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23.07.2008
Die Schweizer schonen ihre Umwelt, weil sie öfter mit Bus und Bahn fahren (Bild: AP) Die Schweizer schonen ihre Umwelt, weil sie öfter mit Bus und Bahn fahren (Bild: AP)

Pendlerglück mit Bus und Bahn

In der Schweiz bleibt das Auto öfter stehen

von Kirstin Hausen

Eine Pendlerpauschale ist den Schweizern unbekannt - und sie brauchen sie auch nicht. Weil sie zufrieden sind mit Bus und Bahn, die entsprechend steuerlich gefördert werden.

Der Bahnhof der Stadt Zug in der Zentralschweiz. Auf der einen Seite treffen die Züge und S-Bahnen ein, auf der anderen Seite warten die Busse. Große mit einem angehängten zweiten Wagen für die stark nachgefragten Strecken und kleine mit nur 10 Sitzplätzen. So einen steuert Beat Berger.

In zwei Minuten geh ich weiter, wir fahren immer sehr pünktlich. Ich habe hier die Zeit, jetzt ham wir noch plus eins zwanzig. Wenn da minus vor steht, sollte ich wegfahren.

Beat Berger und seine Kollegen kennen eigentlich keine Verspätungen. Und folglich auch keine meckernden Fahrgäste.

Außer wir fahren zu früh. Es gibt solche, die fahren zu früh.

Auf der Sitzbank direkt hinter dem Fahrer schmunzelt eine Frau. Franziska Böttinger. Sie ist 56 Jahre alt und auf dem Weg zur Arbeit. Eine zufriedene Kundin der Zuger Verkehrsbetriebe.

Ja sehr, sehr, ich nutze sie regelmäßig, weil, ich habe kein eigenes Auto aber das geht sehr gut hier. Man kann sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Und das tun immer mehr Menschen im Kanton Zug. Das Konzept des Regierungsrates, im gesamten Kantonsgebiet mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil zu sein, scheint aufgegangen zu sein. Gabriele Loppart vom Kantonalen Umweltamt in Zug:

Wir haben jetzt seit zweieinhalb Jahren oder so die neue S-Bahn hier mit einem riesigen finanziellen Aufwand, wo diverse Stationen innerhalb der Agglomeration Zug-Zürich gebaut worden sind, bis nach Luzern, mit Zubringerbussen, das ist alles angepasst worden an den Takt der S-Bahn, so dass es wirklich keinen Grund mehr gibt, warum jemand mit dem Auto fahren muss.

ÖV nennen die Schweizer ihr dichtes Netz aus Regionalzügen, Stadtbahnen und Busverbindungen. Dass gerade die Schweiz, mit ihren Bergen und Tälern, ein so gut ausgebautes Transportsystem hat, macht viele auch ein bisschen stolz. Zum Beispiel Chantal Stocker, die täglich zwischen ihrem Wohnort Urdorf und dem Arbeitsplatz in Zug pendelt.

Wenn alles normal läuft ist es wirklich so. Jeden Tag, ich fahre zur Arbeit. In Zug findet man keine Parkplätze und jene zu mieten sind viel zu teuer. Der Zug ist die ideale Lösung. Und ich habe hier meine netten Kollegen.

Das sind Erwin Brunner und Toni Kirchner, die jeden Morgen in Hedingen zusteigen.

Sie tauschen Neuigkeiten aus, reden über die Kinder und den anstehenden Sommerurlaub. Die Fahrt mit der Bahn ist ihnen zur lieben Gewohnheit geworden.

Ja, ist alles ok. Nur wenn ich beim arbeiten morgens um sechs anfangen muss, dann nehm' ich das Auto, da fährt noch nix. Und jetzt muss ich um sieben anfangen, das geht.

Die Autofahrten zur Sechs Uhr-Schicht kann Toni Kirchner steuerlich absetzen, weil er von seinem Arbeitgeber einen Nachweis über die Notwendigkeit der Autonutzung erhalten hat. Das verlangt sein Finanzamt. Und es prüft verstärkt nach, ob Autofahrten zum Arbeitsplatz tatsächlich unumgänglich sind.

Das spielt eine Rolle, ob es wirklich möglich ist mit ÖV zu reisen. Find ich ok.

Als Besitzer eines General-Abonnements und Nicht-Besitzer eines Autos finde ich das in Ordnung. Ich hab mich immer ein bisschen darüber geärgert, dass das Auto abzusetzen geschäftlich sehr einfach und überhaupt kein Problem ist und bei anderen Dingen wird da unglaublich nachgeschlagen und rückgerechnet und so weiter und in diesem Sinne finde ich das in Ordnung, dass man da den Öffentlichen Verkehr als Richtwert einsetzt.

Kein Aufschrei der Empörung, kein Protest. Eine Pendlerpauschale wie sie in Deutschland wieder diskutiert wird, hätte in der Schweiz politisch keine Chance.


 
 

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