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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

14. Sendung - 19. November

Kriegsjahr 1917.

Als Folge des uneingeschränkten U-Boot-Krieges erklären die USA dem Deutschen Reich den Krieg. In Rußland beginnt die Revolution: der Zar dankt ab, die Bolschewiki stürzen die provisorische Regierung. In Brest-Litowsk beginnen die Friedensverhandlungen zwischen Rußland und den Mittelmächten. Erich Ludendorff, der starke Mann in der obersten deutschen Heeresleitung, setzt, anders als sein Vorgänger von Falkenhayn , nicht auf Ermattung sondern auf die Vernichtung des Gegners.

Die Alliierten müssen Rückschläge hinnehmen: Den Engländern gelingt es in der zweiten Jahreshälfte nicht, die deutsche Front in Flandern zu überrennen. Im Frühjahr scheitert die französische Großoffensive am "Chemin des Dames".

Meutereien erschüttern die französische Armee. Soldatenräte werden gebildet. Philippe Pétain übernimmt den Oberbefehl - der "Retter von Verdun" stabilisiert die Front.

Hüben wie drüben sind die Soldaten in diesem dritten Kriegsjahr ohne Entscheidung demoralisiert.

Am 17. Mai 1917 schreibt Maurice Drans nach Hause:

"Ma Georgette,

avant-hier soir, dans l'encre bleue de la nuit, je parcourais sur la terre les signes de croix de l'au-delà. C'était l'éparpillement macabre du cimetière sans couverture, sans croix, abandonné des hommes, les gisements épars des cadavres innombrables, sans sépultures, le charnier à nu dans le grouillement des vers et dans les pluies d'obus qui continuaient ...

Meine liebe Georgette, vorgestern abend habe ich im tintenblauen Licht der Nacht hier auf der Erde die Kreuzeszeichen aus dem Jenseits gesehen. Es war das makabre Zerstreutsein eines unbedeckten Friedhofs, ohne Kreuze, von Menschen verlassen, ohne Gräber, ein aufgewühltes Massengrab, worin die Würmer bei dem unaufhörlichen Regen der Granaten wimmelten. Mehr als tausend Leichname krümmten sich dort, zerstückelt, angekarrt und aufeinandergestapelt ... Ich schleppte mich in dieser Nacht zu den Gefechtslinien, meinen Tornister auf dem Rücken; ich wurde schwach; in meinem Mund, in meinen Nasenflügeln Geruch, dieser Gestank; Freund und Feind im allerletzten Grinsen sympathisierend, in dieser von Wahnsinn heimgesuchten Ebene, in diesem von brüllenden Feuerstößen durchzogenen Abgrund zusammen - es umarmen sich diese vergewaltigten, nackten, verworrenen Leiber . Franzosen und Deutsche, die miteinander verwesen, ohne jede Hoffnung, daß jemals eine brüderliche oder fromme Hand sie zudecken wird. Sie aufzusammeln hieße seinen eigenen Leichnam diesem immer weit klaffenden Graben hinzuzufügen, denn unersättlich ist der Krieg ... Oh meine liebe Georgette, ich wollte Dir von Liebe sprechen, doch ich spreche Dir von Leichnamen ...! Doch der Höhepunkt ist, daß wir bei der Rückkehr nach Mitternacht unseren einzigen Happen der letzten 24 Stunden zu uns nehmen, während unser Mund noch voll ist von den Leichnamen; wir essen blindlings darauf los, ohne einen einzigen Lichtstrahl. Ach ! Fast nichts geht herunter und es ist kalt, erstarrt, alles andere als verlockend.

... , aprés minuit le seul repas par 24heures avec la bouche encore pleine des cadavres; nous mangeons à l'aveuglette sans même un moignon de lumière. Ah ! Cà ne coule guère et c'est froid, figé, pas tentant ... "

Der deutsche Offizier, Fritz Blachstein, schreibt am 4. Juni 1917 an seine Schwester:

"Dauernder Geschützlärm in reichlicher Nähe, brennende Ortschaften, abstürzende Flieger usw. Nachmittags machten wir einen kleinen Ritt und sahen mehrere Opfer von Menschen und Pferden, die eben einige Granaten in den Straßengraben gelegt hatten ... Wir besprachen das Thema "Schicksal und Mut":

Der arme Kerl da im Graben, von einer Zugkolonne, hat nie eine Waffe geführt und sich vielleicht sicherer fühlen dürfen, als die meisten in der vorderen Linie, da erreicht ihn der Zufall oder Bestimmung ? - Die Annahme der letzteren läßt manchen alles wagen, weil er sich für gefeit hält und er hat Glück. So macht sich jeder sein Verslein nach Temperament und Charakter zurecht, und der Schwarzseher läuft seiner Kugel entgegen. Der Optimist sagt sich, es ist so viel Platz in der Welt, warum soll ich gerade in dem Augenblick auf dem kleinen Raum stehen, wo das Todesgeschoß einschlägt ? Wenn das Ganze nur nicht so widersinnig wäre ! Diese Zerstörung von lebenden und toten Werten unter Aufwand unabsehbarer Kosten und übermenschlicher Kraft. Wofür ?"