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Panorama-Museum Wolgograd

Bereits vor fünf Jahren, im Sommer 1987, gelang mir ein überraschender Fund. Während eines «Lokaltermins» für eine wissenschaftliche Abhandlung gerieten mir im Archiv des Panorama-Museums «Stalingrader Schlacht» in Wolgograd unerwartet Briefe und Tagebücher von Angehörigen der 6. Armee in die Hände. Diese waren seit Kriegsende dort gelagert. Auf welchem Wege das Material in das Wolgograder Archiv gelangt ist, läßt sich im einzelnen heute nicht mehr rekonstruieren.

Da die Räumlichkeiten des Museums bis zum Umzug in das neue Gebäude Mitte der siebziger Jahre sehr beengt gewesen waren und sich ohnehin kaum jemand für die deutschen Dokumente interessierte, waren sie bis auf wenige Ausnahmen nicht katalogisiert, sondern in primitive Holzkisten verpackt und später vergessen worden.

Ein Teil des Materials soll sogar beim Umzug des Museums abhanden gekommen sein. Nur eine Archivmitarbeiterin wolgadeutscher Herkunft erinnerte sich während meines Besuchs noch an die mittlerweile n einer Ecke des Archivs eingestaubten Kisten.

Der sorglose Umgang mit den deutschen Akten steht in einem krassen Widerspruch zur pedantischen Ordnung der Ausstellungen und Sammlungen des Panorama-Museums. Das Gebäude steht am Steilufer der Wolga und erinnert mit seinem riesigen Rundbau und dem ihn noch überragenden Obelisken an einen futuristischen Tempel. Der beinahe sakrale Charakter des Museums wird im Innern unterstützt durch gedämpftes Licht, reliquienartige Ausstellungsgegenstände und die andächtige Stille der Besucher. Wenn auch die deutschen Bestände des Panorama-Museums nicht sehr umfangreich sind - das meiste wurde von der 6. Armee planmäßig vernichtet oder ging in den Wirren des Untergangs verloren -, so können sie doch aufschlußreiche Informationen über das Alltagsleben im Stalingrader Kessel vermitteln.

Quelle: Jens Ebert “Stalingrad eine deutsche Legende. Reinbek bei Hamburg 1992

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