Der Wahlkampf in Italien war geprägt von den Themen Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung. Die Liste "Volk der Freiheit" von Silvio Berlusconi hatte sich dabei geschickt die wachsenden Ressentiments vieler Italiener gegenüber Ausländern zu Nutze gemacht. Viele Italiener erwarten von ihrer neuen Regierung jetzt ein hartes Durchgreifen. Von Kirstin Hausen berichtet.
Cremona: Stadt der Geigenbauer. Geburtsort von Antonio Stradivari. Im Gemeindemuseum sind die kostbarsten Geigen ausgestellt, einmal pro Tag werden sie gespielt, damit sie ihren einzigartigen Klang nicht verlieren.
Durch die Gassen der historischen Altstadt schlendern Touristen, verzückt bleiben sie vor den Schaufenstern der Geigenbauer stehen. Postkartenidylle. Heile Welt. Doch in Cremona rumort es.
"Es gibt hier Orte, wo die Leute Angst haben, hinzugehen"
"In den Seitengassen fürchte ich mich. Sobald man den Domplatz verlässt, ist man nicht mehr sicher."
"Ich habe Angst um meine Töchter"
Die Einwohner von Cremona fühlen sich nicht mehr sicher in ihrem Städtchen. Sie fürchten Belästigungen und Überfälle und verbinden die statistisch erfasste Zunahme der Kleinkriminalität mit der gestiegenen Präsenz außereuropäischer Einwanderer in ihrer Gemeinde. Die Lokalpolitiker der ausländerfeindlichen Partei "Lega Nord" haben die vorhandenen Ängste im Wahlkampf noch geschürt, allerdings ohne den erhofften Erfolg. In Cremona regiert eine Mitte-Links-Koalition. Die Lega Nord ist im Stadtrat in der Opposition, reklamiert aber das Thema Sicherheit für sich. Der Lega-Politiker Claudio Demicheli will sogar das Dezernat für Sicherheit übernehmen.
"Das ist keine Provokation. Die Bürger von Cremona verlangen ein entschiedenes Vorgehen. Wir haben dem Bürgermeister drei Vorschläge gemacht: 1. mehr private Sicherheitskräfte, 2. mehr Polizei und 3. mehr Spielraum für die Bürgerwehr. Die Leute sind sonst in ihren Häusern nicht mehr sicher"
Die Bürgerwehr ist eine Erfindung der Lega Nord. Sie besteht aus Freiwilligen, die in Uniform abends durch die Straßen patrouillieren und verdächtige Situationen per Handy der Polizei melden. In Lega Nord Hochburgen wie Bergamo oder Treviso im Nordosten des Landes gibt es die Bürgerwehr schon seit vielen Jahren. Sie kommt immer wieder ins Gerede, weil sie sich in die Arbeit der lokalen Polizei einmischt oder Unschuldige verdächtigt. Trotzdem findet die Idee auch in Cremona, wo die Lega Nord keine politische Mehrheit hat, immer mehr Anklang.
"Es sollte keine zweite Polizeitruppe sein, sondern ein gesellschaftliches Engagement"
"Der Staat tut zu wenig, deshalb bin ich dafür, trotz eines bitteren Beigeschmacks."
Gian Carlo Corada, der Bürgermeister von Cremona hat beschlossen, das Thema Sicherheit nicht allein der Lega Nord zu überlassen. Er weiß um die Ängste der Bürger und hütet sich davor, sie zu klein zu reden.
"Wir sind uns bewusst, dass wir hier ein Problem haben. Und wir glauben, dass Recht und Ordnung auf der einen Seite und soziale Integration auf der anderen, zusammengehören."
Den Worten sollen schon bald Taten folgen.
"Wir werden gemeinsam mit zwei Nachbargemeinden einen externen Sicherheitsberater verpflichten. Das Thema Sicherheit gehört nicht auf eine bestimmte politische Seite, sondern geht uns alle an."
Ähnliches hört man auch in anderen Gemeinden. In Brescia, wo 46 Prozent der Neugeborenen Kinder von Ausländern sind, sollen einerseits Integrationsmaßnahmen für Zuwanderer verpflichtend werden und andererseits mehr Polizisten auf Streife gehen. Sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene ist das Thema Sicherheit in Italien ein zentraler Programmpunkt. Silvio Berlusconi hat damit im Wahlkampf viele Stimmen gewonnen, seine Wähler wollen nun konkrete Schritte.
Beiträge zum Nachhören
Europa heute
Spanien und der Fall Garzón
Sendezeit: 09.02.2010, 09:24
EU-Parlament stimmt über Kommission ab
Sendezeit: 09.02.2010, 09:18
Imamausbildung in Europa: Niederlande
Sendezeit: 09.02.2010, 09:12
dradio-Recorder
im Beta-Test: