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 Feldpostbriefe aus Stalingrad
Militärhistorische Skizze

Das kriegszerstörte Stalingrad 1943
Das kriegszerstörte Stalingrad 1943
 

Kriegsgerät in Stalingrad
Kriegsgerät in Stalingrad
 

Gefangene deutsche Soldaten 1943
Gefangene deutsche Soldaten 1943
 

Gefangene deutsche Offiziere Stalingrad 1943
Gefangene deutsche Offiziere Stalingrad 1943
 

Zivilisten in Stalingrad 1943
Zivilisten in Stalingrad 1943
 
 

Die verlorene Schlacht um Moskau Ende 1941 war die erste entscheidende Niederlage im Zweiten Weltkrieg, die die bis dahin mit dem Mythos der Unbesiegbarkeit umgebene deutsche Wehrmacht erlitten hatte. Die Blitzkriegsstrategie Hitlers war damit gescheitert und der Sowjetunion hatte sich die Möglichkeit eröffnet, die Initiative zu ergreifen und nun ihrerseits zur Offensive überzugehen.

Die Niederlage vor Moskau führte zu einer äußerst kritischen Situation für die Wehrmacht. Zum einen funktionierte der militärische Nachschub aufgrund von Transportschwierigkeiten nur noch mangelhaft. Zum anderen hatten die deutschen Truppen die vorgesehenen Winterquartiere nicht erreicht und waren für einen längeren Feldzug während der Frostperiode nur unzureichend ausgerüstet. Im Hinblick auf eine nun notwendig gewordene, neue Offensive im Frühjahr 1942 war die Situation beim Treibstoff besonders prekär. Das verbündete Rumänien war nicht mehr in der Lage, Deutschland ausreichend mit Erdöl zu versorgen und die deutsche Benzinproduktion aus einheimischer Kohle war durch die zahlreicher gewordenen alliierten Luftangriffe zurückgegangen. Daher plante das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) eine Offensive im Süden der deutsch-sowjetischen Front mit folgenden Zielen:

  • 1. Vormarsch in den Kaukasus und Eroberung der Ölfelder von Maikop und Grosny
  • 2. Eroberung Stalingrads, eines der wichtigsten Industriegebiete der Sowjetunion
  • 3. Sperrung der Wolgaschiffahrt als wichtigster Versorgungsader der Sowjetunion

Ein Teil der geheimen Aufmarschpläne unter der Tarnbezeichnung "Blau I" fiel der Sowjetarmee in die Hände. Ein deutscher Generalstabsoffizier, Major Reichel, hatte diese Pläne befehlswidrig bei sich, als er in der Nähe der Front mit seinem Fieseler-Storch abgeschossen wurde. Damit war das Überraschungsmoment, das sowjetische Oberkommando rechnete bislang noch mit einem erneuten Angriff im Mittelabschnitt der Front, vertan. Ende Juni 1942 begann die Sommeroffensive der Heeresgruppe Süd an der deutsch-sowjetischen Front.

    In Gewaltmärschen von 30 bis 40 km täglich stießen nun unsere Divisionen nach Osten vor. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Gleich in den ersten Tagen mußten wir erkennen, daß wir nur gegen zahlenmäßig schwache, aber gut bewaffnete Nachhuten gekämpft hatten. Ihre verbissene Verteidigung fügte uns hohe Verluste zu. Das Gros der sowjetischen Truppen konnte sich der drohenden Vernichtung entziehen.
    Wilhelm Adam "Der schwere Entschluß", Berlin 1965

