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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

13. Sendung - 18. November

Bergung und Beisetzung an der Westfront.

Die historischen Angaben variieren, aber schon die ersten beiden Kriegsjahre kosten an allen Fronten vermutlich mehr als zwei Millionen Soldaten das Leben. Während der Kämpfe ist es meist unmöglich, die Toten zu bestatten, allenfalls werden sie in eilig ausgehobene Massengräber gelegt, nur wenige finden ihre letzte Ruhe in Einzelgräbern der umliegenden Friedhöfe. Nach dem Krieg wird in vielen französischen Gemeinden die Forderung erhoben, die Toten der gegnerischen Seite aus den Grabreihen zu entfernen. In den Bestimmungen von Versailles wird deshalb die Anlage von großen Soldatenfriedhöfen außerhalb der Ortschaften geregelt.

Willi Lutz, Vizefeldwebel, geboren 1891, fällt im Juni 1916 in Nord-West-Frankreich. Er wird zuerst auf dem nächstgelegenen Dorffriedhof bestattet. Nach dem Krieg wird auch er umgebettet: Lille Süd, Kriegsgräberabteilung, Grab Nr. 2091.

Zwei Tage vor seinem Tod schreibt der 25-jährige an seine Schwester. Lutz befindet sich in der Etappe. Er ist in einem französischen Haus einquartiert:

"Heute abend kam ich mit meinen beiden Hausfrauen zum erstenmal ins Gespräch. Sie sagten, sie beten täglich zu ihrem Gott, daß der Krieg bald

aufhöre, ob ich auch dies bete ? Ich blieb ihnen die Antwort schuldig. Sie sagte weiter: La querre, grand malheur (der Krieg, großes Unglück). Ihre beiden Männer im Feld, keine Korrespondenz, keine Zeitung, kein Brot, keine Kohlen

usw. In allem auf Deutschland angewiesen. Die eine der beiden Frauen zeigte

auf ihre Nähmaschine und erzählte mir, diese sei sehr gut. Seit 15 Jahren keine

Reparatur. Ich schaute näher hin und lese "Singer". Ich sagte, das ist ein deutsches Fabrikat. In Deutschland alles sehr gut. Sie lachte bejahend und sagte: Auch die Soldaten, die deutschen Soldaten, sind sehr sehr gut, aber naiv. Sie glauben alles, was in den deutschen Zeitungen steht. "

Willi Lutz wird auf dem Dorffriedhof von Marquillers in Nordwestfrankreich begraben.

Wie schwierig es ist, die Toten zu begraben, beschreibt Ludwig Reder. Er ist der Bursche eines Stabsarztes, der im Juni 1917 an der Westfront fällt. Trotz aller Probleme: An der Front werden hohe Offiziere auch im Tode bevorzugt behandelt. Reder berichtet am 22. Juni 1917 in einem Brief an die Schwester des Toten:

"Herr Oberarzt kam und sagte: Herr Stabsarzt ist gefallen. Den Schrecken und den Schmerz kann ich Ihnen nicht schreiben. Dann bin ich mit Herrn Oberarzt hinaus, so sah ich halt meinen guten lieben Herrn tot liegen. Solchen Anblick möchte ich nicht mehr erleben. Wie wir dort waren, war gerade ein schweres Feuer über uns. Ich hätte ja auch gern mein Leben dabei gelassen. Das Pferd stand daneben, das habe ich dann zurückgeritten. Abends wollte ich noch

meinen Herrn rüberbringen, ein Fuhrwerk ging gleich, mußte aber schwer Verwundete mit zurücknehmen. Es war also fast gar nicht hinzukommen vor Feuer. War was schreckliches und liegen wollte ich ihn auch nicht lassen. Am

8. mittags bin ich und ein Fahrer dann hinaus und haben ihn abgeholt.

Sämtliche Offiziere vom Regiment waren in Stellung. Ich und Herr Oberarzt

haben uns der Sache angenommen. Kein Sarg war im Moment beizubringen. Dann kam auch noch Befehl dazu, "Stellungswechsel". Wo nun mit der Leiche

hin ? Da sagte ich zum Herrn Oberarzt: Die Verantwortung übernehme ich. Ich gehe nach Warwick und kaufe einen Sarg von zivil, mag er kosten was er will ! Ohne Sarg wird Herr Stabsarzt nicht beerdigt. Inzwischen kam Meldung, wir bekommen einen Sarg vom Pionierpark. Wurde sofort geholt. Herr Stabsarzt hineingelegt in weiße Leinentücher. Von da wurde er zum Feldlazarett 9 gebracht. Am 10. Juni früh zehn Uhr war die Beerdigung. Habe ich Erlaubnis bekommen, hinzureiten.

Da sind beerdigt worden: Herr Stabsarzt in der Mitte, Herr Oberleutnant Lindemann rechts, war sein bester Freund. An Herren waren vertreten: Herr Brigadekommandeur General Held, Major Pfeiffer, Herr Hauptmann Keil und noch einige Leutnants, wo nicht in Stellung waren. Die Grabrede halten erst die beiden Geistlichen, dann der Herr General Heldt. Herr Major Pfeiffer legt Kranz nieder. Sämtliche Herren hielten eine rührende Ansprache."