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15.05.2009
In Finnland ist die Atomlobby im Aufwind. (Bild: Stock.XCHNG) In Finnland ist die Atomlobby im Aufwind. (Bild: Stock.XCHNG)

Keine Angst vor dem Super GAU

Finnland setzt verstärkt auf Kernenergie

Von Knut Benzner

Hohe Strompreise, die ambitionierten Ziele im Klimaschutz, aber auch die Diskussion über eine sichere Energieversorgung haben viele Länder zu einer Rückkehr zur Atomkraft bewegt: In Finnland gab es bisher zwei Energiekonzerne, ein dritter ist nun hinzugekommen. Und der Bau weiterer Reaktoren wird im Parlament bereits diskutiert.

Im Südwesten von Helsinki, am Hafen: "Kohleberg" hieß die Gegend früher. Der Kohleberg ist weg und im Neubaugebiet haben sich, in der Nähe eines alten, kleinen Kraftwerkes, Technologiefirmen angesiedelt.

Pasi Natri, Vizepräsident von Fennovoima: Fennovoima ist der dritte Energiekonzern, mit momentan 100 Angestellten, der Fuß fassen will auf dem finnischen Atommarkt. Pasi Natri: 54 sei er, sagte er gerade. Pasi Natri, teurer blauer Anzug, ist seit knapp zwei Jahren bei Fennovoima.

"Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, zu analysieren, was in Finnland und Europa passiert, und die Entwicklung natürlich im Sinne von Fennovoima zu beeinflussen. Sofern Fennovoimas Interessen betroffen sind."

Im Januar dieses Jahres hat der Konzern der finnischen Regierung einen Antrag zum Bau eines weiteren Kernkraftwerkes überreicht. Fennovoima wurde erst vor knapp zwei Jahren gegründet, und Natri, der Vizepräsident, war vorher in der Politik - in hoher Funktion bei den Konservativen. Fennovoima steht der Politik nahe, denn Kernenergie ist Politik.

"Es gibt in Finnland eine stabile Majorität, die die Kernenergie favorisiert. Natürlich haben wir viele Diskussionen darum. Natürlich haben wir eine Opposition gegen Kernkraft. Aber darüber hinaus gibt es einen Konsens für die Notwendigkeit. Ich sehe die Situation so: Keine Energiegewinnung ist problemfrei. Selbst Windräder sind problematisch, in Bezug auf ihre Umgebung, ihren Lärm - und sie sehen nicht 100 Prozent wunderschön aus. Kernkraft ist leicht zu produzieren. Und in Bezug auf den Klimawandel ist sie heutzutage die wichtigste Quelle der Menschheit. Wir sollten uns des Klimawandels bewusst sein und dagegen ankämpfen und alles daran setzen, Energie ohne Kohlendioxidemissionen zu produzieren."

Er sehe, ergänzt er, die bekannten Probleme: die Gefährlichkeit der Radioaktivität, die Endlagerung. Grundsätzlich sei all das eine Frage des Nutzens und der politischen Wahl.

Sie wollen sich in Finnland unabhängig vom russischen Gas machen, sie rechnen bis 2015 mit einer Zunahme des Energieverbrauchs von 20 Prozent, sie hatten, bedingt durch die Kälte, im vergangenen Winter einen erheblichen Einbruch in der Versorgung - all das Gründe für Natri, mit Fennovoima auf dem Energiemarkt zu sein. Als dritter Atomstromanbieter im kleinen Finnland.

Ein neuer Akteur, ein neuer Wettbewerber. "Die Regierung hat festgestellt, dass wir mehr Wettbewerb brauchen. Insbesondere", meint der Vizepräsident von Fennovoima, "in der Produktion von Energie". Mehr Anbieter im Nordeuropäischen Raum, mehr Wettbewerber seien gut für die Kunden, gut für die privaten Haushalte: bekannte Argumente, die Argumente eines Wirtschaftsliberalen.

"Wenn wir den Markt liberalisiert haben, muss er durch Wettbewerb funktionieren, durch unabhängige Player. In all unseren Ländern sagen die Wettbewerbshüter, Wettbewerb sei nötig. Auch die Europäische Union vertritt das vehement, die Öffnung des Elektrizitätsmarktes. Um einen gut funktionierenden Markt zu gewährleisten, brauchen wir mehr Anbieter."

Sie planen in Zeitabschnitten von 20 Jahren. Konkret und inklusive des Vorlaufs vor tatsächlicher Gründung von Fennovoima: 2020 wird diese Firma ihr erstes Kernkraftwerk hingestellt haben. Dann ist Pasi Natri in Rente.

"Ja, sehr lang angelegte Projekte. Natürlich müssen wir sicher stellen, dass auch in Zukunft ausreichende Energie vorhanden ist, für die nächsten Generationen. Wir können nicht nur an uns denken."

Seine Frau Miapetra, sie haben zusammen vier Kinder, ist bei den Sozialdemokraten und war bis 2003 Parlamentarische Staatssekretärin des Premierministers. Hauptanteilseigner an Fennovoima ist der deutsche Energieriese Eon.


 
 

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