Die geringen Gefangenenzahlen und der schwache Widerstand wurden im OKW jedoch falsch interpretiert. Dort ging man davon aus, daß dies ein Zeichen nicht für eine geglückte Rückzugsbewegung, sondern für den gebrochenen Kampfwillen der Sowjetarmee sei. Scheinbar bestätigt wurde diese Einschätzung durch die endgültige Eroberung der Halbinseln Kertsch und Krim durch die 11. deutsche Armee und die sowjetische Niederlage vor Charkow. Die Erfolge überschätzend kam es zu einer Veränderung der deutschen Angriffsstrategie. Hatte noch die OKW-Weisung Nr. 41 vom 5. April 1942 vorgesehen, daß die aus der Heeresgruppe Süd neugebildeten Gruppen A und B gemeinsam zuerst Stalingrad erobern sollten, um nach der Sperrung der Wolga anschließend in den Kaukasus und entlang der Schwarzmeerküste bis zu den Ölfeldern von Maikop und Grosny vorzustoßen und schließlich bis Baku vorzugehen, so bedeutete die Weisung Nr. 43 vom 23. Juli 1942 die gleichzeitige Lösung aller Aufgaben. Die Heeresgruppe A drehte nach Süden ab. Damit waren die deutschen Kräfte zersplittert. Hinzu kam noch, daß der anstrengende, schnelle Vormarsch und das ungewohnte Steppenklima mit seinen ständigen Temperaturschwankungen zu einem raschen Absinken der Kampfkraft der deutschen Verbände geführt hatte. Unter diesen Vorzeichen begann am 17. Juli die 6. Armee unter ihrem Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe Friedrich Paulus, den Angriff auf Stalingrad.

Das sowjetische Oberkommando hatte in seinem Befehl Nr. 227 vom 28. Juli die Losung verkündet: "Keinen Schritt zurück!" Zäh verteidigten die Einwohner, die Arbeiter der Betriebe und die sowjetischen Soldaten ihre Stadt. Bis zuletzt rollten in Stalingrad produzierte Panzer von den Werkhallen direkt in die Schlacht.

Am 21. August brachen deutsche Truppen im Norden und am 14. September im Süden Stalingrads zur Wolga durch. Von diesen Positionen aus begann man, Stück für Stück die Stadt einzunehmen. Doch oft nur geringe Erfolge mußten mit ungeheuren Verlusten erkauft werden. Bis Mitte Oktober verlor die 6. Armee ca. 40.000 Mann. Blutige Kämpfe gab es u.a. um den Zentralbahnhof im Zentrum der Stadt, der allein am 14. September fünfmal den Besitzer wechselte. Trotz des Einsatzes speziell für den Häuserkampf ausgebildeter Pioniere konnten am Tag oft nur wenige Quadratmeter erobert werden. Die deutschen Soldaten sahen sich unversehens einem erstarkten Gegner gegenüber.

    Dort vorn ist die Hölle los. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Und ich bin von Anfang an dabei. Diese Iwans gehen keinen Schritt zurück. Der Weg in ihre Stellungen führt nur über Leichen. Vorher aber beißt mancher von uns ins Gras. Eigentlich gibt es gar keine richtigen Stellungen. Jede Ruine, jeder Stein wird von ihnen verteidigt. Überall lauert der Tod. Mit wildem Drauflosstürmen wird nichts erreicht, das kostet das Leben.
    Adam

Nie gelang es der 6. Armee, die Stadt vollständig einzunehmen. Ein nur wenige hundert Meter breiter Streifen am Steilufer der Wolga wurde bis zum Sieg von den Verteidigern gehalten. Hier befand sich während der gesamten Zeit der Schlacht sogar der Gefechtsstand der 62. sowjetischen Armee, die seit Mitte September 1942 von General Tschuikow befehligt wurde.

Während die Kräfte der 6. Armee im zermürbenden Straßen- und Häuserkampf erlahmten, führte das sowjetische Oberkommando auf dem anderen Ufer der Wolga neue, kampfstarke Verbände heran. Diese gefährlichen Truppenansammlungen waren allen zuständigen Wehrmachtsoffizieren, zahlreichen Truppenoffizieren und sogar unteren Dienstgraden bekannt. Doch alle Bedenken und Warnungen der 6. Armee und der Heeresgruppe wurden von Hitler, der die Kampfkraft der Sowjetarmee weiterhin unterschätzte, vom Tisch gefegt und das ihm hörige OKW zeigte sich nicht in der Lage, die Meldungen über Stärke und Maßnahmen der Roten Armee militärisch richtig auszuwerten und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen.

Am 19. November begann die Umfassungsoperation durch die sowjetischen Truppen. Diese durchbrachen die Front im Norden und Süden bei den allgemein als schlecht ausgerüstet und kampfschwach eingeschätzten rumänischen Verbündeten der Wehrmacht.

