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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

4. Sendung - 5. November

Rückblende: August 1914 - Kriegsbeginn

Auf deutscher Seite ruft der Weltkonflikt zweierlei Reaktionen hervor: Bürgerliche und akadamische Kreise erwarten mit Begeisterung den Kriegsausbruch - viele Studenten melden sich freiwillig an die Front. Bewohner des ländlichen Raums sehen die Mobilmachung meist mit Sorge und Angst.

Ernst Wittefeld, Jahrgang 1880, ist Sohn eines Hofbesitzers in Sögeln bei Bramsche. Als Landwehrmann ist er später eingerückt und folgt den kämpfenden Truppen nach, dient also in der "Etappe" . Seine Einheit ist für die Aufräumarbeiten eingeteilt und für Wachaufgaben zuständig. An seine Eltern und seine Schwester Luise schreibt er am 31. Oktober 1914:

"Ich kann Euch in diesem Brief nur sehr wenig von dem, was ich gesehen, mitteilen, denn all das Unglück und all die Verwüstungen und all den Hunger, den wir an kleinen Kindern und Frauen wahrgenommen haben, kann ich Euch nicht schreiben. Männer sind fast gar keine zu finden - nur als alte Greise.

Ach , meine Lieben, wir seid Ihr doch daheim so glücklich, Ihr wißt gar nicht, wie glücklich Ihr seid. Ihr tut ein großes Unrecht, wenn Ihr klagt und jammert, denn dazu habt Ihr keine Ursache. "Alles, was ich gesehen habe, ist ja noch nichts gegen ein Schlachtfeld mit toten Menschen und Pferden" , werdet Ihr vielleicht sagen. Ja es ist mehr. Aber ich habe schon viel zu viel gesehen. Ich habe genug vom Jammer und Elend. Die ganze Ernte ist zum Teil noch draußen, zum Teil auch gemäht, zum Teil in Hocken, zum Teil noch nicht mal aufgesetzt. Es sieht traurig aus, all die schönen Weizenfelder."


Für seine Schwester fügt Ernst Wittefeld hinzu:

"Liebe Luise,

wenn Du einen Brief schreibst, so kannst Du ihn auch wohl vollschreiben und auch am Rand keinen Rand lassen und die Reihen ordentlich vollschreiben. Ein Bild von mir kann ich Euch wohl nicht schicken, denn Zivilpersonen dürfen hier unsere Stellungen nicht betreten und vor allem kein Photograph. Und nach Metz dürfen wir auch nicht, es wird streng bestraft werden, wenn wir weiter gehen, als wir das Alarmhorn unserer Kompanie hören können."

Sechs Monate später, am 10. April 1915 stirbt Ernst Wittefeld im Gouvernement Metz. Zwei Monate zuvor hatte er dafür gesorgt, daß ein Konto zugunsten seines Sohnes bei der Sparkasse Bramsche eingerichtet wurde, damit, wie er nach Hause schrieb, "der kleine Georg eine Erinnerung an seinen Vater hat, falls dieser fällt."

Auch das Frühjahr 1915 bringt keine Entscheidung. Die Winterpause haben beide Seiten dazu genutzt, sich auf neue Offensiven im Frühjahr vorzubereiten. Die Soldaten an der Front leben im Ungewissen . Sie bekommen nur einen Eindruck von den Vorbereitungen, die auf den Neubeginn der Kämpfe hinzudeuten scheinen. So schreibt der 25 Jahre alte Etienne Tanty am 28. Januar 1915.

"Voilà six mois bientôt que cà dure, six mois, une demi-année qu'on traîne entre vie et mort, jour et nuit , cette misérable existence qui n'a plus rien d'humain; ...

Fast sechs Monate, ein halbes Jahr dauert nun dieses elende Dasein zwischen Leben und Tod, Tag und Nacht, das nichts Menschliches mehr hat; sechs Monate und noch nichts hat sich abgezeichnet, keine Hoffnung;

Alles war nur ein Vorspiel, wir sind also bisher nur beim Prolog der Tragödie, deren erster Akt im Frühjahr beginnen wird. Dann werden die Kanonen bereit sein und in der jämmerlichen Arena der Schützengräben wird die Schlächterei wie zu Neros Zeiten blutiger als je zuvor fortgesetzt, und gleich Sklaven aus der Antike wird man uns aus unseren Verließen herausholen, um uns den stählernen Ungetümen zum Fraß vorzuwerfen. Und das wird ausgerechnet bei der Wiederkehr des Frühlings sein, bei der Erneuerung der Erde. Und warum dieses ganze Gemetzel ? Ist es der Mühe wert, tausende Unglückliche so lange warten zu lassen, nachdem man ihnen ihr Leben schon monatelang

geraubt hat ?

... Et pourquoi tout ce massacre ? Est-ce la peine de faire attendre la mort si longtemps à tant de milliers de malheureux, après les avoir privés de la vie pendant des mois."