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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

11. Sendung - 16. November

September 1916.

Zu den deutschen Soldaten, die an der Somme kämpfen, gehört Otto Rößler, Jahrgang 1881. Sein letztes Lebenszeichen schickt er am 14. September an seine Frau Marie. Der zuvor intensive Briefwechsel bricht damit ab. Zuhause wächst die Sorge um den Ehemann und Vater :

Quedlinburg, den 19.9.1916

Mein inniggeliebter Otto !

Du wirst auf Nachricht von mir warten. 5 Tage habe ich die Feder nicht angesetzt. Mein Guter, ich wartete immer auf Post von Dir - war ich doch die Tage so unruhig und heute erhielt ich deinen lieben Kartenbrief vom 14. 9. Meine Sachen gehen jetzt wohl durch die Verschiebungen auch länger, denn ich ersehe es aus Deinen wenigen Worten, daß Du woanders hingekommen bist. Dein Brief, welchen ich sehnsüchtig erwarte, wird mir hoffentlich ausführlicher darüber schreiben. Tue dies, mein Schatz, doch ferner etwas mehr, denn andere Frauen haben auch von ihren Männern betreffs der Verschiebungen ausführlichen Bescheid erhalten und ich weiß immer von meinem lieben Mann das wenigste. Glaube mir, mein Schatz, das Ungewiße reibt mich mehr auf, als wenn ich näheres von Dir weiß. Frau Schulze traf ich heute, von ihr mußte ich erfahren, daß Ihr nach der Somme gekommen seid. Karl hat es geschrieben. "

Quedlinburg, den 24.9.1916

"Mein inniggeliebter Otto !

Ich weiß nun meinem Herzen nicht weiter Luft zu machen, als mich in Schreiben zu vertiefen. Dein Bild steht vor mir und so oft ich dieses ansehe, denke ich an den letzten Abend in Aschersleben.

Mein guter Otto, seit Dienstag bin ich ohne Nachricht von Dir. Auf keinem Fleck habe ich Ruhe. Tu mir, mein Schatz, nur das nicht an und laß mich so lange warten. Wo ich nun weiß, Du bist dort fortgekommen, nur weiß ich nicht wohin, daß Du aber weiter vor bist, kann ich mir denken. Auch bist Du gewiß schon im Gefecht. Ach möge Dich doch dort der liebe Gott glücklich wieder herausführen. Du hast doch sonst immer, wenn irgend es Deine Zeit erlaubte, uns geschrieben . Wir warten so sehnsüchtig auf Deinen uns versprochenen Brief. Bis morgen will ich noch hoffen, denn Dein kleines Ichen vergißt Du doch nicht ?

Bekomme ich aber auch morgen nichts, weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. Also mein treuer Schatz, vergiß uns nicht. Bedenke meine Unruhe. "



Quedlinburg, den 27.9.1916

Mein inniggeliebter Mann !

Schon wieder sind 3 Tage vergangen, und ich warte noch auf Nachricht von Dir. Mein lieber Otto, ich bitte Dich von ganzem Herzen spanne mich doch nicht mehr auf die wartende Folter. Gib mir Bescheid, ich weiß nun nicht mehr, was ich denken soll. Auf Himmel und Erde habe ich keine Ruhe mehr.

Ist die Post gesperrt oder ist mit Dir was passiert ? Gestern war Viehmarkt, wir arbeiteten bis Mittag, dann ging ich mit den Kindern mal zum Kleers, daß

meine Gedanken nicht dort mit waren, kannst Du Dir denken. Aber nicht nur ich, sondern auch unser Hertchen hatte an nichts Freude, wollte nicht fahren, nichts kaufen, sondern trieb nur immer nach Hause. Ich merkte es dem Kinde an: Sie grämt sich auch, daß der gute Vater nicht schreibt.

Auch die Frauen in der Nähstube , alle erhalten Nachricht von den letzten Tagen, und wir haben von Dir die letzte Nachricht vom 14.9.

Mein guter Otto, ich habe fast keine Gedanken mehr, die Nächte keinen Schlaf und so scheußliche Arbeit. Denk Dir, mein Garn reißt auf der Maschine in einem Tage 152 mal, und da liegt ein Berg Arbeit neben dir, da kann ich wahnsinnig werden. Lange mach ich das nicht mehr, denn des Abends bin ich zu aufgeregt und dann von Dir, mein Schatz, keine Zeile. Von einem Postgang auf den anderen warten und immer nichts.

Ich kann meine Gedanken nicht mehr sammeln. Darum nimm von deinem sehnsüchtig wartenden treuen Weib und Kindern innige Grüße und heiße Küsse entgegen. Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen in der Heimat."

All diese Briefe von Marie Rößler erreichen ihren Mann nicht mehr. Sie erhält sie zurück, versehen mit den Vermerken: "Auf dem Felde der Ehre gefallen" und "starb den Heldentod" : Otto Rößler fiel am 20. September 1916 an der Somme. Die offizielle Sterbeurkunde wird erst drei Monate später ausgestellt.