Der Durchbruch der sowjetischen Verbände führte zu teilweise chaotischen Absetzbewegungen bei den rumänischen und deutschen Einheiten. Paulus schlug dem OKW die unverzügliche Rücknahme der 6. Armee vor, um einer drohenden Einkesselung zu entgehen. Dieser Vorschlag wurde von der Heeresgruppe und vom Chef des Generalstabes, General der Infanterie Zeitzler, unterstützt. Da sich Hitler jedoch gerade in Berchtesgaden aufhielt, fiel im OKW keine Entscheidung. Nach der Rückkehr ins vorgeschobene Führerhauptquartier in Winnizza (Ukraine) verbot Hitler am 22. November den Ausbruch. Noch vor der vollständigen Einkesselung erhielt die 6. Armee mit ihren cirka 250.000 Soldaten und Offizieren den Befehl, sich in der "Festung" Stalingrad einzuigeln.

Am 23. November wurde der Kessel durch die Vereinigung der sowjetischen Angriffskeile bei Kalatsch geschlossen. Kräftemäßig waren die sowjetischen Verbände der 6. Armee deutlich unterlegen. Der Einkesselungsversuch wurde vom sowjetischen Oberkommando nur aufgrund eines Fehlers der militärischen Aufklärung gewagt. Man vermutete im Kessel nur ca. 80.000 Wehrmachtsangehörige.

Die Gründe für Hitlers Entscheidung sind sicher vielfältig gewesen. Er selbst hatte in einer Rede im Berliner Sportpalast am 30. September 1942 die baldige Einnahme Stalingrads ankündigend geschworen, daß "wir Stalingrad berennen und auch nehmen werden - worauf sie sich verlassen können". Wenige Wochen später verkündete er in seiner Rede "vor alten Marschierern" aus Anlaß des Jahrestages des Münchener Putschversuches, daß Stalingrad im Prinzip eingenommen sei, obwohl das nicht genau den militärischen Tatsachen entsprach.

Ein Rückzug aus der Stadt mit dem symbolträchtigen Namen hätte unzweifelhaft eine zunehmende Ablehnung des Feldzuges gegen die Sowjetunion durch die ohnehin kriegsmüde Bevölkerung zur Folge gehabt. Außerdem galt es, den abbröckelnden Unbesiegbarkeitsmythos der Wehrmacht zu erhalten. Auch mußte bei einem Rückzug ein Vertrauensverlust bei den Verbündeten befürchtet werden, die man zum Eintritt in den Krieg gegen die Sowjetunion bewegen wollte (z.B. Japan und die Türkei). Da erste Angriffe der Sowjetarme zur Vernichtung des Kessels erfolgreich abgewiesen werden konnten und es später sogar längere Angriffspausen gab, neigte man im OKW weiterhin zur Unterschätzung der Kampfkraft des Gegners. Zudem war der Roten Armee noch nie eine Einkesselung deutscher Verbände und deren Vernichtung geglückt. Die Form der Kesselschlacht war bislang nur von der Wehrmacht erfolgreich angewendet worden.

Die im Jahre 1941 zeitweise bei Cholm und Demjansk eingeschlossenen deutschen Einheiten hatte man seinerzeit auch siegreich befreien können. Schließlich aber soll Görings Versprechen, das er entgegen dem Rat aller Fachleute abgab, die 6. Armee aus der Luft zu versorgen, den Ausschlag für Hitlers Entscheidung gegeben haben.

Am 25. November verlangte der Kommandierende General des LI. Armeekorps, General der Artillerie von Seydlitz-Kurzbach, in einer Denkschrift den sofortigen Ausbruch aus dem Kessel. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, verkürzte er eigenmächtig den Verteidigungsabschnitt seines Korps um 15 km und ließ alle überflüssigen Ausrüstungsgegenstände vernichten. Seydlitz appellierte an Paulus, gegen den Führerbefehl zu handeln, den Ausbruch zu veranlassen und sich nach dem geglückten Rückzug vor Hitler dafür zu verantworten. Paulus stimmte zwar mit Seydlitz in der Einschätzung der militärischen Lage und in der Auffassung, daß es unmöglich sei, eine Armee von fast 300.000 Mann aus der Luft zu versorgen, überein, wies eigenmächtiges Handeln und die Mißachtung eines Befehls von sich. Statt dessen schickte er folgenden Funkspruch an Hitler:

    Der Führer kann sich darauf verlassen, daß seine Befehle von mir und den unterstellten Truppen und Führern mit eisernem Willen und Aufbietung letzter Kraft durchgeführt werden. Der heldenhafte Kampf der letzten Tage beweist dies.

