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30.05.2007
Ein Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa (Bild: AP Archiv) Ein Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa (Bild: AP Archiv)

Flüchtlingsdramen vor Malta

Streit um Aufnahme illegaler Immigranten

Im vergangenen Jahr sind mehr als 22.000 Schiffsflüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien gelangt. Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen spricht angesichts zahlreicher Todesfälle bei den Überfahrten von Zuständen wie im Wilden Westen. Ins Zwielicht gerät besonders die kleine Mittelmeerinsel Malta, denn dort sind selbst schiffbrüchige Flüchtlinge unerwünscht. Karl Hoffmann berichtet.

"Die sind jetzt in Lampedusa, warten auf den Weitertransport. Auch ich bin inzwischen schon abgestumpft. Was soll ich sagen? Denen geht es wie vielen anderen nach so einem Drama. Sie sind erschöpft, völlig fertig."

Francesco Viviano ist Reporter und war dabei, als man die 27 Schiffbrüchigen nach drei Tagen endlich in Lampedusa an Land gebracht hat. So lange mussten sie aushalten auf dem Rand eines schwimmenden Käfigs, in dem Thunfische auf offener See gemästet werden. Nachdem ihr Boot gesunken war, hatten sie sich in letzter Not auf den riesigen Schwimmer des Netzes gerettet, ein Ring mit 50 Metern Durchmesser. Drei Tage lang blieben sie dort. Das maltesische Boot, das das Netz zog, nahm die Menschen nicht an Bord - angeblich wegen des Risikos, bei diesem Manöver die wertvollen Thunfische zu verlieren. Andere Fischerboote beeilten sich, außer Sichtweite zu kommen. Schließlich musste, weil niemand die Boat People retten wollte, ein Kreuzer der italienischen Kriegsmarine in das Seegebiet südlich von Malta eilen und die völlig verzweifelten Schiffbrüchigen nach Lampedusa holen. Weder Libyen noch Malta hatten irgendeinen Versuch gemacht, die Menschen nahe ihrer Küste zu retten. Vor Malta liegt derzeit ein Fischerboot aus Spanien, die "Monfalcon" mit 20 Schiffbrüchigen an Bord, die die Behörden der kleinen Insel partout nicht an Land lassen wollen.

"Das Boot ist immer noch vor der Küste, Malta hat ihm keine Erlaubnis zum Anlegen gegeben. Jetzt versucht die Besatzung irgendein anderes europäisches Land zur Aufnahme der Schiffbrüchigen zu bewegen",

schildert Francesco Viviano, der vor einem Jahr ein ähnlichen Vorfall erlebt hat: Fischer, die Flüchtlinge vor Maltas Küste gerettet hatten und dann von Malta boykottiert wurden. Schwierig, die Leute in ein anderes Land zu bringen. Das Seerecht schreibt vor, dass Schiffbrüchige in das dem Fundort nächstgelegene Land gebracht werden müssen, Malta in diesem Fall. Doch dort will man mit den Boat People partout nichts zu tun haben.

"Die Malteser versorgen die Flüchtlingsboote oft mit Treibstoff, damit sie weiterfahren Richtung Italien und um Himmels willen nicht in Malta anlegen. So ist das."

Dieses Desinteresse der Behörden hat wohl weiteren 57 Menschen aus afrikanischen Kriegsgebieten das Leben gekostet. Sie befanden sich auf einem kleinen Motorboot, dessen Motor am Montag vergangener Woche aussetzte. Per Satellitentelefon alarmieren sie Freunde und Verwandte in Italien, bitten um Hilfe. Ein italienisches Suchflugzeug entdeckt das havarierte Boot im Seegebiet zwischen Malta und Libyen, doch die maltesischen Behörden schicken erst neun Stunden später ein Boot los - zu spät. Vom Flüchtlingsboot und den 57 Insassen ist seither keine Spur mehr zu finden. Italiens Innenminister Giuliano Amato erklärt das Flüchtlingsproblem wieder mal zum gesamteuropäischen Anliegen. Und will vordringlich gegen die Schlepper vorgehen

"Die organisierte Kriminalität schickt beinahe tägliche die Leute aufs offene Meer. Einige kommen an, viele sterben dabei. Ein echter Menschenhandel ist das. Ich werde alles dazu tun, dass die Banden dingfest gemacht werden, die für Geld derart skrupellos mit Menschenleben umgehen."

Für Amato gibt es aber nur ein Mittel, um dauerhaft das Drama von Flüchtlingen und Immigranten zu beenden.

"Sowohl Europäer wie Afrikaner müssen sich klar werden über das gewaltige Ausmaß des Problems. Den Unterschied zwischen Armen und Reichen zu verringern, ist die wichtigste Voraussetzung, um die illegale Einwanderung zu bremsen."


 
 

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