwanzt und verlaust waren. Die Toiletten sind in der Regel unbenutzbar. Entschädigungen muss man mit oft komplizierten Prozeduren einfordern, viele Reisende verzichten darauf. Und das gestörte Telefon?

Seit der Privatisierung hat sich der Service drastisch verschlechtert. Bis zu einem Monat kann es dauern, bis endlich wieder das Freizeichen ertönt.


 
 

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