Wie so häufig zeigte sich hier der unbedingte Gehorsam des risikoscheuen Paulus, der auch Entscheidungen gegen eigene Ansichten einschloß. Schon als jungen Offizier hatte man ihn im Kameradenkreis "Kunktator", den Zauderer genannt. Wahrscheinlich um einem dennoch befürchteten, eigenmächtigen Handeln von Paulus entgegenzuwirken und ihn nachdrücklich auf den militärischen Gehorsam zu verpflichten, wurde dieser am 30. November von Hitler zum Generaloberst befördert.

Seit der Schließung des Kessels verschlechterte sich die Versorgungslage täglich. Lebensmittel, Munition und Treibstoff wurden immer knapper. Nicht einen Tag gelang es der Luftflotte, das geforderte Minimum an Versorgungsgütern in den Kessel zu transportieren, ganz abgesehen davon, daß sich unter dem eingeflogenen Nachschub häufig völlig Überflüssiges befand wie Orden, Präservative, Propagandabroschüren u.ä. Schon bald konnten nur noch Hungerrationen an die Landser ausgegeben werden, besaßen die kämpfenden Einheiten kaum noch Munition, war eine ordnungsgemäße Versorgung der Verwundeten in den Lazaretten wegen Mangel an Medikamenten, Verbandsstoff und medizinischem Gerät nicht mehr gewährleistet.

Spätestens als der am 24. Dezember unter der Tarnbezeichnung "Donnerschlag" durchgeführte Entsatzversuch General Hoths gescheitert war, mußte zumindest den militärischen Führern der eingeschlossenen Truppen klar gewesen sein, daß die Armee nur noch vor der Wahl zwischen Tod und Gefangenschaft stand.

Über 100.000 Angehörige der 6. Armee waren bereits im Kessel gestorben, als das sowjetische Oberkommando am 8. Januar 1943 ein Angebot zur ehrenvollen Kapitulation unterbreitete. Doch Hitler verbot die Kapitulation und Paulus unterwarf sich wie gehabt dessen Entscheidung und befahl, in Zukunft alle Parlamentäre des Gegners durch Feuer abzuweisen.

    Die Ablehnung des sowjetischen Kapitulationsangebotes vom 8. Januar 1943 ist historisch, militärisch und menschlich gesehen einer der großen Schuldposten nicht nur der obersten Wehrmachtsführung und des Oberkommandos der Heeresgruppe Don, sondern auch der Führer der 6. Armee, ihrer Armeekorps und ihrer Divisionen.
    Adam

Nach Ablauf des Ultimatums, das im Kapitulationsangebot der Sowjetarmee gestellt worden war, begann am 10. Januar der Generalangriff auf den Kessel.

    Die Luft dröhnte, der Boden schwankte. Stahl hagelte auf die 'Festung Stalingrad' nieder, zerfetzte Menschen und Tiere, vernichtete Unterstände und Fahrzeuge, riß Waffen und Telefonleitungen auseinander. Die Rote Armee gab Antwort auf die Ablehnung des Kapitulationsangebotes.
    Sowjetische Panzer in unabsehbarer Zahl, besetzt mit Infanteristen, hatten unsere Westfront, teilweise auch die Südfront durchbrochen, unsere Stellungen einfach überwalzt. Unsere Soldaten kämpften verbissen ­ vergebens!

