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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

10. Sendung - 13. November

Kriegsjahre 1916/17. Tod und Verklärung.

In den Kämpfen für die Verteidigung des deutschen Vaterlandes hat auch ein teures Glied Ihrer Familie den Heldentod erlitten. Zum Gedächtnis des auf dem Felde der Ehre Gefallenen haben seine Majestät der Kaiser und König in herzlicher Teilnahme an dem schweren Verlust und in Anerkennung der von dem Verewigten bewiesenen Pflichttreue bis zum Tode Ihnen das beifolgende Gedenkblatt verliehen, das als ein Erinnerungszeichen an die große Zeit und den unauslöschlichen Dank des Vaterlandes in Ihrer Familie dauernd bewahrt werden möge.

Der Kriegsminister"

Das ist die offizielle Wortwahl. Die Soldaten in den Schützengräben, hüben wie drüben, erleben, was sich hinter diesen Begriffen "Heldentod" und "Pflichttreue fürs Vaterland" verbirgt.

Maurice Drans, Soldat des 262. Infanterie-Regiments schreibt am 18. Mai 1917:

"Un sursaut, une crispation , mon corps soudain comme voulant s'engloutir tout entier dans la terre. L'engin roule dans les espaces avec un ruissellement d'eau soulevée de la rame, un bruit de vapeur grondante qui s'accentue, tonne, èclate ...

Ein Zusammenfahren, ein Aufzucken, mein Körper, als wollte er plötzlich vollständig in der Erde versinken ... Das Geschoß braust durch heran, wie herabstürzendes Wasser . Ein grollendes Dampfgeräusch, das deutlicher wird, donnert, platzt ... Es ist ein schwarzes Biest. Das Krachen ist fürchterlich. Man sieht den Splitterregen, der hochsteigt, sich ausbreitet, über den Bäumen zerspringt, dann auf unsere Unterstände fällt. Nicht einer wird davon getroffen. Was für ein Glück ! Motorengeräusche durchheulen die Wolke, elektrisieren die Atmosphäre. Ich bin angespannt; beinah so schwach wie ein Küken; und so zerbrechlich !

... Ein Geruch von Pulver und Brand verpestet unsere Nasen, nimmt uns den Atem. Und nun herrschen nur mehr die Erschütterung der Elemente, ein Wälzen, ein speiendes Geschrei, ein ruckartiges Uhuen, ein Knattern; eine gewaltige Feuersbrunst, die von Blitz- und Donnerschlägen durchzogen ist. Die Brenn- und Aufschlagzünder zerplatzen auf der Erde. Sie wechseln in dieser höllischen Sturmglocke unter der erbleichten Flamme der Sonne einander ab. Ein Trost, unsere Leute schießen zurück. - Und wie !

Vor uns die 75er, denn wir bilden die Nachschublinie. Hinter uns die größeren Kaliber, genauso schnell, mit heftiger und zerreißender Detonation. Ich verstopfe meine Ohren mit Watte, denn wenn man vor den Geschützen steht, die einem beinahe ins Gesicht blasen, ist der Lärm betäubender, infernalischer als hinten. Man sieht umherstreuende Feuer, wie flüchtige Garben, die, unterstützt durch ihre Häufigkeit, Löcher aus Licht in der undurchsichtigen Schicht aus rußiger Luft bilden.

Was für ein majestätisches Drama spielt sich hier ab, episch in seinem Schrecken, mit diesen Flammenspuckern aus unseren Stahlmäulern, die die ihren zum Schweigen zwingen, ihren Haß in den zusammengekauerten Wanst zurückdrängen. Sehr weit oben der träge Sog unserer großen Kaliber. Es ist ein Genuß , in dieser Wildheit diese Antworten zu hören: "Für Frankreich! Sammelt

Euch !!"
Plötzlich ist alles ganz still. Nocheinmal beginnt das Leben unter dem zarteren Feuerwerk einer Sonne, die an diesem Abend für einen Abend untergehen wird und morgen wieder, immer wieder, wie die fortschreitende Ewigkeit, aufstehen wird.

Gibt es Tote ? Das wage ich nicht herauszubekommen. Ich habe mich wieder darangesetzt, Dir zu schreiben; ich werde es früh genug wissen. Dann packt mich der Schlaf; ein dumpfer zermalmender Schlaf unter einem drohenden Fallbeil. Verzeihe mir..... Lege Deine Arme um meinen Hals, während ich mich ausruhe.

... Pardonne moi. ...Mets tes bras autour de mon cou pendant que je vais reposer.

Mille caresses de ton Maurice."



Edmond Vittet, Sohn eines Bäckermeisters aus Lyon, erlebt den Krieg als Sekretär eines hohen Offiziers. Der Soldat stirbt im Juli 1916 - zuvor verfaßt er folgenden Brief:

"Le poilu c'est celui que tout le monde admire, mais dont on s'écarte lorsqu'on le voit monter dans un train, rentrer dans un café, dans un restaurant, dans un magasin, de peur que ses brodequins mochent les bottines, que ses effets maculent les vestons à la dernière coupe, que ses gestes effleurent les robes cloches, que ses paroles sentent trop crû ...

Der Poilu ist jemand, den alle bewundern, aber vor dem man zurückweicht, wenn man ihn in den Zug einsteigen, ein Café, ein Restaurant, ein Warenhaus betreten sieht, weil man Angst hat, daß seine Stiefel die Halbschuhe versauen, weil seine Kleidungsstücke die nach der jüngsten Mode geschnittenen Jacken beschmutzen, weil man Angst hat, daß er mit seinen Gebärden die Glockenröcke streift, daß seine Worte zu roh klingen ... Der Poilu ist jemand, dessen wahres Leben niemand in der Heimat kennt, nicht einmal die Journalisten, die ihn rühmen, nicht einmal die Deputierten, die nur Abstecher in die Generalstäbe machen. .....Wieviele Poilu sind an der Front ? Weniger als man glaubt. Was erleiden sie ? Viel mehr als das, was man glauben könnte. Was macht man für sie ? ... Hat man in der Presse Erklärungen abgegeben, daß der Poilu noch die einzige Hoffnung Frankreichs ist, der einzige, der die Schützengräben hält oder nimmt, trotz Artillerie, trotz Hunger, trotz Besorgnis, trotz Erstickung... ?

... A-t-on vu expliquer dans la presse que le poilu, c'est encore le seul espoir de la France, le seul qui garde ou prend les tranchées, malgré l'artillerie, malgré la faim, malgré le souci, malgré l'asphyxie ... ? "