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11.04.2006
Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko bei einer Fernsehansprache. (Bild: AP) Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko bei einer Fernsehansprache. (Bild: AP)

Entwicklungshilfe in Sachen Demokratie

Litauen strahlt Radioprogramm gegen Lukaschenko aus

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko tritt die Pressefreiheit mit Füßen. Missliebigen Zeitungen wurde die Druckerlaubnis entzogen, Mietverträge für private Rundfunksender gekündigt und es kamen sogar Journalisten auf mysteriöse Weise ums Leben. Nun versucht ein Radiosender von Litauen aus, die Zensur zu umgehen. Birgit Johannsmeier berichtet.

Vertieft in Interviews und Videobilder bereitet Tatjana Dubavec ihre wöchentliche Sendung im Litauischen Fernsehen vor: Die Journalistin ist eine sportliche Frau Mitte 40, die sich über jede gelungene Kameraeinstellung freut. Tatjanas "Notizbuch aus Vilnius" ist auf Weißrussisch, weil es in Litauen gut 50.000 Weißrussen gibt - wie Tatjana Dubavec.

"Als ich nach Litauen kam, gehörten wir alle noch zur Sowjetunion. Ich träumte von der Großstadt und zog eben nach Vilnius, nur 80 Kilometer von meinem weißrussischen Dorf entfernt. Das war vor genau 15 Jahren. Ich weiß noch, wie ich mit meinem Mann hier vor dem Fernsehen demonstrierte. Wir kämpften ja nicht nur für die litauische Unabhängigkeit, sondern wir alle, Litauer und Weißrussen, wollten unabhängig von der Kommunistischen Partei und von Moskau sein."

Tatjana Dubavec ist enttäuscht, dass sich ihre weißrussische Heimat nicht so demokratisch wie Litauen entwickelt hat. Aber die Journalistin lässt nicht locker. Sie will mit ihren Reportagen Akzente setzen, gegen die totale Kontrolle der Massenmedien durch Präsident Lukaschenko in Weißrussland.

"Mein Programm ist zwar für Litauen bestimmt, aber auch in Weißrussland, in Grodno und Witebsk zu empfangen. Mal geht es um die Inhaftierten unter Präsident Lukaschenko, unsere Solidarität in Litauen oder um weißrussische Freiheitskämpfer aus dem Zweiten Weltkrieg, die gegen die Sowjetarmee antraten. Darüber darf man in Weißrussland nicht sprechen. Ich will mit meinen Reportagen aber auch die Litauer erinnern, dass sie Weißrussland nicht vergessen und weiter für unsere Freiheit kämpfen."

Im litauischen Parlament sorgt sich Jonas Cekuolis mit einer Arbeitsgruppe um mehr Demokratie in Weißrussland. Immerhin verbinde Litauen eine 650 Kilometer lange Grenze mit einem Staat, der unter Präsident Alexander Lukaschenko nicht berechenbar sei. Allerdings empfindet Jonas Cekuolis für seine Nachbarn auch eine tiefe Sympathie:

"Ich habe viele Freunde in Weißrussland, Ärzte, Journalisten, Lastwagenfahrer. Wir haben uns während des Freiheitskampfes kennen gelernt, ich war gerade 20. Damals entstanden weißrussische, unabhängige Zeitungen, die wurden bei uns in Vilnius gedruckt und ich half mit. Heute lesen und hören die Leute nur noch Propaganda. Lukaschenko hat 250.000 Leute, die seine Propaganda verbreiten."

Immerhin konnten die litauischen Parlamentarier sogar Brüssel von der Bedeutung unzensierter Nachrichten für Weißrussland überzeugen:

"Baltische Wellen", so heißt die Radiostation am Stadtrand von Vilnius, die mit ihrem Kurzwellensender aus den 40er Jahren einzelne Bezirke Weißrusslands erreicht. Seit kurzem finanziert die Europäische Kommission ein einstündiges Nachrichtenmagazin, das täglich in Warschau produziert wird und durch die "Baltischen Wellen" in den weißrussischen Äther geht. Leiter der "Baltischen Wellen" ist Rimantas Pleikis, der selbst erfahren hat, wie wichtig ein freier Zugang zur Information ist.

"Ab 1972 habe ich Deutsche Welle, Radio Freies Europa und BBC gehört. Das war meine erste antikommunistische Erziehung, denn damals stand in der Sowjetrepublik Litauen alles unter strenger Zensur. Die letzte Wahl in Minsk konnten wir noch nicht beeinflussen. Aber in fünf Jahren wird wieder gewählt. Bis dahin bekommen wir vielleicht sogar einen stärkeren Sender und können alle Wähler in Weißrussland mit freier Information erreichen."


 
 

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