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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

3. Sendung - 4. November

Herbst 1914. Der Versuch der deutschen Heeresleitung, in Flandern doch noch den Durchbruch zu erzwingen und zum Bewegungskrieg zurückzukehren, scheitert unter schweren Verlusten. Nach der Marne-Schlacht beginnt der Stellungskrieg. Die Front verhärtet sich vom Ärmelkanal bis zur Schweizer Grenze.

Hauptmann Heinrich von Helldorff schreibt am 22. Oktober an seine Frau:

"Hier liegen sich jetzt beide Parteien in Verteidigungsstellungen gegenüber, bis an die Zähne eingegraben. Manchmal tun die Franzosen so, als ob sie angreifen wollten, aber bisher nicht in unsere Richtung. Ein richtiger Angriff ist es aber nie, nur Feuergefecht auf weitere Entfernung, dann gehen sie wieder zurück.

Des Nachts wird an der Stellung gearbeitet, schon damit die Leute nicht einschlafen. Bei Tage aber wird geschlafen, während einzelne Leute das Vorgelände beobachten. Des Nachts außerdem reger Patrouillengang gegen die feindliche Stellung, wobei manche Leute sich äußerst gewandt und schneidig benehmen. "

Weil der Bewegungskrieg in diesem Herbst ausbleibt, berichten die Soldaten ihren Angehörigen über Stellungsgefechte. Der Hauptmann erzählt von vermeindlichen Erfolgen:

"Einer Patrouille hatte ich in der letzten Nacht einen Hornisten und einen Tambour mitgegeben. Nachdem etwa hundert Meter vor der feindlichen

Stellung Schnellfeuer abgegeben war, liefen die Kerls seitwärts in eine Deckung, von wo die beiden Spielleute laut und unausgesetzt Angriffsignale

bliesen und trommelten (richtig anzugreifen ist uns augenblicklich verboten ; es entspricht an dieser Stelle der allgemeinen Lage nicht ). Das versetzte die Franzosen in eine rasende Aufregung. Sie gaben aus ihrem Graben ein mildes "Angstfeuer" ab, was aber keinen meiner Leute verletzte, die bei Tagesanbruch alle wieder wohlbehalten bei der Kompanie erschienen, hochbelobt und beehrt. Eine am Tage vorher bei Tageslicht ohne mein Vorwissen von dem etwas entfernter liegenden Zug "Spiegel" abgelassene Patrouille hatte ein richtiges kleines Gefecht, bei dem sie von einer französischen Patrouille drei Leute erschossen und einen verwundet hat. Leider hatten von den fünf Leuten unserer Patrouille auch drei leichte Verwundungen erhalten, aber ganz harmloser Natur. Immerhin sind sie mir ausgefallen, was bei der schon sehr großen zahlenmäßigen Schwäche der Kompanie nicht angenehm ist. "

Anfang November beginnt die deutsche Offensive in Flandern. Wieder einmal glauben die Soldaten, der Krieg werde nicht mehr lange dauern. Heinrich von Helldorff wird in jenen Tagen nach Ypern verlegt. Von dort schreibt er am

8. November 1914 an seine Frau:

"Es scheint, daß wir hier so etwas wie die Entscheidung bringen sollen. ... Es ist wenigstens ein Glück, daß wir an der tatsächlich entscheidensten Stelle der

ganzen augenblicklichen Lage in Aktion treten und daß, wenn es Opfer kostet - und das wird es - man weiß, wofür es ist. Ich jedenfalls werde mir vorstellen, Ihr Lieben zuhause alle ständet hinter mir, und ich müßte Euch schützen. Morgen mehr !"

Am 11. November, drei Tage nachdem er diesen Brief geschrieben hat, fällt Hauptmann von Helldorff bei Ypern. Es ist der Tag nach dem Gefecht von Langemark, jener flandrischen Ortschaft, die zum Sinnbild des massenhaften maschinellen Todes auf dem Schlachtfeld werden sollte. Mit dem "Deutschlandlied" auf den Lippen rannten vor allem junge Kriegsfreiwillige gegen die alliierten Stellungen an. Aber weder in Langemark noch in Ypern fällt die von den Soldaten erhoffte Entscheidung.

Der Krieg wird von diesem Herbst an auch mit neuen, immer raffinierteren Mitteln geführt. Im Frühjahr 1915 setzen die Deutschen vor Ypern erstmals Giftgas ein.