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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

5. Sendung - 6. November

Februar 1915. Zwischen Elsaß und Nordsee erstreckt sich die Westfront auf nahezu 600 Kilometern. Die deutschen Truppen können ihre Stellungen nur halten, weil sie alles - auch Landwehrtruppen - an die Front werfen. Die Soldaten erleben die ersten großen "Materialschlachten" - bei einem Angriff Mitte Februar setzen die Franzosen auf einem Frontabschnitt von acht Kilometern neun Divisonen und mehr als 800 Geschütze ein.

Auch der Landwehrmann Ernst Wittefeld wird aus der Etappe an die Front verlegt. Am 25. Februar 1915 schreibt er an seine Eltern und die Schwester Luise:

"Habe heute abend nach sehr langem schmerzlichem Warten Euren Brief erhalten und gesehen, daß Ihr noch gesund und munter seid. Ich bin auch noch gesund und munter, der liebe Gott hat mich beschützt, er wollte noch nicht, daß ich am 15. und 16. Februar sterben sollte, wie so viele meiner Kameraden. Ach lieber Vater, Mutter und Luise, was haben wir in den beiden Tagen nicht erlebt, es ist nicht zu beschreiben und für Euch auch besser so. Wir haben 24 Stunden in einem durch in einer fürchterlichen Schlucht gelegen und viele Familienväter auf der Wallstatt liegen lassen auch W. Heymann aus Hesepe und Speck, Johann aus Heeke, der Dachdecker, der uns damals das Haus dicht machte.... Er war ein guter Freund von mir, es waren fürchterliche Stunden, unsere Kompanie hatte sieben Tote und viele Verwundete, die vierte im ganzen 41 Mann Verluste. Am 2. Abend mußten wir den Berg räumen, weil wir ihn nicht halten konnten und so ging es in wilder Flucht zurück und ich hatte mich mit mehreren Kameraden von der Kompanie getrennt und wir kamen in der Nacht wieder auf die rechte Strecke ...Mehr will ich Euch man nicht davon schreibe, denn es ist nichts für Euch"

Die Soldaten versuchen, in ihren Briefen ihr Entsetzen auszudrücken, aber auch, ihre Angehörigen zu schonen. Gleichzeitig nimmt in zahlreichen Briefen im Frühjahr 1915 der Wunsch nach Frieden zu, zumal die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende schwinden. Viele Soldaten bewegt die Sorge um Haus und Hof. Ernst Wittefeld schreibt:

"Alles ist uns zuwider und man lebt sehr stumpfsinnig wie ein Vieh in den Tag hinein, nichts hat mehr ein Interesse für mich, nur noch der eine Gedanke, Friede, Friede, Friede. Aber wann wird er kommen. Es kann wohl noch lange dauern.

Lieber Vater, Du mußt , wenn es geht, die Weiden abschneiden. Du kannst ja die meisten weggeben, nur viele lange, zum Besenbinden, mußt Du für uns wegstellen. Wenn ich, so Gott will, wiederkomme, so werden die Besen wohl alle sein, die ich gemacht hatte. "

Das Gefühl der Hoffnungs- und Sinnlosigkeit auch auf französischer Seite. Der 25-Jahre alte Etienne Tanty schreibt am 28. Januar 1915 nach Hause :

"Hier , ou avant-hier, au rapport, on a lu des lettres de prisonniers boches. Pourquoi ? Je n'en sais rien, car elles sont les mêmes que les nôtres. ...

Gestern oder vorgestern, beim Rapport, wurden Briefe der gefangenen Deutschen gelesen. Warum ? Ich habe keine Ahnung, denn sie schreiben dasselbe wie wir: Das Unglück, die vergebliche Hoffnung auf Frieden, die ungeheuere Dummheit all dieser Dinge. Diese unglücklichen Boches sind wie wir! Sie sind wie wir und das Unglück ist für alle gleich ...

Wir verkommen zu Tieren; ich fühle es bei den anderen, ich fühle es bei mir; ich werde gleichgültig, schal, ich irre ziellos umher, ich laufe herum, ich weiß nicht, was ich tue. Und wenn ein flüchtiger Windstoß die Aschenreste durchwühlt und die Glut wiederentzündet, dann bin ich von allem , was mich umgibt, so angeekelt, daß ich mir noch unglücklicher vorkomme.

... , alors je suis si écoeuré de tout ce qui m'entoure que j'en suis encore plus malheureux.

.Je vous embrasse, Etienne."