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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

9. Sendung - 12. November

Soldbuch für den Fahnenjunker Brunner - Nr. 660 der Stammrolle.

geboren am 29.8.1898 in Osterfeld/Thüringen

Wohnort: Zeitz, evangelisch, Gymnasiast, ledig.

Tag des Eintritts in das stehende Heer: 5. Juli 1915.

Personalbeschreibung : Größe 1 m 65.

Gestalt: mittel.

Haar: blond.

Bart: keiner.

Stiefel: Länge 27 Weite 4.

Im Juli 1915 Impfung gegen Pocken, Cholera und Typhus.

Ausgefertigt Halberstadt 5. Juli 1915

Am 28. November 1915 wird der Fahnenjunker Karl Brunner von Halberstadt aus an die Westfront kommandiert. Im Sommer darauf greifen Engländer und Franzosen an der Somme an. Statt des erhofften Durchbruchs bringt diese Schlacht zu Beginn schwere Verluste. Schon am ersten Angriffstag beklagen allein die Engländer mehrere zehntausend Opfer. In diesem Sommer kämpft auch Karl Brunner an der Somme. Am 23. Juli 1916 schreibt der 17 Jahre alte Gymnasiast an seine Schwester Mathilde:


"Am 22sten morgens erhielten wir ein leichtes Artilleriefeuer auf den Graben. Ab und zu mal eine 15er, die aber sämtlich Blindgänger waren. Nachmittags

drei Uhr fingen die Engländer an, uns mit 15er Granaten förmlich zuzudecken.

Wir hatten als Schutz nur kleine Wulen in der Wand ; was für Schutz das aber

war, erwies sich bald. Gleich die ersten gingen dahin, wo meine Wule lag, in

der ich Gott sei Dank nicht drin war. Sie verschütteten den Graben bis zur Hälfte und drei Leute, die in den kleinen Löchern Schutz gesucht hatten, darunter meinen Burschen. Ich nahm mir sofort zwei beherzte Kerls, und so machten wir uns gleich ans Rettungswerk. Es war schrecklich. Unter uns lagen die drei und wimmerten herzzerreißend, oben krepierte Schuß für Schuß schwere Artillerie, neben uns mit ohrenbetäubendem Krachen. Wir schippten, daß uns der Schweiß runterlief. Schon stieß ich auf meinen Burschen mit dem Spaten, da schlug eine Granate zwei Meter hinter uns ein und verschüttete uns beinah. Alle Arbeit war umsonst gewesen. Es vergingen 15 Minuten angestrengtester Arbeit, doch immer wieder wurde alles zugeworfen.

Dann gab ich es auf. ....Es waren schauderhafte Minuten, Stunden. Man hört diese Dinger immer auf sich zuheulen und kann nicht ausweichen vor ihnen. Das entnervt kolossal. Abends machte ich mich daran, meine Wule auszubuddeln, in der Regenmantel, Gasmaske, Brotbeutel usw. lagen. Eine kleine Pause zum Schreiben.

Ein Schrapnell warf mir eben einen Batzen Dreck ins Gesicht und auf den Brief. "Dolle Sache"! - Während wir arbeiteten hieß es plötzlich: "Alle Mann an Bord !". Im selben Augenblick ging das feindliche schwere Artillerie-Feuer mehr auf die hinter uns liegenden Batterien. Dafür wurden wir mit einem Hagel von Schrapnells überschüttet. Doch alles atmete erleichtert auf, daß wir keine "schweren" mehr abkriegten.

So standen wir etwa 15 Minuten im Schrapnellfeuer, aber innerlich vollständig beruhigt. Vor diesen Dingern hat man keine Angst. Endlich gingen rechts und links die roten Leuchtkugeln hoch, also beiderseits Angriff. Das Artilleriefeuer hörte nun auf, wir standen, in der rechten Hand das Gewehr, links die Handgranate, zum Empfang bereit. Aber sie griffen nicht bei uns an.

Plötzlich der Ruf: "Leuchpatronen und Handgranaten nach links, Feind ist links eingebrochen". Was das bedeutet, glaubt Ihr gar nicht. Auf deutsch: Die Westfront mal wieder wie am 14ten durchbrochen."

Karl Brunner schreibt diesen Brief am 23. Juli 1916. Drei Tage später adressiert sein Hauptmann folgenden Feldpostbrief an die Mutter:

"Hochverehrte, gnädige Frau !

Schmerzlich bewegt erfülle ich die traurige Pflicht und teile Ihnen mit, daß Ihr lieber Sohn, unser tapferer Kamerad, am 23. 7., kurz nach 7 Uhr abends, durch ein Artilleriegeschoß einen leichten Heldentod fand. Trotz seiner Jugend hat er mit Hingabe, Pflichtbewußtsein und vorbildlicher Tapferkeit bis zuletzt seinen Zug geführt. Die Kameraden des Regiments und die Mannschaften der 3. Kompanie beklagen tief den Verlust dieses lieben und bescheidenen Offiziers. Ich, als sein Bataillonskommandeur, kann Ihnen nur versichern, daß er in vollstem Maß seine Schuldigkeit getan und als Held angesichts des Feindes gefallen ist ! Die Kameraden mußten ihn an Ort und Stelle südwestlich Martinpuich zur letzten Ruhe betten, da ein Bergen in den furchtbaren Kämpfen nicht möglich ist. Seien Sie unserer allerherzlichsten Teilnahme versichert.

Voller Ergriffenheit . Klutmann