    Adam

Die 6. Armee begann, sich aufzulösen. Ihre Verluste an "Menschenmaterial" wurden immer größer. Nachdem am 23. Januar der letzte Flugplatz im Kessel verlorengegangen war, brach die Luftversorgung endgültig zusammen. Zwei Tage später gelang es der Sowjetarmee sogar, den Kessel zu spalten. Von geregelten militärischen Operationen konnte von deutscher Seite schon lange nicht mehr die Rede sein. Die Armee im Sinne eines militärischen Kampfverbandes hatte aufgehört zu bestehen, was jedoch nicht bedeutete, daß nicht bis zuletzt noch Befehle und Weisungen erteilt, Hinrichtungen vollstreckt, Beförderungen eingereicht und bearbeitet, Funksprüche empfangen und abgesandt, Mannschaftsbestände errechnet wurden u.v.a.m. Paulus und sein Stab haben von wechselnden Kellern aus "dem Untergang der Armee die militärische Form gegeben, solange es sich machen ließ", wie der Publizist Erich Kuby einmal zutreffend schrieb.

Noch während im Stalingrader Kessel ca. 100.000 Mann unter allerdings katastrophalen Bedingungen lebten, gab Göring in seiner berühmt-berüchtigten "Leichenrede" anläßlich des 10. Jahrestages der nationalsozialistischen Machtergreifung am 3O. Januar den Untergang der 6. Armee und damit den Tod aller ihrer Angehörigen bekannt. Um alle Überlebenden des Stalingrader Kessels als Zeugen des Untergangs der 6. Armee zu beseitigen, sollen auf seinen persönlichen Befehl später sogar Kriegsgefangenenlager bei Stalingrad bombardiert worden sein.

Dem Untergang greifbar nahe, die sowjetischen Truppen waren nur noch wenige hundert Meter entfernt, sandte Paulus zum Jahrestag noch Huldigungstelegramme an Hitler:

"Die 6. Armee hat getreu ihrem Fahneneid für Deutschland bis zum letzten Mann und bis zur letzten Patrone eingedenk ihre hohen und wichtigen Auftrages die Position für Führer und Vaterland bis zuletzt gehalten. Paulus"

"Zum Jahrestag Ihrer Machtergreifung grüßt die 6. Armee ihren Führer. Noch weht die Hakenkreuzfahne über Stalingrad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generationen ein Beispiel dafür sein, auch in der Hoffnungslosigkeit nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland siegen. Heil mein Führer Paulus, Gen.Oberst"

Der Text dieser Funksprüche wurde von der Goebbels-Propaganda dankbar u.a. für Titelzeilen im "Völkischen Beobachter" verwendet.

Als Dank für diese "Nibelungentreue" beförderte Hitler Paulus zum Generalfeldmarschall. Paulus verstand diese Beförderung so, wie sie gemeint war: als Aufforderung zum Selbstmord. Ein einziges Mal nur ließ Paulus den bislang von ihm gewohnten Gehorsam vermissen: Er wählte nicht den Freitod, sondern den Weg in die Gefangenschaft. An den Übergabeverhandlungen mit sowjetischen Offizieren beteiligte er sich allerdings nicht. Die Kapitulation überließ er den Offizieren seines Stabes.

Paulus wünschte, von der sowjetischen Seite als "Privatperson" angesehen zu werden und nutzte damit Privilegien, die keinem General, wohl aber einem Feldmarschall zustehen. In einem geschlossenen PKW, den er sich für den Weg in die Gefangenschaft ausbedungen hatte, fuhr er an den Marschkolonnen der ungefähr 90.000 Überlebenden seiner Armee vorbei.

Sogar noch nach der Gefangennahme fühlte sich Paulus an die Befehle Hitlers gebunden. Der Aufforderung der sowjetischen Armeeführung, den Kommandeuren kleinerer, noch immer kämpfender Kessel in Stalingrad die Kapitulation zu befehlen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, kam er mit dem Hinweis, daß alle diese Einheiten nun Hitler persönlich unterstellt seien, nicht nach.

Die kranken, ausgehungerten und halberfrorenen deutschen Soldaten waren den harten Bedingungen in den Gefangenenlagern eines kriegszerstörten und ausgepowerten Landes nicht gewachsen. Nur 6.000 kehrten, teilweise erst nach vielen Jahren aus der Sowjetunion in die Heimat zurück.

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